Island, eines der letzten Länder, das trotz des internationalen Walfangmoratoriums noch Walfang betreibt, macht seit vielen Jahren Jagd auf Finnwale und Zwergwale und spricht sich dafür selbst Quoten zu. Nun war die selbstgewährte 5-jährige Finnwal-Fangquote ausgelaufen und viele Stimmen appellierten, diese Gelegenheit zu ergreifen, um die Jagd auf die zweitgrösste Tierart des blauen Planeten endlich zu beenden. Neben OceanCare und vielen weiteren Naturschutzorganisationen richteten die Europäische Union, ihre Mitgliedstaaten und 13 weitere Staaten eine gemeinsame Demarche an Island, den kommerziellen Walfang zu beenden. Und auch innerhalb Islands gab es viele kritische Stimmen bis hinauf zur Premierministerin.

Dessen ungeachtet legte Islands Fischereiminister am 19. Februar neue Fangquoten für die kommenden fünf Jahre fest und erhöhte dabei die Zahl der jährlich zur Tötung freigegebenen Finnwale um 55 auf 209! Wie war es dazu gekommen?

Der isländische Fischereiminister Júlíusson legitimierte seine Entscheidung unter anderem mit dem Verweis auf eine Studie des Instituts für wirtschaftliche Studien der Universität Island, welche die Wale für das Schwinden der Fischbestände verantwortlich machte und eine Intensivierung des Walfangs empfahl. Diese Studie wurde seither von vielen Experten öffentlich verrissen. Und nun deckten isländische Medien auf, dass Islands einziger Finnwal-Jäger, der Millionär Kristján Loftsson, zuvor sechs Millionen isländische Kronen (etwa 44.000 Euro) an genau diese Universität gezahlt hat – für eine Studie zur Verwendung von Walgelatine.

Hinzu kommt, dass der Hauptautor der Studie ein politisches Mandat für die Unabhängigkeitspartei hatte, der auch der Fischereiminister angehört, und ein anderer Mandatsträger dieser Partei 15% der Anteile an Loftssons Walfangunternehmen Hvalur hf hält.

In Wirklichkeit ist der Walfang grossteils politisch motiviert. Ökonomisch ist er sinnlos und defizitär – ausser vielleicht für Herrn Loftsson, der auf Geschäfte mit Japan hofft. Bei den Isländern selbst findet das Fleisch kaum Abnehmer. Loftsson sucht auch nach neuen Geschäftsmodellen wie Nahrungsergänzungsmitteln oder Walbier.

Nach dem Austritt Japans aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) setzt nun also der nächste am kommerziellen Walfang festhaltende Staat eine Provokation gegenüber der Internationalen Staatengemeinschaft.

„Traurig, wenn die Privatinteressen eines einzelnen sehr einflussreichen Mannes dazu führen, dass faszinierende und wunderbare Bartenwale getötet werden. Ein Grund mehr, um international noch näher zusammenzurücken und Island zum Umdenken zu bewegen und jene Kräfte zu stärken, die ein Ende des Walfangs herbeisehnen“, sagt Fabienne McLellan, Leiterin der OceanCare-Kampagne zur Beendigung des Walfangs.

Walbeobachtung in isländischen Gewässern ist ein florierender Wirtschaftszweig. Es bleibt die Hoffnung, dass sich Island bald aus der unheilvollen Allianz mit Japan und Norwegen löst und sich jenen Staaten anschliesst, die den faszinierenden Meeresgiganten den gebührenden Schutz und Respekt entgegenbringen wollen.

Jagd auf Zwergwale: 2018 am Scheideweg – 2019 wieder fortgeführt

Islands Zwergwalfang, bei dem Fischer statt der erlaubten 229 nur einige Dutzend Tiere jährlich fangen und über Supermärkte und Restaurants vermarkten, ist wenig einträglich. Die Nachfrage nach Zwergwalfleisch wird vor allem von der wachsenden Zahl unkritischer Island-Touristen angekurbelt. Im Herbst 2018 beschwerten sich die Zwergwalfänger noch, dass die Jagd nicht mehr rentabel sei. Sie müssten zu weit hinausfahren und könnten die Schiffe profitabler für andere Aktivitäten einsetzten. Im Rahmen des Überprüfungsprozesses der neuen Premierministerin war zu hoffen, dass bereits 2019 keine neuen Zwergwalquoten mehr vergeben werden, da es wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht. Bezugnehmend auf die Studie hat Islands Fischereiminister für 2019 nun doch wieder 217 Zwergwale als Quote freigegeben.