Eine grüne Wiese, ein blauer Bach im Hintergrund, friedlich grasende Kühe, Vogelstimmen und zirpende Grillen – die Idylle scheint perfekt.

Unser Bild der Schweiz ist geprägt durch intakte Natur, Ordnung und Sauberkeit. Das kommt nicht von ungefähr, wir Schweizer sind Weltmeister im Recycling. Über 50% des Haushaltmülls wird gesammelt und wiederverwertet, über 80% der PET-Flaschen an die Sammelstellen zurückgebracht. Unsere Abfallinfrastruktur ist vernetzt, effizient und produziert hochwertiges Recyclingmaterial.

Aber so einfach und sauber ist die Sache leider nicht:

  • Mit 703 kg Haushaltsabfälle pro Person und Jahr sind wir Schweizer weltweit die drittgrössten Abfallproduzent. Rund 20% unseres Mülls sind Plastikabfälle. Laut SwissRecycling verbrauchen wir 125 kg Plastik pro Kopf und Jahr, Tendenz steigend.
  • Nach eigenen Angaben produziert die Schweizer Kunststoffindustrie jährlich mehr als 800’000 Tonnen Plastik. Davon werden 41% für die Verpackungsindustrie verwendet. Leider haben Plastikverpackungen eine äusserst kurze Lebensdauer: So landen Plastiksäcke in der Regel nach nur 30 Minuten im Müll.
  • Nach Berechnungen der EMPA (Eidgenössische Material- und Forschungsanstalt) gelangen jährlich 5’000 Tonnen Plastik in die Umwelt, insbesondere in die Böden und Gewässer. Gemäss Swiss Litter Report landen monatlich erschreckende 10’000 – 13’000 kg Plastikabfälle an unseren See- und Flussufern, was jährlich Kosten von 200 Millionen CHF verursacht.

Bei meinen Vorträgen werde ich oft mit der Ansicht konfrontiert, dass es besser sei, den  zu verbrennen als in Deponien einzulagern. Verbrennung lässt uns glauben, dass das Problem sauber gelöst sei. Dabei geht vergessen, dass beim Verbrennungsprozess neben Kohlendioxid jährlich rund 800’000 Tonnen Filterasche und hoch-toxische Schlacken entstehen. Dieser Sondermüll wird entweder in Deponien eingelagert oder ins Ausland exportiert. Auch hier ist das Schweizer ‚Mustermodel‘ nicht ganz problemlos.

 

Das schmutzige Geschäft mit dem Abfall

Vielleicht sind Sie der Meinung, dass das Abfallproblem in vielen Ländern noch viel grösser sei. Das stimmt zwar, aber vergessen wir nicht, dass unser Konsumverhalten auf viele andere Länder negative Auswirkungen hat. Laut Recherchen der NZZ exportiert die Schweiz jährlich 100’000 Tonnen für Recycling vorgesehenes Plastik ins Ausland, vorwiegend nach Deutschland. Was dort damit geschieht, ist oft unklar und man kann leider nicht ausschliessen, dass unser Plastikmüll weiter exportiert wird.

China hat 2018 die Notbremse gezogen und die Einfuhr von Plastikabfall aus Industrieländern gestoppt. Auch Malaysia, Indien und Kambodscha haben ihre Plastikimporte massiv eingeschränkt. All diese Länder sind mit fremdem Abfall «gesättigt» und wissen längst nicht mehr, wo und wie sie diese lagern sollen.

Auch wenn wir in der Schweiz bereits vieles richtig machen, müssen wir den Umgang mit Plastik verändern. Mit unserer ICare-Kampagne zeigen wir Ihnen, wie dies geht. Geben Sie noch heute Ihr Versprechen für Ihre «Plastik-Diät» ab. Denn der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht.

Rahel Beck

Rahel Beck

Newcomer-Bloggerin Rahel Beck arbeitet seit 2018 für OceanCare im Bereich Wissenschaft und Bildung. Sie beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Plastiks auf die Umwelt und die Meerestiere.