Neben Zwergwalen sollen nun auch wieder die zweitgrössten Lebewesen im Nordatlantik bejagt werden: Finnwale. Die isländischen Behörden genehmigen Kristjan Loftsson, dem einzigen isländischen Walfänger, dessen Flotte die entsprechende Kapazität besitzt, bis zu 161 der seitens der Weltnaturschutzorganisation als stark gefährdet eingestuften Walart zu töten. 2016 und 2017 hatte Walfänger Loftsson die Bejagung von Finnwalen eingestellt. Absatzmarkt gibt es für die streng geschützten Wale ausser Japan keinen.

„Die Nachricht aus Island ist eine absolute Provokation gegenüber weltweiten Walschutzbemühungen. Die Reputation internationaler Schutzbestimmungen steht auf dem Spiel, wenn sich wenige Staaten über den Beschluss des kommerziellen Walfangverbotes einfach hinwegsetzen. Wir erwarten eine klare und umgehende Reaktion der Europäischen Union jetzt und bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC), die im September in Brasilien stattfindet“, sagt Nicolas Entrup, Sprecher der internationalen Meeresschutzorganisation OceanCare.

Das kommerzielle Walfang-Moratorium der IWC trat 1986 in Kraft. Daraufhin verliess Island, eine der führenden Walfangnationen, 1991 die IWC unter Protest. Im Jahr 2002 trat Island mit einem umstrittenen Vorbehalt gegenüber dem Moratorium der IWC wieder bei und setzte einen internationalen Präzedenzfall, da es zunächst den Entscheid anerkannte, durch den Wiederbeitritt jedoch aushebelte. Bereits 2003 begann der Inselstaat mit „Wissenschaftswalfang“, 2006 offiziell zu kommerziellen Zwecken. Finnwale sind von der IUCN als stark gefährdet eingestuft und in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet. Island hat jedoch auch gegenüber dem CITES-Handelsverbot mit Walprodukten einen Vorbehalt und exportiert Walprodukte insbesondere nach Japan.

Zuletzt wurden im Jahr 2014 137 Finn- und 24 Zwergwale getötet, 2015 waren es 155 Finn- und 29 Zwergwale. Islands Walfleisch-Exporte nach Japan beliefen sich in den letzten Jahren auf fast 4‘000 Tonnen. Im September 2016 wurde bekannt, dass Island erneut mehr als 1‘500 Tonnen Finnwalfleisch nach Japan verschifft hat.