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Spanische Medien haben jüngst berichtet, dass Spaniens größter Ölkonzern Repsol die Ölförderung auf seiner Ölbohrplattform „Casablanca“ einstellen wird, und zwar schon im kommenden Juni. Diese Plattform liegt östlich von Tarragona im Mittelmeer und damit nahe am Walmigrationskorridor, der sowohl von Spanien zum Meeresschutzgebiet als auch von der Barcelona-Konvention zum Besonderen Schutzgebiet von Bedeutung für den Mittelmeerraum (SPAMI) erklärt wurde (siehe Karte).

„Diese Erklärung ist eine völlige Kehrtwende in der Strategie von Repsol“, erklärt Carlos Bravo, Campaigner von OceanCare in Madrid. Noch vor wenigen Monaten bekämpfte Repsol eine Klage, wonach das Unternehmen im Gebiet der Casablanca-Plattform für eine seiner fünf Förderungskonzessionen, die im Dezember 2018 ausgelaufen war, keine zehnjährige Verlängerung erhalten hätte. Repsol gewann vor Gericht, erhielt also vom spanischen Höchstgericht das grüne Licht, diese Konzession weitere zehn Jahre ab diesem Zeitpunkt zu nutzen.

Sicherlich hat die Ölproduktion der fünf Konzessionen von Repsols „Casablanca“-Plattform in den letzten Jahren stark abgenommen, aber dieser Umstand war auch schon vor 2018 bekannt. Dennoch war Repsol damals noch entschlossen, mit der Ölförderung in dieser Region fortzufahren. Bis jetzt.

Dieser Sinneswandel von Repsol könnte also ein indirekter Effekt von Spaniens neuem Klimawandel- und Energiewendegesetz sein, das seit 22. Mai in Kraft ist und die Suche nach Öl- und Gasvorkommen im gesamten Gebiet Spaniens untersagt (an Land und im Meer, sowohl in den Hoheitsgewässern als auch in der ausschließlichen Wirtschaftszone und dem Kontinentalschelf).

Während dieses Gesetz Repsol erlaubt hätte, seine „Casablanca“-Ölbohrplattform bis Ende 2042 weiterzuführen, hat das Unternehmen höchstwahrscheinlich erkannt, dass die Ölförderung in Spanien keine Zukunft hat und dass es nicht sinnvoll ist, eine wenig profitable Tätigkeit fortzusetzen, wenn es rechtlich ausgeschlossen ist, im Gebiet rund um die Plattform nach weiteren Öllagerstätten zu suchen und so deren Förderbereich auszudehnen.

„Wie dem auch sei, das sind jedenfalls großartige Neuigkeiten nicht nur für das Klima, sondern besonders auch für die fantastische, aber gefährdete Vielfalt der Lebewesen, die in diesem Teil des Mittelmeers gedeihen wollen“, schließt Carlos Bravo.