Ich finde es sehr schwierig, einem Europäer, der in Europa lebt und keine Lateinamerika-Erfahrung hat, zu beschreiben, was es heist in Peru Umweltschutz zu betreiben, weil hier alles anders ist.

Unsere Sicherheitssituation ist anders, als ich das von Deutschland kenne, wo die Kinder in vielen Gebieten unbeaufsichtig auf der Strasse spielen können. Hier in Peru leben wir hinter vergitterten Fenstern, Stacheldraht und elektrischen Hochspannungszäunen. Ich lebe in einem der sichersten Stadtviertel Perus mit Polizisten und Sicherheitskräften der Stadtverwaltung und Videokameras an jeder Strassenecke, vor jeder Bank, vor jedem Juweliergeschäft, bei jeder Baustelle, usw. Und warum leben wir so in Peru?

Gastblog von Stefan Autermühle, Mundo Azul

Weil das Verbrechen jedes Jahr anwächst. Laut offizieller Polizeistatistik wurden im letzten Jahr 30% der Peruaner Opfer eines Diebstahls, Einbruchs oder Raubüberfalles. Alle meine Freunde sind irgendwann mal mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt worden und es ist schon fast ein Wunder, dass mir (als Ausländer) das in 16 Jahren noch nicht passiert ist (mir haben sie nur mal ne Kameraausrüstung geklaut).

(c) Stefan Austermühle

Stefan Austermühle

Aber nicht nur das. Auf unseren Strassen herrscht Mord- und Totschlag. Wir haben mittlerweile in fast allen Stadbezirken Limas Strassenbanden. In sämtlichen Küstenstädten Perus haben sich in den letzten zehn Jahren Drogenkartelle und Schutzgeldmafias gebildet. Da werden dann mal eben Handgranaten in Schuleingäge geschmissen, um Schutzgeld zu erpressen. Auftragsmorde sind billig und allgegenwärtig. Es vergeht fast kein Tag ohne einen Auftragsmord in den Nachrichten. Die Täter: manchmal 13-jährige Kinder, die dich mit einer Pistole auf offener Strasse umlegen. Jemanden aus dem Weg zu räumen kostet weniger als 1000 US Dollar.

Klar – das alles  findet ausserhalb der Touristengebiete statt. Aber ich lebe nun mal hier und in meinem Fall bin ich nicht nur der gewöhnlichen Kriminalität ausgesetzt, sondern ich mache mich mit meiner Arbeit gegen die grösste illegale Delphinjagd der Welt eben einfach unbeliebt. Und weil das so ist, muss ich mich an diese Situation anpassen und das nimmt dann Formen an, die ich mir früher nie hätte vorstellen können.

In diesem Video (Hintergrundbericht 5) rede ich darüber, wie meine Sicherheitssituation aussieht und wie ich mich an die Gegebenheiten anpasse. Dieser Bericht wird nur in deutscher Sprache von OceanCare veröffentlicht – weder auf Englisch noch auf Spanisch und auch nicht auf der Webseite der Organisation Mundo Azul, für die ich tätig bin. Das würde mich zusätzlich in Gefahr bringen, wenn eventuelle Attentäter wissen, wie ich mich schütze. Und damit habe ich ja nun auch angedeutet, dass hier in Peru ein anderer Wind weht als in Mitteleuropa.

Warum lebe ich so? Weil es mir Ernst ist mit dem Umweltschutz. Wenn es Ihnen auch Ernst ist, dann unterstütze die Herstellung unserer Filmes über den illegalen Fang von Delphinen als Haifischköder, damit das, was ich hier mache, nicht umsonst ist. Jetzt für den Film spenden auf www.oceancare.org/spenden.