Seit April 2016 wurden in Zentralvietnam rund 100 Tonnen tote Fische an den Stränden angeschwemmt. Erst nach Protesten bekannte sich die Formosa Stahlfabrik zu diesem Unglück. OceanCare intervenierte bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), forderte eine Gesundheitswarnung an die Adresse der lokalen Bevölkerung und verlangte von der vietnamesischen Regierung und der Welternährungsorganisation (FAO), die Angelegenheit genauer zu untersuchen.

Seit April spült das Meer grosse Mengen toter Fische an die Strände Zentralvietnams. Vier Provinzen mit rund 250 Kilometern Küste sind betroffen. Auch Fischfarmern, die ihre Teiche mit Meerwasser füllen, starben die Fische weg. Die Behörden vermuteten eine Vergiftung, kannten aber weder die Substanz noch die Quelle. Eine toxische Algenblüte wurde ebenso in Betracht gezogen, wie ungeklärte Abwässer der Formosa Stahlfabrik. Das Umweltministerium entsandte Experten in die Region, auch Experten aus dem Ausland wurden beigezogen.

Hilferuf aus Vietnam
Ende Mai erhielt OceanCare einen Hilferuf von einer vietnamesischen Nichtregierungsorganisation (NGO). Diese zeigte das Desaster auf und lieferte Hinweise, dass die toten Fische an den Stränden nur die Spitze des Eisbergs waren. Taucher hatten gesehen, dass unter der Wasseroberfläche mehrere Schichten toter und sterbender Fische lagen. Zwei Taucher seien nach dem Tauchgang gestorben. Verzweifelte Proteste der lokalen Bevölkerung würden unterdrückt oder stark behindert. Skrupellose Händler sollen die toten Fischer sammeln und verkaufen oder zur Fischsauce verarbeiten lassen. Eine Gesundheitswarnung bezüglich dem Konsum der toten Fische sei keine herausgegeben worden.

OceanCare interveniert
OceanCare gelangte im Juni an die Weltgesundheitsorganisation und bat das Gremium, die Ursache für das Fischsterben zu eruieren und eine Gesundheitswarnung an die Adresse der lokalen Bevölkerung zu erlassen.

OceanCare adressierte auch die Welternährungsorganisation mit diesem Problem. Fisch ist die wichtigste Grundnahrung für die Menschen in Zentralvietnam. Der Verlust von mehr als 100 Tonnen Fisch bedroht die Ernährungssicherheit in dieser Region massgeblich. Ob die verbleibenden Fische noch geniessbar sind, bleibt offen.

Auch gelangte OceanCare an das Umweltministerium der vietnamesischen Regierung mit der Bitte um Informationen zu den Ergebnissen der Untersuchung des Massenfischsterbens und der Frage, wie die Bevölkerung informiert worden sei. Ebenfalls erkundigte sich OceanCare über mögliche Sanktionen der Regierung für die Verantwortlichen dieser Katastrophe.

Formosa Stahlfabrik bekennt sich schuldig
Am 30. Juni teilten unsere lokalen Kontakte mit, dass die Formosa Stahlfabrik die Mitarbeitenden der Firma sowie die vietnamesische Regierung schriftlich informiert hätten, dass die Firma an der Vergiftung des Meerwassers Schuld sei. Grund sei ein Stromausfall gewesen, der zur Folge hatte, dass die Filteranlage nicht ordnungsgemäss funktioniert habe. Weshalb es kein Notstromaggregat gab oder dieses nicht zum Einsatz kam, ist unklar. Desgleichen auch, weshalb das Abwasser immer noch über ein ca. 2 Kilometer langes Rohrsystem in einer Tiefe von 17 Meter ins Meer geleitet wird. Es ist zu vermuten, dass die Formosa Stahlfabrik mit einer ausreichenden Verdünnung des giftigen Wassers gerechnet habe, um die Filterungskosten zu senken. „Die durch das Unternehmen eingesparten Kosten stehen in keinem Verhältnis zum enormen Schaden für die Umwelt und die Menschen,“ sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

Entschädigung zieht effektive Kosten nicht in Betracht
Eine Entschädigung von rund 500 Millionen US Dollar wurde angeboten, um die 2 Millionen Fischer und deren Familien für den Einkommensausfall an der 250 Kilometer langen Küste zu entschädigen. „Von einer Behebung der langfristigen Schäden an der Natur wird nicht gesprochen,“ kritisiert Lüber. „Wer die Natur schädigt, bezahlt derzeit einen lächerlichen Preis und keineswegs die wahren Kosten.“

OceanCare bleibt dran und unterstützt die lokalen NGOs dabei, den Konzern in die Pflicht zu nehmen, ein griffiges Umweltschutzprogramm und Sicherheitsdispositiv zu entwickeln und einzusetzen. Eine derartige Katastrophe für Tiere und Menschen muss künftig verhindert werden.

Unseren vietnamesischen Kolleginnen und Kollegen danken wir für ihre beharrlichen Proteste, ihren Mut und dafür, dass sie an OceanCare gelangt sind. Letztlich hat die Zivilcourage der vietnamesischen Bevölkerung dazu geführt, dass sich die Formosa Stahlfabrik dem Druck beugen und sich zum Unglück bekennen musste.