OceanCare begrüsst die Demarche Neuseelands, die von 33 Mitgliedstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) – darunter auch die EU Länder, Australien, Mexiko, Südafrika  und den USA unterzeichnet wurde, welche die Wiederaufnahme des sogenannten wissenschaftlichen Walfangs im Südpolarmeer verurteilt. Die scharfe diplomatische Rüge wurde durch Neuseeland initiiert und der japanischen Regierung gestern übergeben. Über 14.000 Wale hat Japan seit 1987 unter dem Deckmantel des Wissenschaftswalfangs getötet.

„Es ist nicht akzeptabel, dass sich Japan über internationale Regeln hinwegsetzt. Die Demarche ist eine klare und wichtige diplomatische Aufforderung an Japan, sich an das Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) zu halten und die in der IWC verabschiedeten Auflagen zum wissenschaftlichen Walfang zu respektieren,“ sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

Hintergrund: Japans „wissenschaftlicher“ Walfang nicht rechtens
Am 30. März 2014 verurteilte der Internationale Gerichtshof in Den Haag Japans Walfang in der Antarktis (JARPA II) unter Berufung auf Wissenschaft als nicht rechtmässig. Die Zahl getöteter Tiere sei zu hoch, die Forschungsergebnisse zu dürftig – und somit unterlaufe Japan die Statuten der IWC. Japan kündigte wenig später an, dennoch mit dem Wissenschaftswalfang weitermachen zu wollen. Neuseeland, neben Australien einer der Kläger vor dem IGH, reichte daraufhin für die IWC-Tagung eine Resolution ein, die das IGH-Urteil verankern sollte. An der 65. IWC-Konferenz im September 2014 verabschiedete das Gremium die Resolution zum wissenschaftlichen Walfang. Ab sofort dürfen keine weiteren Sondergenehmigungen für den Walfang im Rahmen bestehender oder neuer Forschungsprogramme erteilt werden, ohne dass zuvor der IWC-Wissenschaftsausschuss bestätigt hat, dass diese mit der IWC-Konvention vereinbar sind.

Genau diese Genehmigung liegt für das neue japanische Forschungsprogramm in der Antarktis (NEWREP-A) nicht vor. Im Juni 2015 kam der IWC-Wissenschaftsausschuss zum Schluss, dass NEWREP-A den Erfordernissen der IWC-Konvention zum wissenschaftlichen Walfang nicht entspreche. Insbesondere würde die Rechtfertigung für die Anwendung tödlicher Untersuchungsmethoden fehlen. Ausserdem habe die japanische Regierung nicht nachweisen können, dass die Forschungsziele wesentliche Verbesserungen zur Erhaltung der Walpopulationen erreichen könne. Somit stellt das neue Forschungsprogramm NEWREP-A einen Verstoss gegen das kommerzielle Walfangverbot dar.

In einem Brief an die UN teilte Japan am 6. Oktober 2015 mit, dass sie ihre Deklaration, den IGH-Entscheid einzuhalten, revidieren würden. Knapp zwei Monate später wies die japanische Regierung die IWC darauf hin, dass sie beabsichtige, Sondergenehmigungen für den Wissenschaftswalfang im Rahmen des NEWREP-A zu erteilen. In diesem Rahmen soll das Untersuchungsgebiet erweitert und über einen Zeitraum von 12 Jahren jährlich 333 Zwergwale im Südpolarmeer gefangen und getötet werden.

Seit Beginn des sogenannten wissenschaftlichen Walfangs Japans in 1987 hat deren Fangflotte über 14.000 Wale unter diesem Deckmantel getötet.

Zahlreiche Proteste gegenüber japanischer Regierung
Neuseeland, das bereits massgeblich am IGH-Urteil gegen das vorhergehende japanische Forschungsprogramm JARPA II beteiligt war, protestiert nun, gemeinsam mit weiteren 32 Walschutzländern mit einer Demarche offiziell gegen die Wiederaufnahme des wissenschaftlichen Walfangs durch Japan. „Obwohl die unheilbringende Flotte bereits Ende November ausgelaufen ist, ist diese diplomatische Rüge dringend und wichtig,“ sagt Lüber. „Sie zeigt, dass die internationale Gemeinschaft nicht tatenlos zusieht.“

Zuvor haben auch 15 japanische Tier-, Arten- und Umweltschutzorganisationen ihren Protest geäussert. In einer gemeinsamen Stellungnahme bemängeln die Organisationen den Verstoss gegen internationale Regeln und fordern den sofortigen Stopp des NEWREP-A-Programms. OceanCare hat sich dieser Stellungnahme angeschlossen und übermittelte den Protest am 2. Dezember 2015 dem japanischen Botschafter in Bern.

Wissenschaftsgemeinschaft ebenfalls empört
Knapp 500 Wissenschaftler aus der ganzen Welt, darunter Dr. Silvia Frey von OceanCare, die sich auf die Anwendung nicht-tödlicher Forschungsmethoden und den Erhalt der biologischen Artenvielfalt spezialisieren, sind sich einig: Japans wissenschaftlicher Walfang sei das Ergebnis kommerzieller und politischer Interessen und untergrabe die Wissenschaft schwerwiegend.

Der gleichen Meinung sind auch 65 Tier- und Artenschutzorganisationen, die sich beim UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gegen die kürzliche Vergabe eines begehrten nicht-ständigen Sitzes im UN-Sicherheitsrat an Japan aussprechen.