Vera Bürgi am Dolphinity World Festival

Montag, 27. Juni 2016

Das Schönste und Wichtigste zuerst: Das Dolphinity World Festival ist zu Ende, aber die Botschaft lebt – sie lebt dort draussen im Atlantik, wo Meeresschützer einen der bedeutendsten Lebensräume für Wale und Delphine zum Sanctuary erklärt haben, zu einem inoffiziellen Schutzgebiet. Und sie lebt in einem wunderschönen Raum, den die Organisatoren des Festivals am Freitag als „Dolphin Embassy“, Botschaft der Delfine, eingeweiht haben. Hier, mit herrlicher Aussicht aufs Meer, sollen vielfältige kulturelle Veranstaltungen daran erinnern, dass der Mensch und die Natur, das Land und das Meer zusammengehören und dass sie nur gemeinsam die Zukunft des Planeten gestalten können …

Die Erfahrungen und Erlebnisse der vergangenen Woche sind so vielfältig und eindrücklich, so intensiv und natürlich auch noch so frisch, dass mein Vorsatz, sie mit den Menschen zu teilen, die diesen Blog lesen, eine echte Herausforderung ist.

Das Zitat, mit dem ich meinen ersten Blog-Eintrag beendet habe, will mir nicht aus dem Kopf – es stammt aus dem Buch, das mich durch die Dolphinity-Woche begleitet hat: „Die Krise, die man annimmt, wird zum Abenteuer“, schreibt Bertrand Piccard in seinem Buch „Die richtige Flughöhe“. „Das Abenteuer aber“, fährt er fort, „das man ablehnt, wird zur Krise.“

Bertrand Piccard hat am frühen Morgen des 23. Juni sein Solar-Flugzeug auf dem Flughafen von Sevilla sicher gelandet und die längste Etappe seines persönlichen Abenteuers erfolgreich beendet. Damit ist er zu einem grossen Hoffnungsträger geworden: Piccard beweist, dass wir nicht auf fossile Energien angewiesen sind und die Zukunft in der Kraft der Sonne liegt; vor allem aber nährt er unsere Hoffnung, dass die Meere künftig vor den Begehrlichkeiten der Ölindustrie verschont bleiben.

Am Tag, an dem in dem Dorf Los Gigantes auf Teneriffa das Dolphinity World Festival eröffnet wurde, haben die britischen Stimmbürger beschlossen, die Europäische Union zu verlassen – und mit ihrem Inselreich auch den Kontinent in ein emotionales Chaos gestürzt. Diffuse Ängste und allgemeine Ratlosigkeit lösen den Traum von Frieden und Wohlstand ab.

Eröffnung des Festivals

Eröffnung des Festivals

Die Menschen, die an diesem Tag mein Publikum sind, haben andere Sorgen: Die Festival-Teilnehmer fürchten um die Zukunft der überfischten, zugemüllten und lärmverseuchte Ozeane und um die Gesundheit der Bewohner dieses Lebensraumes.

 

 

 

„A winner is a dreamer who never gives up“, hat der unvergessene Nelson Mandela einst gesagt – ein Satz, der mir so gut gefällt, dass ich ihn in meinen Vortrag eingebaut habe.

Ich stelle OceanCare als kleine Organisation vor, die im grossen Orchester der Umweltschutz-NGOs eine wichtige Stimme ist; dank der engen Zusammenarbeit mit zahlreichen internationalen Institutionen geniessen wir weltweit Anerkennung und haben dabei eine Kompetenz erreicht und eine Effizienz erzielt, die in allerhöchsten Gremien geschätzt wird: 2011 wurde OceanCare der Status einer Sonderberaterin der UNO für den Meeresschutz zuerkannt.

Es ist viel geredet, gesungen, gefeiert worden. Es hat besinnliche und heitere Momente gegeben. Und immer wieder wurde deutlich, dass der Mensch als einziges Lebewesen die Erde, die Luft und die Meere beherrschen will. Aber sich selbst hat er nicht unter Kontrolle – er weigert sich, die zwangsläufigen Konsequenzen seines unbedachten Handelns ernst zu nehmen.

Ausflug aufs Meer zu den Grindwalen

Ausflug aufs Meer zu den Grindwalen

 

 

 

 

Deshalb wollen wir nicht müde werden, zu betonen, wie wichtig es ist, den Fokus nicht aus den Augen zu verlieren – wir können unser Ziel nur erreichen, wenn wir ihm unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit widmen. Und dieses Ziel ist die Vision einer Welt, in der die Natur wieder im Gleichgewicht ist, in der die Ozeane und die Lebewesen, die sie bewohnen, gesund sind.

Jede der zahlreichen Darbietungen und Reden von Künstlern, Musikern, Wissenschaftlern und Umweltschützern hat wichtige Impulse vermittelt. Die wichtigste Inspiration allerdings kommt aus dem Meer – von den Grindwalen.

Sie begleiten uns. Dutzende – vor uns, hinter uns, rund ums Schiff herum. Und das alles geschieht in vollkommener Stille und mit einer Selbstverständlichkeit, die das Herz berührt.

 

Grindwale begleiten das Schiff

Grindwale begleiten das Schiff

Wieder denke ich an Bertrand Piccard, der an Bord seiner „Solar Impulse 2“ die unglaubliche Ruhe schildert, die ihn begleitet.

Wir haben ihnen eine Botschaft eingerichtet. Die Botschafter sind sie selbst. Es ist an uns, ihre Botschaft zu verstehen und weiterzugeben. Dafür setzen wir uns ein – mit Herz und mit Verstand.

In wenigen Stunden hebt mein Flugzeug ab – zurück in die Schweiz. Ich spüre, dass ich in Zürich nicht mehr dieselbe sein werde, die vor einer Woche nach Teneriffa aufgebrochen ist. Und ich weiss deutlicher denn je, dass uns noch viel Arbeit erwartet.

Ich freue mich darauf; denn ich fühle mich frisch gestärkt.