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Heute: Sigrid Lüber

New York City, Freitag 17. Juni 2016

Es ist wie so oft: Kaum hat man sich eingelebt und begonnen, sich in der fremden Umgebung wohl zu fühlen, ist er plötzlich da: Der letzte Tag.

Vor wenigen Minuten hat der Handy-Weckruf uns mit dem hawaiianischen Sound aus dem Schlaf gesungen, Fabienne hat sich wieder einmal herrlich amüsiert und ich sitze an diesem kleinen Hotelschreibtisch vor dem Laptop, um einen Blog zu verfassen, vor dem Fenster bricht der Tag an, bald machen wir uns auf den Weg zur UNO … all dies und vieles mehr, das uns noch erwartet, geschieht heute zum letzten Mal – vorerst auf jeden Fall. Denn eines steht für mich fest: Fabienne hat mich zum ersten Mal in offizieller Mission an die UNO begleitet. Aber ganz gewiss nicht zum letzten Mal.

Die wichtigste Erfahrung, die ich in den letzten Tagen gemacht habe, ist diese: Zu zweit kann man die Arbeit an der UNO sehr viel besser leisten. Wir haben rasch zu einer effizienten Arbeitsteilung gefunden; Fabienne hat sich um die protokollarischen und administrativen Aspekte gekümmert und mir so den Rücken frei gehalten, damit ich unsere Statements vorbereiten und vortragen konnte. Wobei ich hier einmal betonen möchte, dass auch jene OceanCare-Mitarbeiterinnen, die nicht nach New York mitgekommen sind – allen voran unsere Wissenschaftlerin Silvia Frey, aber auch Sandra Ludescher, die zuverlässig dafür gesorgt hat, dass unsere Blogs umgehend online geschaltet werden – bereits in der Vorbereitungsphase enorm wichtige Vorarbeit geleistet haben; auch Vera Bürgi, die uns in allen Belangen den Rücken frei hielt.

Und so habe ich gestern als letzte Rednerin des Tages den Delegierten unsere Anliegen und Forderungen zum Thema „Plastikmüll in den Ozeanen“ mit auf den Heimweg gegeben: Zunächst geht es um die Tiere, die elend zugrunde gehen, nachdem sie sich in Plastiknetzen verheddert haben, oder mit vollem Magen verhungern, weil sie Plastikteile mit Nahrung verwechseln. Für diese Plastik-Opfer muss sofort und weltweit eine Task-Force aufgebaut werden, die rasch ausrücken und Tiere in Not retten kann. Grundsätzlich muss es unser Ziel sein, zu verhindern, dass Plastik in jeglicher Form ins Meer gelangt. Um dies zu erreichen, bedarf es konkreter Massnahmen. Zum einen müssen Plastikprodukte zweckmässig sein – das heisst, sie dürfen nicht – wie praktisch alle Verpackungsmaterialien – mit dem primären Ziel produziert werden, Abfall zu sein. Und dann, ganz wichtig, müssen Plastikprodukte nach ihrer Toxizität klassifiziert – und die vier giftigsten Kategorien müssen vorbehaltlos verboten werden.

Zu zweit kann man nicht nur viel besser arbeiten; zu zweit – und ganz besonders mit Fabienne – macht das Leben rund um die Arbeit auch sehr viel mehr Spass.

Und so haben wir uns an diesem letzten Abend zum ersten Mal einen richtig coolen Ausgang geleistet: Nach einem entspannenden Spaziergang durch den Central Park sind wir im Lincoln Center gelandet, wo im sechsten Stock der Dizzy‘s Jazz Club Sound vom Feinsten bietet. Ich kannte die Lokalität von früheren Besuchen in New York – und wenn es etwas gibt, was ich wirklich liebe in dieser Stadt, dann ist es die Aussicht über den riesigen Park mit der gewaltigen Wolkenkratzer-Skyline.

Ich mach es kurz: Wir haben uns amüsiert und gelacht wie lange nicht mehr; Fabienne war so begeistert, dass sie sofort via ihr Handy auf Facebook gepostet hat, wo sie gerade ist und wie cool sie den Club findet. Es dauerte nicht lange, bis plötzlich zwei nette junge Männer grinsend vor uns standen: Marcel, ein Studienkollege von Fabienne, war zufällig mit seinem Kollegen in New York in den Ferien und hat, als er ganz in der Nähe im Publikum für eine TV-Show sass, Fabiennes Facebook-Post gelesen. Spontan, und zur grossen Freude von Fabienne, beschlossen die beiden, uns im Dizzy’s Jazz Club zu überraschen.

In wenigen Stunden müssen wir zum Flughafen, davor noch ein letztes Mal an die UNO, die Sitzplätze sind noch nicht bestätigt – und die Koffer auch noch leer …

Jetzt packen wir als erstes die beiden UNO-Baseball-Caps ein, die wir als Souvenir unseren Männern mitbringen, und dann machen wir uns auf den Weg …

Schön, dass Ihr alle, liebe Blog-Leserinnen und –Leser, uns durch diese New Yorker Woche begleitet habt.

Wenn es euch gefallen hat, darf ich eines jetzt schon verraten: Im Oktober tagt in Slowenien die IWC – die InternationalWalfang Konferenz. Auch dort werden wir vor Ort sein und uns für die Meere und die Wale einsetzen.

Und dann wird Fabienne mich wieder begleiten. Und Sie alle werden, wenn Sie wollen, über diesen Blog als Begleiter auch wieder bei uns sein.