OceanCare lanciert Hightech-Schutzbojen für die letzten Pottwale des Mittelmeers

Wädenswil, 24. Juni 2019: Ganze 200 Pottwale leben heute noch im östlichen Mittelmeer. Sie erleiden häufig schwere bis tödliche Verletzungen durch die enorme Zahl von Frachtschiffen, die ihren Lebensraum in hohem Tempo durchqueren. Zum dreissigsten Jahrestag ihrer Gründung lanciert OceanCare eine Schutzinitiative, die die Wale mit Hightech-Bojen ortet und ihr Vorkommen an die Schiffe meldet.

Erinnern Sie sich an «Moby Dick», den weissen Pottwal aus Hermann Melvilles Roman und dessen berühmter Verfilmung mit Gregory Peck? Im Roman und im Film wird er zum Seeungeheuer stilisiert, das ein Walfänger Boot angreift und dessen besessenen Kapitän zuletzt mit in die Tiefe reisst.

In der Realität trifft das Gegenteil zu: Wale wurden gejagt, so dass heute nur noch Restbestände vorkommen. Im östlichen Mittelmeer, in der Gegend des Hellenischen Tiefseegrabens, schätzt man die Population noch auf 200 Tiere. Doch nicht nur die chemische Verschmutzung des Meeres, die neue Verseuchung durch Plastikmüll, der allgegenwärtige Lärm und herrenlose Treibnetze von Fischern, bedrohen diese letzten Riesen des Mittelmeers, sondern auch die 30’000 Frachtschiffe, die ihren Lebensraum jährlich durchqueren. Als Meeressäuger müssen Pottwale an die Oberfläche kommen, um Luft zu holen. Und sie können beim heutigen Tempo der Frachter die nahende Gefahr aus vielen Winkeln schlecht orten und nicht schnell genug abtauchen, um der tödlichen Rotation der Turbinen oder dem Bug zu entgehen. Das Resultat beobachten ForscherInnen auf offenem Meer und eine erschreckte Öffentlichkeit an Stränden: Wale mit tiefen Wunden, elend verendende Tiere.

Es gibt für dieses lautlose Drama nur eine Lösung: Nicht die Wale müssen ausweichen, sondern die Schiffe. Darum entwickelt OceanCare, gemeinsam mit führenden Wissenschaftern aus ganz Europa, ein intelligentes Warnsystem, das die Tiere aufgrund ihrer typischen Klicklaute ortet. Hightech-Bojen erkennen diese Signale, senden sie an einen zentralen Server und warnen die Schiffe in der Umgebung. So können Kapitäne ihren Kurs rechtzeitig anpassen und fatale Kollisionen verhindern.

Vielschichtiges Engagement für die Pottwale
OceanCare führt seit 1997 Walforschungen durch. Die nächste beginnt am 29. Juni 2019. Sie liefert die wissenschaftlichen Bausteine für die Arbeit der Organisation in internationalen Gremien. Als UN-Sonderberaterin für Meeresschutz engagiert sich OceanCare seit 2011 in regionalen, nationalen und internationalen Foren für den Walschutz und verlangt beispielsweise durch das Abkommen zum Schutz der Wale und Delphine im Mittelmeer (ACCOBAMS), dass der Hellenische Tiefseegraben zum Schutzgebiet erklärt wird und die Hauptrouten für Containerschiffe verlegt werden. Auch eine Geschwindigkeitsbeschränkung für alle Schiffe ist wichtig, um das Überleben der Pottwale im Mittelmeer zu sichern.

Medienkontakte OceanCare

  • Schweiz: Sigrid Lüber, Gründerin und Präsidentin,
    Mail: slueber@oceancare.org, Mobil: +41 79 475 26 87
  • Deutschland und Österreich: Nicolas Entrup, Ocean Policy Experte,
    Mail: nentrup@oceancare.org, Mobil: +43 660 211 9963

Weitere Informationen und Links

  • https://www.oceancare.org/de/unsere-arbeit/tierschutz/wale/savemoby/
  • Inserate «Save Moby», ©OceanCare (weitere Formate erhältlich)