Von den Schwierigkeiten, einen Dokumentarfilm zu drehen.

Wie verlegt man ein elektrisches Kabel auf einem tropfnassen Schiff? Wie dreht man eine Filmszene aus fünf Meter Abstand, wenn man nur drei Meter Platz hat? Wie vermeidet man Windgeräusche in der Tonaufnahme, wenn es rundherum nur so stürmt und bläst?
Da sass ich nun auf nassen Netzen mit dem Rücken an der Kabinenwand aufs Meer schauend. Und während ich ratlos über diesen Fragen brütete, wurde mir klar, was wir eigentlich alle schon vorher gewusst hatten: Ich war kein professioneller Kameramann und mir fehlte jede Erfahrung, um einen Dokumentarfilm über das illegale Töten von Delphinen in der peruanischen Haifischflotte zu drehen.

(c) Stefan AustermühleGastblog von Stefan Austermühle, Peru

Warum hatte ich mich also auf diesen Wahnsinn eingelassen?
Weil wir keine Alternative hatten. Ein professioneller Kameramann kostet mindestens 400 Dollar am Tag. Bei einer Fischfangreise von 24 Tagen machte das fast 10,000 Dollar, reine Gehaltskosten, ohne Nahrungsmittel und andere Kosten zuzurechnen. Das war ein viel zu hoher Geldbetrag für eine kleine Umweltschutzorganisation wie Mundo Azul, um diesen für eine verdeckte Recherche auszugeben, bei der wir noch nicht mal wussten, ob denn nun auf diesem Schiff und auf dieser Ausfahrt wirklich Delphine getötet wurden.

Es war klar, dass wir das nicht bezahlen konnten und dass eben einer von uns mitfahren musste. Dies bedeutete: Einen Monat lang auf See sein, von einem kleinen Holzfischerboot auf die endlosen grauen Wellen schauen und auf die 15 Minuten warten, in denen vielleicht Delphine illegal als Haifischköder getötet wurden. Da hat man jede Menge Zeit, die aufkommende Panik mit Atemübungen unter Kontrolle zu bekommen und Wege zu finden, um die kameratechnischen Probleme zu lösen.

Einen Monat Zeit, in dem man ein 11 Meter langes Fischfangboot aus allen möglichen Drehwinkeln erfassen kann: Vom Dach, von rechts, von links, von oben, von unten. Von hinten, von vorn, von unten und von aussen an der Bordwand hängend. Einen Monat auf See: eine lange Zeit um alle möglichen Verrücktheiten auszuprobieren.

Sehen Sie in unserem Hintergrundbericht 4, wie ich die kameratechnischen Probleme löste:

Und bleiben Sie dran, um in der nächsten Woche zu sehen, wie ich das Töten der Delphine und Haie gefilmt habe – diese unwiederholbaren 15 Minuten, von denen ich wusste: Wenn Du‘s versiebst, dann war‘s das.

Mit den Aufnahmen wollen wir einen Dokumentarfilm produzieren, um internationalen Druck aufzubauen und das Töten der Delphine zu beenden. Unterstützen Sie dieses Vorhaben zum Schutz der Delphine vor der Küste Perus jetzt und spenden Sie an OceanCare www.oceancare.org/spenden (Stichwort Peru).