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Seit über 25 Jahren erforscht Dr. Alexandros Frantzis, wissenschaftlicher Leiter des Pelagos Research Instituts, die griechischen Gewässer und ihre Tierwelt. Im Jahr 1998 macht er eine sensationelle Entdeckung: Nur wenige Kilometer vor der griechischen Küste leben 200 Pottwale! Seither beobachtet und begleitet Dr. Alexandros Frantzis diese seltenen Tiere. Der Pottwalforscher berichtet Bedenkliches, erlebte aber auch berührende Momente mit den Meeresgiganten.

Dr. Frantzis, wo waren Sie mit Ihrem Team unterwegs?

Wir fuhren während sechs Wochen dem Hellenischen Graben entlang, der Heimat der griechischen Pottwale. Ausgangspunkt war die Insel Lefkada, im Norden Griechenlands. Anschliessend ging es weiter nach Kefalonia, Zakynthos, am westlichen Peloponnes vorbei nach Kythira. Unser Ziel war Südkreta, wo wir den Prototyp des Wal-Warnsystems seit Juni 2019 testen. Und anschliessend natürlich den ganzen Weg wieder zurück.

Für Sie war es eine anspruchsvolle Expedition. Warum?

Die Formalitäten, aufgrund von COVID-19, waren eine grosse Herausforderung. Auch die politischen Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei machten uns zu schaffen. Mehrmals befanden sich Kriegsschiffe in unserer Nähe und wir wurden von Kriegsflugzeugen überflogen. ​Damit nicht genug: Unser Kapitän wurde krank und musste während der Expedition ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Wie steht es um die Pottwale im Hellenischen Graben?

Wir hatten während sechs Wochen nur drei Sichtungen, bei denen wir 18 Tiere identifizieren konnten. Dies ist deutlich weniger als vor zehn Jahren, als vier Sichtungen pro Woche die Regel waren. Dieser Rückgang ist drastisch und bereitet uns Sorgen.

Hat der Schiffsverkehr weiter zugenommen?

Ja, und er ist noch immer das grösste Problem für die Tiere. Wir haben erstmals neue, schnelle RO-RO-Schiffe beobachtet, die Lastwagen von Land zu Land transportieren. Eine gefährliche Entwicklung für die Pottwale!

Riesenfrachter durchqueren täglich den Lebensraum der Pottwale.

Schnelle RO-RO Schiffe sind für Pottwale besonders gefährlich.

 

Was war der schwierigste Moment während der Expedition?

Als der Motor bei rauem Wetter und hohem Wellengang plötzlich ausfiel und wir uns gefährlich nahe an der kretischen Küste befanden. Der Kapitän musste sofort die Segel setzten. Unglücklicherweise verhedderte sich dabei ein Kabel der Walschutzboje, die wir hinter uns herzogen, mit dem Ruder und wir verloren die Kontrolle über unser Schiff. Es blieb mir nur die Möglichkeit, sofort unter das Boot zu tauchen, um das Kabel vom Ruder zu lösen.

Und welches war Ihr schönster Moment?

Als sich ein Pottwal-Weibchen mit ihrem Kalb unserem Schiff näherte. Die Mutter wagte sogar, ihr Neugeborenes für einen kurzen Moment neben uns zurückzulassen. Das Kalb erkundete die Umgebung und verhielt sich dabei wie ein verspieltes Baby. Uns hat es vor Rührung die Sprache verschlagen. Ein magischer Moment, der uns alle Schwierigkeiten der Feldsaison 2020 vergessen liess.

Das Pottwal-Baby ganz aus der Nähe.

 

Wie weit ist das Wal-warnsystem vorangeschritten?

Trotz erschwerter Bedingungen verlief die Testphase der drei akustischen Bojen vielversprechend. Gewisse Teile müssen wir optimieren und Wirbelsturm «Ianos» hat uns zwei Bojen entrissen, was ein herber Rückschlag ist. Obwohl das Expertenteam intensiv nach den Bojen suchte, blieben sie unauffindbar. Der Verlust ist zwar versichert, aber er wird zu einer Verzögerung führen (siehe Abspann).

 

Die schönsten Momente der Expedition 2020

Aktuell

Wirbelstürme wie der besonders heftige «Ianos» haben im vergangenen September in der Mittelmeerregion grosse Schäden angerichtet. Auch südlich von Kreta, wo die drei Bojen des Wal-Warnsystems «SaveMoby» aktuell getestet werden. Heftige Winde und starke Strömungen haben zwei Bojen aus der Verankerung gerissen. Obwohl das Expertenteam intensiv nach den Bojen gesucht hat, blieben sie leider unauffindbar. Der Verlust ist zwar versichert, führt aber zu einer zeitlichen Verzögerung. Der Vorfall zeigt, wie anspruchsvoll die Entwicklung dieses Warnsystems ist. Die Genauigkeit, mit der Pottwale lokalisiert werden können, ist beeindruckend und weltweit einzigartig. Rückschläge sind Teil des Entwicklungsprozesses. Sie zeigen auf, wo noch Schwachstellen sind, die optimiert werden müssen – eine Notwendigkeit für das zuverlässige Funktionieren des Systems! Alle weiteren Tests waren erfolgreich. Auch an den Zielen ändert sich nichts und wir setzen alles daran, sie rechtzeitig zu erreichen.

 

Helfen Sie uns die Pottwale in Griechenland zu retten: SaveMoby-Projekt