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Wädenswil, 18. Oktober 2017. Mehrere renommierte Organisationen rufen eine neue, freiwillige Allianz ins Leben, um Fang, Handel und Konsum gefährdeter oder geschützter aquatischer Säugetiere, Reptilien und Vögel in West- und Zentralafrika entgegenzuwirken. Die Abidjan Aquatic Wildlife Partnership wird während der 12. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS CoP12) vorgestellt werden. Die Konferenz findet von 22.-28. Oktober in Manila, Philippinen, statt. OceanCare, das von USAID finanzierte West Africa Biodiversity and Climate Change (WA-BiCC) Program, Wild Migration sowie die Weltbank halfen dem Sekretariat der Abidjan-Konvention, diese Allianz zu schmieden. Zusammen werden diese Organisationen die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der betroffenen aquatischen Arten lenken sowie Regierungen, die Privatwirtschaft und lokale Gemeinden dabei unterstützen, die notwendigen Schritte für das Überleben dieser Arten zu unternehmen.

Die Daten zeigen, dass die Mehrzahl der west- und zentralafrikanischen Staaten auf verschiedene Weise zur Übernutzung wasserlebender Tierarten beitragen, u.a. durch Beifang sowie durch gezielte Jagd für menschlichen Konsum, Fischereiköder, traditionelle Medizin und andere Nutzungen. Wildtiere wurden zwar schon immer als Nahrungsquelle genutzt, aber das globale Bevölkerungswachstum und die gestiegene Nachfrage haben zu einer dramatischen Übernutzung vieler Arten geführt. Illegale, nicht gemeldete und unregulierte (IUU) Fischerei – lokale wie internationale – gefährdet neben den betroffenen Arten auch lokale und nationale Ökonomien, denn diese sind abhängig von den aquatischen Ressourcengrundlagen in ihren Gewässern. Der Fang von Tierarten wie Delphinen, Walen, Seekühen, Krokodilen und Meeresschildkröten und ihr Konsum als so genanntes „Aquatic Wild Meat“ fällt zwischen Umwelt- und Fischereiministerien, Behörden und internationalen Prozessen durch den Rost. Privatunternehmen durchkämmen die Gewässer vor der west- und zentralafrikanischen Küste und fangen nicht nur die Zielarten, sondern auch viele andere Meerestiere, die in ihre Netze geraten.

Die Bonner Konvention (CMS) bietet den idealen Rahmen für den Start der Abidjan Aquatic Wildlife Partnership. Das Motto der diesjährigen Konferenz lautet „Ihre Zukunft ist unsere Zukunft: Nachhaltige Entwicklung für Wildtiere und Menschen“. Die Partnership passt sehr gut zu diesem Konzept, da sie die Zusammenhänge zwischen der Verschlechterung der Situation von Lebensräumen und Arten und Themen wie Armut, Ernährungssicherheit, Gesundheit und wirtschaftliche Auswirkungen herausarbeitet und angeht. Viele der Ursachen für die gestiegene Nachfrage nach Aquatic Wild Meat sind dieselben Themen, die auch in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO genannt sind. Wenn immer mehr Menschen auf nicht nachhaltige Nahrungsquellen zurückgreifen müssen, darunter gefährdete und geschützte Arten, hat das deutliche Auswirkungen auf das zukünftige wirtschaftliche Wohl der Bevölkerung. Gleichzeitig stellt es ein gravierendes Tier- und Naturschutzproblem dar.

  • Alleine in West- und Zentralafrika ist die gezielte Jagd auf den Afrikanischen Manati aus mehr als 20 Ländern bekannt.
  • In der gesamten Region gibt es ein grosses Ausmass an Jagd auf Wale und Delphine für ihr Fleisch. Ghana gilt als besonderer Brennpunkt in der Region in Bezug auf die Jagd auf Delphine und Kleinwale, von der hier mindestens 16 Arten betroffen sind. Mitunter werden Delphine als Beifang angelandet, aber auch die gezielte Jagd ist ein Faktor und in manchen Gebieten werden sie als Haiköder verwendet.
  • Meeresschildkröten werden wegen ihres Fleisches und ihres Panzers getötet und ihre Eier entnommen. Zur Zeit der Eiablage werden von Wilderern sowohl die Eier gesammelt als auch die Weibchen getötet. In Nigeria, Mauretanien, Kapverden, Senegal, Côte d’Ivoire, Guinea und anderen afrikanischen Staaten ist Schildkrötenfleisch regelmässig im Handel.
  • Aquatische Tierarten werden auch getötet, um Medizin oder Schmuck herzustellen. Zum Beispiel werden Schildkröten in Gambia, Guinea Bissau, Sierra Leone, Ghana, Togo und Benin zu traditioneller Medizin verarbeitet. Schildpatt wird in der gesamten Region an Touristen verkauft.
  • Beträchtliche Zahlen an Krokodilen werden wegen ihres Fleisches getötet, das auf Märkten in Nigeria verkauft wird.

Aquatic Wild Meat bei der CMS CoP12

Bei der CMS CoP12 werden die Regierungen über den Entwurf einer Resolution beraten, die Aspekte anspricht, von der viele aquatische Tierarten betroffen sind, die in den Anhängen der Bonner Konvention stehen. Besonders äussert die Resolution Besorgnis darüber, dass diese Arten in illegaler und unregulierter Jagd getötet werden, und dass die Nachfrage nach Fleisch und anderen Produkten aus diesen Tieren steigt. Daher fordert die Resolution, dass die Bonner Konvention dem Thema verstärkte Aufmerksamkeit schenkt, indem eine Expertenarbeitsgruppe eingesetzt wird, die sich auf das Thema konzentriert und den Regierungen beratend zur Seite steht. Die Ergebnisse der Arbeit der neuen CMS Aquatic Wild Meat Working Group – wenn diese von den Vertragsparteien beschlossen wird – sollen auch der Abidjan Aquatic Wildlife Partnership zugutekommen und eine Zusammenarbeit der beiden Gremien fördern.

Die Organisationen, welche die Abidjan Aquatic Wildlife Partnership unterstützen, werden die Regierungen nicht nur auffordern, diese Resolution zu beschliessen, sondern auch das Engagement gegen die Meereswilderei in ihre Länder mitzunehmen und gemäss ihrer Selbstverpflichtung sicherzustellen, dass gefährdete wandernde aquatische Tierarten nicht nur überleben, sondern gedeihen.