Vergangene Woche nahm OceanCare in Abidjan, Elfenbeinküste, Westafrika, an der 12. Vertragsstaatenkonferenz der Abidjan-Konvention teil. Dieses Abkommen bietet einen übergeordneten Rahmen für alle meeresbezogenen Programme in West-, Zentral- und Südafrika. OceanCare leistete Beiträge zu den wichtigen Debatten über verschiedene Aspekte des Schutzes und Managements der Meere und freut sich besonders, dass es gelungen ist, Aquatic Bushmeat bei den Delegierten zu einem wichtigen Thema zu machen, so dass die Konferenz beschloss, diesem Problem in der Region mit energischen Schritten zu begegnen.

Unter „Aquatic Bushmeat“ versteht man das Fleisch wasserlebender Wildtiere (Säugetiere, Reptilien und Amphibien), die gejagt werden, um sie als Nahrung oder Medizin zu nutzen oder sie für andere überkommene Zwecke zu verwenden, darunter als Köder in der Fischerei. Wildtiere wurden seit jeher zu Nahrungszwecken genutzt. Heute aber bringen die Bevölkerungszunahme und die starke Nutzung lokaler Ressourcen durch die Industrie lokale Gemeinschaften dazu, grössere Zahlen an Tieren zu jagen oder Arten zu nutzen, die bisher nicht genutzt wurden. Die vermehrte Tötung von aquatischen Arten wie Seekühen, Delphinen, Krokodilen, Meeresschildkröten und Seevögeln steht auch in einem Zusammenhang mit dem Rückgang der Fischbestände infolge der Überfischung durch industrielle Fernfischereiflotten sowie illegalen, undokumentierten und unregulierten Fischfang. Es handelt sich hierbei um ein weltweites Problem, das in tropischen, temperaten, subarktischen und arktischen Regionen dokumentiert wurde und das in Westafrika weit verbreitet ist.

Eine alarmierende Erkenntnis, die das OceanCare-Team von der Konferenz mitnahm, ist, dass das Problem weit grössere Ausmasse hat als bisher bekannt und dokumentiert. Praktisch jeder Delegierte, mit dem OceanCare sprach, konnte über das Ausmass des Problems in seinem Land berichten. Dazu zählten Schilderungen von der regelmässigen Tötung weiblicher Meeresschildkröten, wenn sie zur Eiablage an Land kommen, und der Entnahme ihrer Eier über den Verkauf von Fleisch aquatischer Tiere in Supermärkten bis zu Delphinen, die mit Seilen um den Schwanz an den Stränden angespült werden – ein sicheres Zeichen für absichtlichen Beifang und die Nutzung dieser Tiere als Köder.

OceanCare ist daher froh, dass die Konferenz – neben anderen Schritten – festgestellt hat, dass eine grossflächige Erhebung des Angebots aquatischer Wildtierarten auf den Märkten dringend notwendig ist, inklusive Klärung der Herkunft des Fleisches, der Ursachen für die Bejagung und anderer Faktoren, die dabei helfen, das Problem zu verstehen und die geeignetsten Gegenmassnahmen zu ergreifen. Besonders wichtig ist auch der Beschluss der Konferenz, eine strategische Partnerschaft unter Leitung des Sekretariats der Abidjan-Konvention zu formen, die aus lokalen und internationalen Partnern bestehen und einen Aktionsplan entwickeln soll, um den Handel, den Konsum, illegale Rodungen und andere Formen der Nutzung gefährdeter oder geschützter Küsten- und Meeresarten zu bekämpfen. OceanCare freut sich, ein Teil dieser Partnerschaft zu werden, und hofft, dass diese Zusammenführung von Expertenwissen, Ideen und Ressourcen die Lösungen hervorbringen wird, mit denen der Trend im Konsum von Aquatic Bushmeat umgekehrt werden kann.

Der Zusammenhang von schwindenden Fischerträgen und der Steigerung bei Aquatic Bushmeat hat auch die Aufmerksamkeit der Weltbank erregt, die sich nach einem fachlichen Austausch mit OceanCare dafür einsetzte, dieses Thema im Rahmen der Abidjan-Konvention zur Sprache zu bringen. In einem aktuellen Blogbeitrag berichtet Peter Kristensen von der Weltbank über seine Zusammenarbeit mit OceanCare und seine Hoffnungen, dass Regionalabkommen und -kommissionen in Westafrika das Thema Aquatic Bushmeat ganz oben auf ihre Agenda setzen werden, und dass die internationale Gemeinschaft die Regierungen dabei unterstützen wird, ihre Meeresarten zu schützen. OceanCare ist dankbar, dass eine so bedeutende und einflussreiche Institution wie die Weltbank die Dringlichkeit des Problems und die Vorteile einer Lösung für Mensch und Tier erkennt, und hofft, dass die Weltbank Teil der entstehenden Partnerschaft sein wird.

OceanCare und die Weltbank haben im Vorfeld der Konferenz mit verschiedenen Organisationen eng zusammengearbeitet, darunter das Sekretariat der Abidjan-Konvention, West Africa Biodiversity and Climate Change (WA BiCC), Wetlands International Africa und die International Union for Conservation of Nature (IUCN). Ein gemeinsames Rahmenprogramm, organisiert von WA BiCC, wurde von nationalen und internationalen Delegierten gut besucht und mündete in anregenden Diskussionen und Ideenaustausch. OceanCare war Teil des Podiums, um eine internationale Perspektive einzubringen, und betonte die Notwendigkeit einer verbesserten Informationslage und Zusammenarbeit, wobei zwischen unbeabsichtigter Tötung (z.B. Beifang) und gezielter Bejagung zu unterscheiden ist.

OceanCare ist sehr erfreut, dass sich die Abidjan-Konvention über den vorgeschlagenen Ansatz, das Thema Aquatic Bushmeat anzugehen, einig ist. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, um die erforderlichen Massnahmen zu setzen und Fortschritte zu erzielen. In den kommenden Monaten wird OceanCare mit den anderen Organisationen weiter diskutieren und planen, um sicherzustellen, dass die Beschlüsse dieser Konferenz in die Tat umgesetzt werden.

OceanCare konnte auch andere wichtige Debatten im Rahmen der Konferenz beeinflussen, darunter zum Thema Unterwasserlärm. Das Team von OceanCare konnte dabei auf seine Erfahrungen im Rahmen der Bonner Konvention (Convention on Migratory Species, CMS) zurückgreifen und aufzeigen, dass deren „Family Guidelines on Environmental Impact Assessment for Marine Noise-generating Activities“, die demnächst zum Abschluss kommen, auch von der Abidjan-Konvention herangezogen werden sollten.

Wir konnten erfreulicherweise auch feststellen, dass die Müllverschmutzung der Meere von Regierungen in West-, Zentral- und Südafrika ernst genommen wird. Zu den Beschlüssen der Konferenz zu diesem Thema zählen eine verbesserte Datensammlung und die Einrichtung einer regionalen Datenbank. Datensammlung mag zwar als kleiner Schritt erscheinen, aber sie ist unverzichtbar, um den Regierungen die notwendigen Massnahmen aufzuzeigen und Prioritäten in Regionen setzen zu können, wo die verfügbaren Ressourcen sehr gering sind.