Wädenswil, 1. Juli 2019: Fünf Walfangschiffe sind heute Montag ausgelaufen und bereits wurde der erste Zwergwal harpuniert. Es ist der Beginn der ersten kommerziellen Waljagd seit 33 Jahren. Das japanische Fischereiministerium gab bis Jahresende 227 Wale zum Abschuss frei, davon 52 Zwerg-, 150 Bryde- und 25 Seiwale. Die Fangquoten wurden eigenmächtig erteilt und sind durch den Austritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) nicht von dem Expertengremium abgesegnet.

Von offizieller Stelle wird unterstrichen, dass der Walfang auf der Grundlage wissenschaftlicher Daten in Hoheitsgewässern und in der ausschliesslichen Wirtschaftszone durchgeführt werde, um damit weitere Kritik abzuwenden. „Die Fangquoten sind eigenmächtig festgelegt und nicht seitens der IWC akzeptiert. Zusätzlich wird Jagd auf seltene Schnabelwale gemacht, die seitens der japanischen Regierung in diesem Kontext gar nicht genannt werden. Manche Walbestände haben sich zwar schrittweise von der früheren Dezimierung erholen können, andere Populationen sind aber nach wie vor gefährdet. Und alle Wale sind durch eine Vielzahl von Gefahren wie Beifang, Verschmutzung, Schiffskollisionen und Klimawandel bedroht. Walfang im 21. Jahrhundert ist weder nachhaltig noch notwendig“, kritisiert Nicolas Entrup, Senior Ocean Policy Expert bei OceanCare. Während 88 IWC-Mitgliedsländer am internationalen Walfangverbot festhalten, wählt Japan mit dem Austritt aus der Internationalen Walfangkommission und dem Ignorieren demokratisch gefällter Entscheide und Gesetze den Alleingang.

Mit Norwegen und Island hat Japan bereits fragwürdige Vorbilder in Sachen Fangquoten, da die beiden europäischen IWC-Mitgliedstaaten diese ebenfalls eigenmächtig festlegen. Japan hat heute Montag die Obergrenzen von 227 Walen bis Jahresende festgelegt. Damit stehen 52 Zwerg-, 150 Bryde- und 25 Seiwale auf der Abschussliste. Wenigstens findet die Jagd unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“ im Antarktis-Schutzgebiet ein Ende. Innerhalb der IWC gab Japan bis dato an, Wale für wissenschaftliche Zwecke zu töten. Zuletzt wurden in den „wissenschaftlichen“ Walfangprogrammen im Jahr 2016 450 Wale und 2017 513 Wale getötet. Mit dem kommerziellen Walfang verschieben sich die Walfangaktivitäten vom Südlichen Ozean nun gänzlich in die nördliche Hemisphäre.

Fabienne McLellan, Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, ergänzt: „Japans kommerziellen Walfangansprüchen steht kein Bedarf an Walfleisch in Japan oder anderswo auf der Welt gegenüber.“ Der Konsum von Walfleisch in Japan ist von 1962 bis 2017 um fast 99% zurückgegangen; es werden weniger als 4.000 Tonnen konsumiert. „Die Regierung behauptet derweil, der Konsum in Japan werde zunehmen, falls mehr Walprodukte auf den Markt kämen. Ohne staatliche Subventionen dürften aber auch die neuen kommerziellen Walfangaktivitäten kaum auskommen. Es ist ein verzweifelter Versuch, ein ökonomisches Auslaufmodell auf Kosten der Wale anzukurbeln“, so McLellan.

Zahlen und Fakten:

  • Auf der Abschussliste stehen Bartenwale wie Zwerg-, Sei- und Brydewale. Gejagt wird in den Küstengewässern und in der ausschliesslichen Wirtschaftszone (AWZ, 200 Meilen) Japans.
  • Die Jagd wird das ganze Jahr hindurch erlaubt sein, bis die Quoten erreicht sind.
  • Mit dem IWC-Austritt werden die Walfänger nicht mehr dem Verbot des Fangs bestimmter Arten unterliegen. Damit geraten auch Zahnwalarten ins Visier der Waljäger, wie zum Beispiel Grindwale und Baird-Schnabelwale. Bis Ende 2019 wurden 227 Bartenwale zum Abschuss freigegeben.
  • Seit Inkrafttreten des kommerziellen Walfangverbots 1986 hat Japan über 000 Wale zu „wissenschaftlichen“ Zwecken getötet.
  • Dieser „wissenschaftliche“ Walfang hat kaum Publikationen in begutachteten (peer reviewed) Fachzeitschriften erbracht.
  • Auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat 2014 Japans Walfang in der Antarktis wegen fehlender Wissenschaftlichkeit verurteilt und Japan aufgefordert, dieses Programm einzustellen.
  • Japan importiert auch weiterhin Tausende Tonnen Walfleisch aus Island und Norwegen. Die drei Länder haben jeweils einen Vorbehalt gegenüber dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) eingereicht und sind damit formal nicht an das Handelsverbot gebunden. Seit Jahren streben die Walfangnationen danach, neben dem Walfangmoratorium auch das Handelsverbot aufzuheben. Nimmt dieser unregulierte Handel weiter zu, wird die Wirksamkeit von CITES massiv beeinträchtigt.
  • Japans kommerziellen Walfangansprüchen steht kein Bedarf an Walfleisch in Japan oder anderswo auf der Welt gegenüber.

Medienkontakte:

Nicolas Entrup, Senior Ocean Policy Expert OceanCare: M: (+43) 660 211 9963, nentrup@oceancare.org

Fabienne McLellan, Leiterin Internationale Zusammenarbeit OceanCare: M: (+41) 79 456 77 07, fmclellan@oceancare.org