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Mehr als uns und dem Delphinarium im Schweizerischen Lipperswil lieb sein kann. Da ist zum einen die Tatsache, dass die Delphinarien-Industrie leider nach wie vor sehr lukrativ ist. Deshalb krallt sich Taiji als weltweit grösster Umschlgsplatz für lebende Delphine auch so in der Treibjagd fest. Und da ist noch eine weitere Gemeinsamkeit: Die Sache mit dem Lärm…Vorgestern gelang es den Jägern trotz beträchtlichem Wind und Wellen erneut, mit ihren Lärmstangen eine Schule von etwa zehn Rundkopfdelphinen in die Bucht von Taiji zu treiben. Darunter eine Mutter mit einem noch sehr kleinen Jungen. Das Muttertier wehrte sich nach Kräften gegen die Fangversuche der Jäger, schaffte es sogar, ein Netz zu überqueren. Nicht aber das Junge. Es verfing sich im Absperrnetz und ertrank fast.

Die Jäger holten es raus und fingen mit einer Seilschlinge schliesslich auch die Mutter ein. Dann begann das Töten. Als erstes verliess ein Boot mit einer blauen Abdeckplane die Todesbucht. Als der Wind die Plane etwas anhob, war deutlich das Baby zu erkennen. Lebend. Daneben ein weiterer Delfin, wohl ebenfalls lebend. War es das Muttertier? Oder ein Halbwüchsiges? Es war schwer zu erkennen.

Das Boot brachte die beiden Delphine vielleicht eine Seemeile in Richtung offenes Wasser. Was dann genau geschah, liess sich für uns nicht ausreichend beobachten. Aber wir gehen davon aus, dass die Tiere freigelessen wurden. War es nebst dem Baby die Mutter? Falls es bloss ein Halbwüchsiges war, haben die beiden keine Chance, und der schnelle Tod wäre vielleicht das weniger schlimme Schicksal gewesen.

Falls ja, dann haben Mutter und Baby tatsächlich eine Überlebenschance und werden sich einem anderen Delphinverband anschliessen können. Und unsere Anwesenheit hat einmal mehr einen Unterschied gemacht. Wir können nur hoffen und das Geschehen weiter beobachten.

Bizarr war einmal mehr die Geräusch-Kulisse, als wir vom Takababe-Hügel das Geschehen verfolgten, soweit dies ob all den Abdeckplanen über der Todesbucht möglich war. Vom nebenan gelegenen Walmuseum wummerten die Disco-Bässe der nächsten Delfinshow herüber, und vom Meer stanzten sich die trockenen Metallschläge der Lärmstangen, auf welche die Delphinjäger hämmerten, ins die Ohren.

So wird das empfindliche Gehör der Delphine zu ihrem Verhängnis. Die Delphinjäger erzeugen mit ihrem massiven Hämmerlärm eine richtige Schallmauer, vor welcher die verschreckten Delphine, die jetzt auch nicht mehr akustisch kommunizieren können, zu fliehen versuchen. So können sie aufs Land getrieben werden. Dieser Umstand macht auch gleich klar, dass für die sensiblen Meeressäuger eine Dauerbeschallung mit Bass-Gewummer, etc. wohl kaum angenehm ist.

Genau dies macht das Delphinarium im thurgauischen Lipperswil in der Schweiz jedoch heute Samstag. Im Connyland, rund 50 Meter vom Winterquartier der Delphine entfernt, soll eine Techno-Party stattfinden. Aus Sicht von OceanCare ist die Lärmbelästigung für die Wildtiere, die in ihren Becken zudem keine Ausweichmöglichkeit haben, schlicht eine Qual.

OceanCare hat deshalb schriftlich beim Connyland und den zuständigen Behörden eine Stellungnahme eingereicht und die Betreiber des Connylands aufgefordert, von derartigen Events zum Wohle der Tiere abzusehen. Wer den[nbsp] Protest von OceanCare unterstützen will, kann eine Mitteilung senden an folgende Emailadresse des Freizeitsparks: info@connyland.ch Mehr Infos und ein Vorlagetext ist hier zu finden.

Und zu guter Letzt ein Happy End: Heute war ein strahlender Tag. Wind und Wellen aber liessen keine Delphinjagd zu. Alle Boote blieben im Hafen. Und uns blieb endlich etwas Zeit zum “Retablieren” und so Verschiedenes auf den aktuellen Stand zu bringen.

Euer  Hans Peter Roth