OceanCare wird offizielle Partnerorganisation der Konvention zum Schutz migrierender Tierarten CMS

Wenn ich zurückblicke auf die turbulenten Stunden, die seit meinem letzten Blog-Eintrag verstrichen sind, sehe ich zunächst eine berührende menschliche Begegnung, gefolgt von einer Konferenz mit wichtigen Impulsen und Beschlüssen für die Vertragsstaatenkonferenz in einem Jahr – und nicht zuletzt die feierliche Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrags, der mich mit Freude und Stolz erfüllt. Diese Reise war, als ich sie antrat, überschattet vom ernüchternden Wahl-Thriller in den USA und dessen enttäuschendem Ausgang. Sie war ausserdem, als das Ziel erreicht war, geprägt von Anerkennung und Respekt. Und sie endete mit der Symbolkraft eines Flugzeugs, das im letzten Moment den Landeanflug abbrechen und durchstarten musste.

Es war allerdings nicht der Herbststurm, der den Piloten gestern Abend zwang, seine Maschine kurz vor dem Touchdown in Zürich wieder hochzureissen; das Problem lag vielmehr am Dichtestress: Die einfliegenden Flugzeuge folgen einander in so kurzen Abständen, dass eine Maschine, die am Boden mit geringfügiger Verspätung zur Startpiste rollt, rasch eine Kollisionsgefahr heraufbeschwören kann. Unser Pilot hat das Turnaround-Manöver allerdings so souverän durchgeführt und es anschliessend mit ebenso offenen wie beruhigenden Worten erläutert, dass ich in keinem Moment Angst verspürte. Vielmehr schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf, der mich innerlich schmunzeln liess: OceanCare startet durch, dachte ich. Das passt zur Aufbruchsstimmung, die uns in diesen schwierigen Zeiten beflügelt – dem politischen Umbruch, der sich jenseits des Atlantiks anbahnt, zum Trotz.

Es passt auch zum letzten Traktandum, mit dem wenige Stunden zuvor die Tagung ihren Abschluss gefunden hat: Jahrelang haben wir die Sitzungen des CMS aus der Beobachter-Warte verfolgt – und jetzt wurde uns der Partner-Status zuerkannt. Er wisse die langjährige Erfahrung zu schätzen, über die OceanCare im unablässigen Bestreben, marines Leben zu schützen, verfüge, würdigte CMS-Geschäftsführer Bradnee Chambers unser Engagement. Und er freue sich, auf dieser Basis noch enger mit OceanCare zusammenzuarbeiten. Ich bedankte mich und versicherte ihm, dass die Freude an dieser Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit beruhe. Und dann habe ich – ich geb‘s zu: mit klopfendem Herzen! – auf dem Partnerschaftsvertrag meine Unterschrift neben seine gesetzt.

Bonner Konvention Unterzeichnung Partnership Agreement

Es ist zwar mein Name, der jetzt auf diesem Papier steht. Aber es sind die Namen einiger Weggefährten, die ebenfalls einer Würdigung bedürften, weil sie diesen Abschluss möglich gemacht haben. Allen voran Nicolas Entrup, der an den Konferenzen stets mit Herz und Verstand das Wohl der Meerestiere verteidigt hat. Auch jetzt in Bonn ist er dabei gewesen und hat sich mit verschiedenen Interventionen zu Wort gemeldet – unter anderem zum Thema „Aquatic Bushmeat“. Aber auch Margi Prideaux, die mit einer Untersuchung nachweisen konnte, welch enormen Druck die industrialisierte Fernfischerei auf wandernden Meeresbewohner ausübt: Wale, Delphine, Manatis, Schildkröten, Robben und viele weitere Arten werden illegal gefangen, weil die Menschen an den leergefischten Küsten kaum noch Nahrung finden.

Das frisch unterzeichnete Partnerschaftsabkommen mag für OceanCare das nach aussen deutlichste und wichtigste Resultat der CMS-Tagung gewesen sein. Für mich persönlich bleiben diese nasskalten Novembertage in Bonn auch aus einem ganz anderen Grund unauslöschlich in Erinnerung: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Taxifahrer in Deutschland wunderbare Gesprächspartner sein können, die irgendwie auch zum Thema der Tagung gepasst haben: Es geht um Migranten – dort sind es Tiere, hier Menschen.

Auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel war es ein Taxifahrer mit türkischen Wurzeln, der mir mit seiner Liebe zur deutschen Sprache Denkanstösse zum Thema Heimat und Anpassung gegeben hat. Der Taxifahrer, der mich gestern Abend vom UN Campus zurück zum Flughafen chauffierte, stammt aus dem Iran – und er hat sich als grosser, wohl unentdeckter Poet erwiesen. Die Fahrt führte vorbei an Wäldern und Bäumen, deren Farbenpracht vom Wind durch die Luft und über die Strasse gewirbelt wurde. Kein Maler, sagte der Mann am Lenkrad, kriegt diese Farben so lebendig, so leuchtend auf die Leinwand wie wir sie heute und alle Jahre wieder erleben. Und diese Bäume, fuhr er fort, seien wie Mütter, die ihre Kinder verlieren – und im Frühling wieder neues Leben hervorbringen.

Ich überlegte mir, ob seine Mutter, als er vor 26 Jahren die Heimat verliess, im Iran zurückgeblieben ist. Aber ich hab mich nicht getraut, ihn danach zu fragen.

Sigrid Lüber

Sigrid Lüber

Präsidentin und Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare

Sigrid Lüber berichtet vom 45. Meeting des CMS Standing Committee.

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