Endlich ist es soweit. Am Montag begann die Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC). Es wird in dieser Woche nicht weniger als über die weltweiten Walfanaktivitäten während der kommenden Jahre entschieden. Unser Team ist bereits seit einer Woche vor Ort und hat an den Vorverhandlungen teilgenommen. Diese vorbereitenden Gespräche sind ein guter Gradmesser ist für die generelle Stimmung, die Brennpunkte und möglichen Absprachen. Der Inhalt der Vorverhandlungen ist nicht öffentlich, aber zu diesem Zeitpunkt war bereits ersichtlich, wie viel Dynamit die Konferenz birgt.

Unser Team bereitet sich seit Monaten auf diese Konferenz vor. Hauptziel für uns ist es, die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zu verhindern. Mit unserem Delegationsleiter Nicolas Entrup haben wir einen Top-Experten an unserer Seite, der bereits seit 20 Jahren in diesem Gremium tätig ist. Verstärkt werden wir durch Thomas S., der seit vielen Jahren in Südamerika lebt, mit der geopolitischen Lage bestens vertraut ist und sämtliche Medienbelange jongliert. Rodrigo Garcia, Wissenschaftler aus Uruguay nimmt ebenfalls unter der OceanCare-Flagge teil und trägt wichtiges Wissen zu den Schutzmassnahmen und Walbestände entlang der Ostkünste diesseits des Atlantiks bei.

Die Bandbreite und Anzahl der Initiativen sorgt für ein hochgetaktetes Konferenz-Programm. Da bleibt für Erkundungstouren dieser Insel im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina praktisch keine Zeit. Da wir uns aber Mitten in der Walbeobachtungs-Saison für die Südlichen Glattwale befinden und auch noch gehört haben, dass aktuell rund 300 Tiere gesichtet wurde, konnten wir nicht länger widerstehen. Kurzerhand haben wir ein Auto gemietet und sind am Sonntagnachmittag vor Konferenzbeginn die Küste runtergefahren. Rodrigos Geheimtipp sei Dank fanden wir einen Strand, an dem sich uns ein unvergessliches Spektakel eröffnete. Nur ca. 150m vom Strand ruhte eine Glattwal-Mutter mit Kalb. Das Kleine war nur wenige Tage alt und schlug aufmüpfig mit der Fluke auf die Oberfläche. Es will trinken. Es waren rund ein Dutzend Mütter mit ihren Youngsters, die sich in diesem Küstenabschnitt in den Gewässern tümmelten. Es wurde mir rasch klar, weshalb sie in Englisch zynischerweise „Right Whales“ genannt werden. Ihre Behäbigkeit und Neugierde machten sie zu einfachen Zielscheiben für die Walfänger vergangener Tage. Wir waren alle sehr ergriffen und revitalisiert durch dieses einmalige Spektakel. Es war ganz so, als hätten die Wale uns nochmals in Erinnerung rufen wollen, weshalb wir uns hier so sehr für den bestmöglichen Schutz einsetzen müssen.

Seither haben sich die Ereignisse überstürzt und die Euphorie des Vortages wird schnell angezapft werden müssen. Denn gleich zu Beginn der Konferenz wurde klar, dass alle kontroversen Punkte in Arbeitsgruppen delegiert werden. Der japanische Vorsitzende liess aber offen, wer überhaupt Teil dieser Arbeitsgruppen sein kann. Die Nichtregierungsorganisationen waren offensichtlich nicht vorgesehen, was mit Transparenz und einer konstruktiven Vorgehensweise wenig zu tun hat. Am Dienstag wartete dann leider bereits ein weiterer Dämpfer: der Antrag der Anrainerstaaten, im Südatlantik ein Walschutzgebiet zu eröffnen, scheiterte am Stimmverhalten geprägt durch die Walfangländer. Heute Mittwoch stimmte die Kommission der Erneuerung der Walfangquoten für einige indigene Völker in entlegenen Regionen vorwiegend in der Arktis (Alaska, Grönland, Sibirien) zur Subsistenzjagd zu. Jetzt, da man in diesem kontrovers und emotional debattierten Thema einen Entscheid gefällt hat, der von einer Dreiviertelmehrheit mitgetragen wird, kann sich die Walfangkommission nun auf die brandgefährliche Diskussion über die zwei fundamental entgegengesetzten Vorschläge Japans und Brasiliens konzentrieren. Japan will einerseits den kommerziellen Walfang wieder einführen. Dem hält Brasilien eine Modernisierung der Walfangkommission entgegen. Diese „Florianópolis Deklaration“ hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich die Walbestände wieder auf das Niveau vor der industriellen Bejagung erholen sollen. Wir erwarten eine hitzige Debatte. Zeit, den Laptop zu schliessen und die Batterien aufzuladen, damit wir für den Showdown morgen Donnerstag gewappnet sind.

Fabienne McLellan

Fabienne McLellan

Co-Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare

Fabienne McLellan ist Co-Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare und nimmt an der IWC-Tagung vom 10. bis 14. September 2018 in Brasilien teil.