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Am 30. Juni 2019 ist Japan aus der Internationalen Walfang Kommission ausgetreten um ganz offiziell kommerziell Wale zu jagen. Laut eigenmächtig gesetzter Fangquote sind 227 Grosswale (150 Bryde-, 52 Zwerg- und 25 Seiwale) anvisiert. Die Jagd findet in den japanischen Küstengewässern und in der ausschliesslichen Wirtschaftszone (EEZ) von 200 Seemeilen statt. Seit zwei Jahren ignoriert der Inselstaat internationale Vereinbarungen und bewegt sich ausserhalb der diplomatischen Staatengemeinschaft. Die Entscheidung sorgte national wie auch international für viel Kritik.

Am 10. Juni ist das kommerzielle Walfangschiff «Yushin Maru No. 3», gefolgt vom Mutterschiff «Nisshin Maru» ausgelaufen, um in den nächsten fünf Monaten 150 Bryde- und 25 Seiwale in Japans EEZ zu jagen. Die Tiere werden noch an Bord des Fabrikschiffs zerlegt, vakuumverpackt, eingefroren und auf dem heimischen Markt verkauft. Dem Angebot steht jedoch eine schwindende Nachfrage gegenüber. Waren es im Jahr 2019 2.000 Tonnen, die verarbeitet wurden, waren es zum Höhepunkt der Walfangaktivitäten im Jahr 1962 kaum vorstellbare 233.000 Tonnen Walfleisch. Die Nachfrage nach Walfleisch nimmt seit Jahren ab und die COVID-19 Pandemie hat den rückläufigen Trend weiter zementiert. Damit sich die Waljagd rentiert, werden die Industrie vom Staat kräftig subventioniert und PR-Massnahmen unternommen, um den Absatz zu fördern. Öffentliche Gelder werden somit in eine schwindende Industrie investiert, die aus ethischen, ökologischen und diplomatischen Gründen eingestellt werden sollte.

Ein neues Fabrikschiff für die Fortsetzung des kommerziellen Walfangs?

Laut japanischen Medienberichten kann sich aber die grösste Walfangfirma «Kyodo Senpaku» beim Bau des Nachfolgers des Fabrikschiffs «Nisshin Maru» nicht mehr auf solche staatlichen Subventionen verlassen. Der Bau des neuen Walfangschiffs war viele Jahre umstritten und zieht national wie internationale Kritik auf sich. Das neue Schiff soll den 8,145 Tonnen schweren und 130 Meter langen Koloss «Nisshin Maru» ersetzen. Das Flaggschiff der japanischen Walfangflotte ist mit seinen 34 Jahren renovationsbedürftig. Der Bau des Nachfolgers wird mit sechs Milliarden Yen (ca. 45 Millionen Euro) budgetiert und soll bis 2023 fertiggestellt sein. Das neue Schiff soll, geht es nach den Vorstellungen der Walfänger, ein klares Statement für die Fortsetzung des kommerziellen Walfangs sein. Kyodo Senpaku sucht nun private Investoren, Kredite von Finanzinstituten und will über Crowdfunding um Spenden werben, indem es an die Öffentlichkeit über die Bedeutung des Walfang als Vorbereitung auf eine zukünftige Nahrungsmittelkrise appelliert.

«Es wird sich zeigen, ob die japanische Bevölkerung – nebst ethischen, moralischen und ökologischen Überlegungen – willens ist, ein ökonomisches Auslaufmodell mit einer fragwürdigen Zukunft zu erhalten. Die Zeichen aus Island lassen Hoffnung aufkommen. Dort hat es sich gezeigt, dass kommerzielle Walfangaktivitäten ohne staatliche Subventionen nicht auskommen und die Wale nun seit 2019 sicher vor den Harpunen sind», sagt Fabienne McLellan, Leiterin des Programms zur Einstellung des Walfangs bei OceanCare.

Hintergrundinformationen

Seit Inkrafttreten des kommerziellen Walfangverbots 1986 hat Japan 17‘839 Wale zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Diese „wissenschaftliche“ Walfang hat wenige bis keine Publikationen in begutachteten (peer-reviewed) Fachzeitschriften erbracht. Selbst der Internationale Gerichtshof in Den Haag (IGH) hat 2014 Japans Walfang in der Antarktis wegen fehlender Wissenschaftlichkeit verurteilt und Japan aufgefordert, dieses Programm einzustellen.

Während es für das „Wissenschaftswalfangprogramm“ internationale Kritik gab, ist wenigen bekannt, dass eine Handvoll japanischer Küstengemeinden den Walfang in den letzten 35 Jahren trotz des IWC-Moratoriums fortgesetzt haben.

Über viele Jahre hinweg versuchte die japanische Regierung, diesen sogenannten Küstenwalfang von Zwerg- und Baird‘s Schnabelwalen unter dem Vorwand, dass die Küstengemeinden dringend auf die Nahrung aus dem Meer angewiesen sind, als eigene Walfangkategorie anerkennen zu lassen. Dieses Ansuchen lehnte die Staatengemeinschaft mit überwiegender Mehrheit stets ab, da es das international gültige Verbot des kommerziellen Walfangs untergraben hätte.

Im Dezember 2018 kündigte Japan seinen Austritt aus der IWC an und begann nach Ablauf der sechsmonatigen Kündigungsfrist (also dem 30. Juni 2019) mit der kommerziellen Waljagd auf Grosswale. Seit dem 1. Juli 2019 ist die Jagd auf Küstengewässer und die ausschliessliche Wirtschaftszone (EEZ) von 200 Seemeilen beschränkt. Die Fangquote von 227 Walen (150 Bryde-, 52 Zwerg- und 25 Seiwale) wurde eigenmächtig erteilt. Diese Waljagd ist seitens des international zuständigen Gremiums der Internationalen Walfangkommission (IWC) nicht akzeptiert.  Darüber hinaus werden jährlich rund 60 Baird’s Schnabelwale mit den gleichen Walfangschiffen gejagt und getötet.