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Wie OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber erfuhr, dass eine entscheidende Vereinbarung mit dem touristischen Anbieter Kontiki Reisen in der Arktis eingehalten wird.

Hochsommer im hohen Norden: Die „MS Spitsbergen“ ist mit 130 abenteuerlustigen Schweizern in der Arktis auf Expeditionsreise. Das Schiff fährt entlang der Westküste von Spitzbergen mit Kurs 15 Grad Richtung Nordpol, in den nächsten Tagen will es den nördlichsten Archipel der Welt umrunden.

Ich begleite die Reise als Reporter für die SonntagsZeitung und sitze an diesem Abend mit Jonas Gobeli, dem Verkaufsleiter des auf polare Destinationen spezialisierten Tour-Operators Kontiki, im Speisesaal beim Diner. Die philippinischen Kellner servieren den Schweizer Passagieren japanische Leckereien. Jonas greift herzhaft zu, ich lehne dankend ab.

„Was ist mit dir“, wundert sich der Gastgeber dieser Reise. „Magst du keine Sushi? Schmeckt im Fall vorzüglich!“

„Auf einem Schiff, das unter norwegischer Flagge für eine norwegische Reederei fährt“, gebe ich zu bedenken, „kann ich keine japanischen Fischprodukte geniessen.“

„Und warum nicht?“

„Heute weiss doch jedes Kind, dass Norwegen und Japan die letzten grossen Nationen sind, die Wale kommerziell abschlachten. Und die Japaner füllen ihre Reisscheiben am liebsten mit Walfleisch. Aber ohne mich! Und schon gar nicht ausgerechnet heute …“

Ausgerechnet heute, am frühen Nachmittag, hat die Passagierin Rita Walthert, die seit Beginn der Reise stundenlang unermüdlich an der Reling im Bug nach Walen Ausschau hält, aufgeregt die Hand Richtung Meer ausgetreckt: „Dort, ein Blas – auf elf Uhr!“

Und tatsächlich: Er taucht wieder auf, immer wieder, mal auf backbord, dann wieder auf steuerbord, ausgelassen sprüht er mächtige Wasserfontänen in die Luft und präsentiert seine kleine Finne, bevor er sich nach einer verspielten halben Stunde mit einem Flukenschlag von den Passagieren verabschiedet, die sich vollzählig auf dem Aussendeck eingefunden und ihre Kameras in Anschlag gebracht haben.

Kurz darauf meldet sich Fritz Jantschke zu Wort: „Das war ganz eindeutig ein ausgewachsener Blauwal“, erklärt der der renommierte Zoologe, der als Experte für polare Meeressäuger die Expedition begleitet. „Es gibt weltweit nur noch wenige tausend Exemplare dieses grössten Lebewesens, das je auf der Erde gelebt hat. Ich habe selbst erst sehr wenige Blauwale gesehen – und wir alle können von grossem Glück reden, dass wir Zeugen dieses seltenen Ereignisses geworden sind.“

Selbstverständlich ist der Blauwal wenig später, beim Sushi-Diner im Speisesaal, das beherrschende Gesprächsthema.

„Du kannst die Sushi unbesorgt geniessen“, greift Kontiki-Mann Jonas das Thema wieder auf. „Wir haben selbstverständlich vorgesorgt und unsere Partner von der Hurtigruten-Reederei vertraglich verpflichtet, dass auf unseren Reisen den Passagieren kein Walfleisch vorgesetzt werden darf – und wir kontrollieren regelmässig, ob diese Bestimmung auch wirklich eingehalten wird.“

„Gute Idee! Ich hab ohnehin lieber italienische Pasta.“

Eine gute Woche später – die Umrundung des Spitzbergen-Archipels hat wegen dichtem Treibeis in der Hinlopen-Wasserstrasse abgebrochen werden müssen, dennoch bleibt die Expedition den Passagieren als zauberhafte Erfahrung in Erinnerung – fahre ich vom Flughafen Zürich direkt ins österreichische Alpental Montafon, wo ich mit meiner Partnerin und unserer Hündin eine Woche im Hunde-Ferienhotel verbringen werde. Und da begegne ich Sigrid Lüber, der OceanCare-Präsidentin, die sich mit ihrem Mann und zwei Hunden der bekannten Hunde-Expertin Nicole Fröhlich anvertraut hat.

So erfährt Sigrid Lüber, die im dreissigsten Jahr die Meeresschutz-Organisation führt, dass ihre vielfältigen und weitvernetzten Sensibilisierungsbemühungen Früchte tragen: „Wir haben mit Kontiki vereinbart, dass auf Reisen, die sie veranstalten, kein Walfleisch angeboten werden darf. Und es freut mich, wenn ich höre, dass diese Verpflichtung von allen Partnern eingehalten wird“, kommentiert Sigrid Lüber meinen Bericht von der Expeditionsreise. Und gibt zu bedenken: „Aber es wäre wünschenswert, dass dieses Beispiel auch für die Island-Anbieter in der Reisebranche Schule macht; denn dort ist es gerade umgekehrt: Die Nachfrage gedankenloser Touristen nach Walfleisch ist die Basis der Walfang-Industrie.“

Daniel J. Schüz, freischaffender Journalist

Daniel J. Schüz, freischaffender Journalist

Der freie Journalist Daniel J. Schüz, 67, arbeitet regelmässig als Reisereporter für die SonntagsZeitung und den Tages-Anzeiger sowie für die Zeitschriften 50plus und transhelvetica, gelegentlich – „und besonders gerne“, wie er betont – auch für OceanCare.