Wädenswil, 26. Juni 2017: Am Freitag, 23. Juni 2017, kündigte der französische Energieminister Nicolas Hulot an, die Suche und Erschliessung neuer möglicher Ölvorkommen in Frankreich und seinen Überseegebieten einzustellen. Ein entsprechender Gesetzestext soll noch diesen Herbst in Begutachtung. Im Gegensatz dazu blockierte die spanische Regierung vergangenen Freitag in letzter Minute einen Gesetzesvorschlag des Parlamentes, der vorsah, die Suche nach neuen Ölvorkommen im spanischen Mittelmeer zu untersagen.

Die spanische Gesetzesinitiative wurde bereits vor Wochen von der Lokalregierung auf den Balearen beschlossen und erhielt die mehrheitliche Zustimmung der spanischen Abgeordneten. Die konservative Regierung unter der Führung des Partido Popular brachte jedoch am letzten Tag der Frist ein Veto ein und blockierte die Initiative.

Zahlreiche Initiativen der spanischen Zivilgesellschaft fordern ein Ende der Suche und Erschliessung möglicher Ölvorkommen in den nationalen Gewässern, da diese den Interessen des Tourismus, den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens und Artenschutzbestimmungen entgegenstehen.

„Wir hoffen nun auf den Zusammenschluss freier Kräfte im spanischen Parlament, um die Blockade der spanischen Regierung aufzulösen und dem Beispiel Frankreichs zu folgen“ sagt Nicolas Entrup, Campaigner der internationalen Meeresschutzorganisationen OceanCare und NRDC, die gemeinsam mit der lokalen balearischen Initiative Alianza Mar Blava Genehmigungsverfahren für gefährliche seismische Untersuchungen bekämpfen.

Bei der Suche nach Ölvorkommen am Meeresgrund werden mit sogenannten Schallkanonen über mehrere Wochen hinweg alle 10 bis 12 Sekunden Explosionen mit bis zu 260 dB ausgesandt, um ein Bild der Meeresbodenbeschaffenheit zu erzeugen. Seit 2013 konnten alle Anträge seitens der Ölindustrie vor den Balearen erfolgreich verhindert werden.

„Der Einsatz von Schallkanonen ist extrem gefährlich. Nicht nur sensible Meeressäugerarten sind davon betroffen, sondern auch tierisches Plankton“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

Australische Wissenschaftler hatten in der Vorwoche in einer Publikation im Magazin Nature Ecology & Evolution neue Daten über die negativen Auswirkungen seismischer Aktivitäten auf zoologisches Plankton präsentiert. Vor Tasmanien wurde nach dem Einsatz von Schallkanonen eine Abnahme der Zooplankton-Biomasse um zwei Drittel dokumentiert. „Es wurden regelrecht zwei Kilometer weite Löcher hinterlassen“, werden Wissenschaftler zitiert.