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Heute: Sigrid Lüber

New York City, Montag, 13. Juni 2016

Seit gestern, Sonntagmittag, bin ich wieder einmal in New York. Ist es schon das 25. oder gar das 26. Mal, dass ich über den Atlantik geflogen bin, um vor den Vereinten Nationen den Bewohnern der Weltmeere eine Stimme zu geben? 

Seit 2004 vertrete ich OceanCare, oft mehrmals im Jahr, am Hauptsitz der UNO – und seit fünf Jahren sogar hochoffiziell: 2011 wurde OceanCare der Status „UN-Sonderberaterin in Meeresfragen“ zuerkannt.

Und doch ist dieses Mal vieles anders, weil meine Kollegin Fabienne McLellan mich begleitet. Mit ihrer gewinnenden Art, ihrer gesunden Neugier und ihrer strategischen Beharrlichkeit ist Fabienne aus meiner Sicht prädestiniert für die heikle Arbeit auf dem diplomatischen Parkett.

Ich musste schmunzeln, als sie mir sagte, sie sei im Zeichen des Fisch geboren: Das Wasser ist in der Tat ihr Element, es kann wie ein Bächlein über eine Wiese plätschern und zugleich tiefe Schluchten in den Fels fräsen – und genau so ist Fabienne: weich auf der zwischenmenschlichen Ebene und hart, wenn es um die Sache geht.

Paradefeeling

Paradefeeling

New York hat uns mit strahlender Frühlingssonne und sommerlichen  Temperaturen empfangen – und mit karibischer Lebensfreude: Als wir beim „Roosevelt“, unserem Hotel, nur wenige Blocks vom UN-Hauptsitz entfernt, aus dem Taxi stiegen, zog eine Gruppe von Puertoricanern ausgelassen tanzend durch die Strassenschluchten von Manhattan. Und im Hotel begrüsste uns der Concierge mit einem lachenden und einem weinenden Auge, als wir unsere Schweizer Pässe zeigten. Er stamme aus Albanien, sagte er – und die Albaner hätten gerade unglücklich gegen die Schweiz verloren. Aber der Schweizer Sieg sei ja auch ein albanischer! So wurden wir, kaum in Amerika angekommen, auf den neuesten Stand in Sachen Europa-Meisterschaft gebracht.

Unterdessen haben wir den Nachmittag dazu genutzt, uns auf den ersten Sitzungstag in der UNO vorzubereiten. Dabei wurden wir auch von unseren Kolleginnen aus Wädenswil wissenschaftlich und in der Kommunikation tatkräftig unterstützt. Die ganze Woche wird unter dem Motto „Meeresverschmutzung durch Plastikmüll“ stehen. Und dazu haben wir der Weltgemeinschaft einiges zu sagen. Man darf, wenn man das Meer von den Plastikabfällen befreien will, diese nicht einfach grossflächig und unachtsam von der Wasseroberfläche schöpfen; man muss gut darauf achten, dass dabei nicht jene Mikro-Organismen zerstört werden, die für viele andere Meeresbewohner als Grundnahrungsmittel lebensnotwendig sind. Und wir wollen auch betonen, dass wir alle radikal umdenken müssen, wenn wir den marinen Plastikkollaps in letzter Minute verhindern wollen. Das heisst zum Beispiel, dass wir das Gemüse und Obst wieder auf dem Marktplatz und nicht im Supermarkt kaufen sollen, dort, wo es in Papier gewickelt und nicht in einen Plastiksack gepackt wird, der nur produziert worden ist, um weggeschmissen zu werden – und so letztlich im Ozean endet …

Dazu ein kleines praktisches Detail: Wir haben Kaffeebecher eingepackt um diese enormen Plastikdinger zu vermeiden, die jeder in New York überall mit sich herumträgt, leer schlürft und danach oft achtlos wegwirft. Unsere Cups lassen sich zigmal wiederverwenden. Und damit wollen wir ein kleines Zeichen setzen.

Wir nehmen sie natürlich mit, wenn wir jetzt dann gleich aufbrechen. Es ist wichtig, dass wir vor der Zeit im UNO-Gebäude am Hudson eintreffen: Je früher wir im Sitzungssaal sind, desto grösser ist die Chance, dass wir einen Platz in der Nähe der Tafel mit der Aufschrift „NGO“ finden, mit der wir eine Wortmeldung beantragen; die regierungsunabhängigen Organisationen dürfen erst reden, wenn die Vertreter der Regierungen und jene der Kommissionen ihre Statements abgegeben haben.

Ganz wichtig sind natürlich auch die persönlichen Begegnungen am Rande der Konferenz, das ist nicht viel anders wie bei uns in Bern, wenn das Parlament tagt: Die klassische Lobbyarbeit findet in der Wandelhalle statt, und dazu gehört auch die Beziehungspflege. Ich lege immer Wert darauf, die Leute vom UN-Sekretariat freundlich zu begrüssen, bevor die Sitzung beginnt. Und ich werde Ihnen Fabienne vorstellen als meine Kollegin, die heute zum ersten Mal, aber gewiss nicht zum letzten Mal in New York ein weiteres Gesicht von OceanCare sein wird.

Sigrid Lüber & Fabienne McLellan vor dem UNO-Hauptgebäude in New York

Sigrid Lüber & Fabienne McLellan vor dem UNO-Hauptgebäude in New York

Ach ja, zum Schluss die für Sie wohl wichtigste Neuerung, die meinen – unseren! – Auftritt vor der UNO dieses Mal zu einem besonderen macht: Wenn Sie diesen unseren Blog bis hierher gelesen haben, dürfen Sie sich auf weitere „OceanCare-News from NYC“ freuen. Wir wollen nämlich alle Mitglieder, Gönner und Freunde, die uns unterstützen und begleiten, über unsere Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Laufenden halten. Immer, wenn wir als UN-Sonderberaterin in New York sind, werden wir in diesem Blog täglich über wichtiges aus der UNO und vielleicht weniger wichtiges aus New York berichten – oder auch umgekehrt …

Und morgen meldet sich Fabienne zu Wort!