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OC_Walfisch_cw - KopieDie aktuelle Studie, die sämtliche Informationen rund um eine Massenstrandung von etwa 100 Breitschnabeldelfinen im Jahr 2008 vor Madagaskar auswertet, sorgt für einen Knalleffekt! Eine unabhängige Expertengruppe kommt zu dem Schluss, dass die Ursache der Tragödie auf den Einsatz intensiver Schallwellen zurückzuführen ist. Diese wurden seitens eines Forschungsschiffes im Auftrag von ExxonMobil bei der Suche nach Öl verwendet.

Beitrag von Nicolas Entrup, Campaigner von OceanCare

Seit Jahren stehen solchen Sonarsysteme in der Kritik. Ebenso lang beteuert die Ölindustrie, es gebe keinerlei Beweise für die Annahme, dass Unterwasserlärm negative oder gar tödliche Auswirkungen auf Meeressäuger oder andere Meeresbewohner habe. Zuletzt beteuerte dies auch die Lobbyvertretung der Ölindustrie in Brüssel in einem Schreiben an OceanCare und NRDC. Man könnte sagen „schlechtes Timing“, auch wenn die Studienergebnisse niemanden überraschen. Die Frage, die sich aufdrängt, ist natürlich jene nach den Konsequenzen solcher Erkenntnisse.

Die EU-Mitgliedstaaten sowie die EU Kommission haben mit dem Beschluss der Meeresrahmenrichtlinie schon vor einigen Jahren Unterwasserlärm als eine potentielle Gefahr wahrgenommen. Auch folgt ein internationaler Beschluss dem anderen, in dem Regierungsvertreter selbst beschließen, intensive Anstrengungen zu unternehmen, den Gefahren des Lärms vorzubeugen und Maßnahmen einzuleiten, die den Schutz bedrohter Arten garantieren.
Das tönt ja eigentlich recht vielversprechend. Wenn da nicht auch noch diese Ding wäre, was man „Realität“ nennt.

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In einer aktuellen Beantwortung einer Anfrage des italienschen EU-Parlamentsabgeordneten, Andrea Zanoni, an die EU Kommission über das Ausmaß des Einsatzes von intensivem Schall bei der Suche nach Öl m Mittelmeer, muss die Kommission leider passen. Ihr liegen keine umfassenden Daten dazu vor. Es obliege den Mitgliedsstaaten, Unterwasserlärm in den eigenen Gewässern zu „beobachten“. Gleichzeitig ist es seit mehr als 20 Jahren gültiges EU-Recht, dass sämtliche Wal- und Delfinarten vor bewusster und gezielter Beunruhigung geschützt sind. Gemäß ihrer Antwort, ist die EU Kommission aber nicht in der Lage, einschätzen bzw. reagieren zu können, in wieweit Mitgliedsstaaten diesen Bestimmungen gerecht werden. Ein Versäumnis!

Weder im Rahmen der in griechischen Gewässern vor einigen Monaten, noch bei den aktuellen in der kroatischen Adria durchgeführten seismischen Untersuchungen wurden Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs) durchgeführt. Fahrlässiger kann man mit der Situation kaum umgehen. Geht es nach den Interessen der Ölindustrie sollen UVPs erst recht gar nicht vorgeschrieben werden. Doch genau ein solcher Vorschlag liegt dem EU Parlament und dem Ministerrat vor. Man darf hoffen, dass die Abgeordneten Charakter zeigen und dem vom Umweltausschuss vorgelegten Text zustimmen!

Währenddessen wird in der Adria über Wochen hinweg ca. alle 10 Sekunden der Meeresboden mit bis zu 260 dB beschallt. Den Gedanken, dass dann vielleicht fünf Jahre später eine Studie über das Ausmaß der heute verursachten Schäden vorliegt, finde ich jedoch – salopp gesagt- einfach nur „durchgeknallt“.

Verschaffen auch Sie den Meeresbewohnern im Mittelmeer Gehör. Unterzeichnen Sie die Petition von OceanCare an die kroatische Regierung auf www.silentoceans.org!

Shifting VAlues Nicolas Entrup, Campaigner von OceanCare