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Ein neues wissenschaftliches Berechnungsmodell für die Plastikverschmutzung im Mittelmeer ergibt eine erschreckende Schätzung der Mengen an Plastikmüll, die sich hier ansammeln.

Die Forscherinnen und Forscher des Hellenischen Zentrums für Meeresforschung in Griechenland verfolgten die Einbringungspfade des Plastiks ins Mittelmeer. Demnach gelangen jährlich geschätzte 17‘600 Tonnen Plastik ins Meer, wovon etwa 84% an den Stränden landen und etwa 16% zum Meeresboden sinken oder in der Wassersäule verbleiben. Die Gesamtmenge an treibendem Plastik wird in dieser Untersuchung auf 3‘760 Tonnen geschätzt, das ist deutlich mehr als die bisher meist angenommene Spannbreite von 756 bis 2‘969 Tonnen.

Das Mittelmeer gilt schon seit langem als stark mit Plastik verschmutzt. Dies ist ein grenzübergreifendes Umweltproblem, das alle Mittelmeerländer und ihre Interessen berührt. Die neue Studie unterstreicht einmal mehr, dass grosse Sorge um die Wildtiere und um die Fischerei im Mittelmeer angebracht ist. In den großen Mengen an Plastik spiegeln sich die dichte Besiedelung der Küstenregionen, die Müllentsorgungspolitik und der geringe Austausch an Oberflächenwasser zwischen Mittelmeer und Atlantik.

Das Positive ist, dass das neue Modell eingesetzt werden kann, um Reinigungspläne und andere Gegenmassnahmen zu entwickeln und zu evaluieren.

OceanCare hält allerdings auch fest, dass es eine enorme Herausforderung bleibt, weltweit Daten über die Quellen, Verbreitungswege und Auswirkungen von Plastikverschmutzung zu sammeln, insbesondere auch betreffend Mikroplastik. Ein unvollständiges wissenschaftliches Bild dieses Problems kann daher nicht als Ausrede für Nicht-Handeln dienen. Die Bemühungen müssen insbesondere an den Quellen verstärkt werden, um den Zustrom an Plastikmüll abzudrehen.

Diese jüngste Forschungsarbeit wurde in Frontiers in Marine Science veröffentlicht und ist hier frei zugänglich: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmars.2021.743117/full