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Von 2000 bis 2015 führte OceanCare im Pelagos-Schutzgebiet im Korso-Liguro-Provenzalischen Sektor des Mittelmeers ein Monitoring-Projekt durch. Während jährlich  6–8 Wochen auf Hunderten von Kilometern Forschungsfahrten wurden die zeitliche und räumliche Verbreitung von Walen und Delphinen dokumentiert. Neben Walen und Delphinen sahen wir zahlreiche Mondfische, Segelquallen und springende Schwertfische.

Da dieses Gebiet sehr nährstoffreich ist, wurden Planktonproben genommen und analysiert, um die Vitalität des Lebensraums besser zu verstehen.

Um die tieftauchenden Pottwale zu erforschen, wurde ein Hydrophon eingesetzt, welches zur akustischen Erkennung von Pottwalen in der nicht-invasiven Walforschung etabliert ist. Zu sehen sind die Tiere selten, da sie jeweils bis zu einer Stunde abtauchen und nur kurz zum Luftholen an die Wasseroberfläche kommen. Akustisch kann man sie jedoch gut orten.

Die Mittelmeer-Pottwale unterscheiden sich genetisch von ihren Verwandten in den Ozeanen, mit denen sie als Binnenmeerbewohner nur selten in Kontakt kommen. Heute leben vom Bosporus bis Gibraltar nur noch wenige hundert dieser sanften Riesen. Für sie wird die Situation aber immer kritischer. Kollisionen mit Schiffen kosten viele Pottwale das Leben, Lärm stört ihren akustischen Orientierungssinn, Plastikmüll verstopft ihre Mägen und immer wieder verfangen sich Wale in Fischernetzen und ertrinken kläglich.

Im Schutzgebiet Pelagos hat OceanCare über die Jahre zu einem besseren Verständnis des Wal- und Delphinvorkommens beigetragen und die Sichtungsdaten über eine öffentlich zugängliche Datenbank frei verfügbar gemacht.

Leider haben wir mehrfach nicht nur Pottwale gehört, sondern auch Militärsonar aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen haben wir dem ACCOBAMS-Wissenschaftskomitee gemeldet und der Direktion für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung Frankreichs, anlässlich eines persönlichen Besuchs in Paris vorgespielt. Mit dem Resultat, dass die französischen Behörden uns 2015 keine Erlaubnis für den Einsatz des Hydrophons mehr erteilten. Damit wurde nach 15 Jahren Forschung das Projekt in Südfrankreich abgeschlossen und ab Sommer 2016 die Datenerhebung um Sizilien weitergeführt. Die Gewässer im Nordosten und Osten Siziliens sowie in der Strasse von Messina bieten Walen und Delphinen ideale Lebensbedingungen. Besonders tief tauchende Arten wie Rundkopf-Delphin, Cuvier-Schnabelwal und Pottwal finden hier eine ideale Unterwasserwelt. Das Vorkommen der verschiedenen Wal- und Delphinarten und deren Populationsentwicklung in diesem Meeresgebiet waren bislang wenig systematisch erforscht. OceanCare dokumentierte die räumliche und zeitliche Verbreitung der Meeressäuger und untersuchte, wo Konflikte zwischen Mensch und Tier gelöst werden müssen, um die Wale und Delphine besser schützen zu können.

Der Lebensraum wurde auch qualitativ beurteilt, mit besonderem Augenmerk auf die Plastikverschmutzung. Im Rahmen von Forschungsprojekten sammelte und entsorgte die Crew Plastikabfälle, die an der Wasseroberfläche trieben. Mikroplastikproben wurden genommen und erstmals an der Wasseroberfläche treibende Makro-Plastikabfälle wie Flaschen und Fragmente gezählt und protokolliert. Anhand verschiedener Zählungen können so die örtlichen Plastikansammlungen verglichen, quantifiziert und deren Entwicklung beobachtet werden. Ein spezielles Netz erlaubte uns die Entnahme von Mikroplastik-Proben, die zur Untersuchung an ein Labor geschickt wurden. Strandsäuberungen waren auch Teil des Forschungsprojektes, da die Klassifizierung und Protokollierung der gesammelten Plastikabfälle am Strand wichtige Zusatzinformationen liefert.

Ende September 2019 schliessen wir nach 20 Jahren die Feldforschung ab. Die Daten sind Grundlage wissenschaftlicher Publikationen, welche unter der Leitung von Dr. Silvia Frey erarbeitet werden. Für OceanCare sind diese Publikationen eine wichtige Grundlage für die Arbeit in relevanten internationalen Gremien und für griffige Schutzmassnahmen.

OceanCare bedankt sich herzlich bei Silvia Frey für den Aufbau, die grossartige Weiterentwicklung und Durchführung unserer Feldforschung von 2000 bis 2019. Wir bedanken uns auch bei den Skippern und Guides, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Nicht zuletzt bei allen Teilnehmenden, die durch die Teilnahmegebühr die Finanzierung dieses Projekts mitermöglicht haben. Wir freuen uns, dass Silvia Frey die Expeditionen unter ihrem neu gegründeten Verein Kyma sea conservation & research weiterführt und wir Interessierte an sie verweisen können.

Die folgenden wissenschaftlichen Publikationen aus den Jahren der Walforschung, wird OceanCare für die Policy-Arbeit in internationalen Gremien verwenden.

Abschlussbericht Walforschung 2019