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(c) Courtney S. VailDie ersten Grossen Tümmler, die in dieser Saison in die Tötungsbucht in Taiji, Japan, getrieben wurden, erlitten ein nur zu bekanntes, tragisches Schicksal. Berichten zufolge wurde eine Gruppe aus 20-25 Tieren in der Bucht mehrere Tage lang eingesperrt, bevor 11 von ihnen getötet und 5 lebend in Gefangenschaft genommen wurden. Die verbliebenen Tiere wurden wieder ins Meer entlassen.
Übersetzung des Blogs von Courtney S. Vail, Whale and Dolphin Conservation, mit freundlicher Erlaubnis

Leider wird in Taiji offenbar die unselige Allianz zwischen Einrichtungen der JAZA und dem Fischereiverband fortgesetzt. Die World Association of Zoos and Aquaria (WAZA) hat ihrem japanischen Mitglied JAZA (Japanese Association of Zoos and Aquaria) in einer seit 2009 entwickelten Leitlinie, dem so genannten „dolphin management protocol“, zugestanden, dass die Delphinarien Dolphin Base und Dolphin Resort, die Mitglieder von JAZA sind, sowie die Taiji Town Development Public Corporation im Monat September Grosse Tümmler zur Gefangenschaftshaltung auswählen dürfen. Jene Grossen Tümmler, die nicht verkauft werden können, sollten wieder ins Meer entlassen und nicht wegen ihres Fleisches getötet werden. Tiere anderer Arten können ohne Einschränkung lebend gefangen oder zur Fleischgewinnung abgeschlachtet werden. Anders gesagt, während des Septembers haben die JAZA-Einrichtungen Vorrang und die Grossen Tümmler eine kleine Gnadenfrist.

Auch während des Rests der Fangsaison (Oktober bis April) können die Fischereiverbände beschliessen, Grosse Tümmler speziell für JAZA-Delphinarien zusammentreiben. Dann sollten kleinere Gruppen in die Bucht getrieben werden – dies wird als „gentler herding exercises“ tituliert, um eine Unterscheidung zwischen Jagden für die Gefangenschaftshaltung und Jagden für die Fleischgewinnung anzudeuten. Wenn Delphine bei diesen „speziellen“ Treibjagden unverkauft bleiben, haben Nichtmitglieder von JAZA die Gelegenheit, Delphine zu kaufen. Alle dann noch übrigen Delphine sollten nicht getötet, sondern in den Ozean zurückgelassen werden. Zusammengefasst heisst das: Wenn JAZA-Einrichtungen beteiligt sind, sollten zumindest die Grossen Tümmler dem Schlachtmesser entgehen. Ein weiterer Aspekt dieser Abmachung zwischen JAZA und den Fischern ist, dass Mütter und Babys während der Treibjagden verschont werden sollen.

Das „Delphinmanagement-Protokoll“, das zwischen WAZA und JAZA ausgehandelt wird, stützt sich auf JAZAs Prämissen, dass es eine legitime und humane Fangmethode sei, Delphine aus dem offenen Ozean in eine Bucht zu treiben, und dass eine Treibjagd für die Gefangenschaftshaltung irgendwie etwas anderes sei als eine Treibjagd für Delphinfleisch. Aber damit widerspricht das Protokoll nicht nur der Vernunft, sondern auch der Wissenschaft, die belegt hat, dass Delphine Schock, Qual oder sogar den Tod erleiden, wenn sie auf See zusammengetrieben werden. Ob dies für den Lebendverkauf oder letztendlich für die Tötung geschieht, spielt dafür keine Rolle. Bestätigt wird dies durch wissenschaftliche Ergebnisse in Bezug auf den Thunfischfang im tropischen Ostpazifik (wo Thun-Schwärme anhand begleitender Delphine ausgemacht und mit diesen gefangen werden).

Ausserdem werden diese angeblich unterschiedlichen Aktivitäten auf dieselbe Weise am selben Ort durchgeführt: in der Tötungsbucht von Taiji. Der einzige Unterschied? JAZA-Mitglieder können sich Grosse Tümmler als Nachschub für ihre Delphinprogramme aussuchen, nur wegen der vorgeblich selektiveren und politisch unterstützten Methoden. Letztlich bietet das Delphinmanagement-Protokoll der WAZA keinen Ausweg aus ihrem Versagen, JAZAs anhaltender Verwicklung in und Abhängigkeit von Treibjagden entgegenzuwirken.

In diesem Prozess wurden die Grossen Tümmler dazu bestimmt, als Pfand in den grässlichen Verhandlungen zwischen JAZA, WAZA und den Fischern von Taiji zu dienen – wahrscheinlich weil sie die bevorzugte Art der meisten Delphinarien sind, und vielleicht auch wegen einer „Flipper“-Mentalität, die starke Reaktionen der Öffentlichkeit auslöst, wann immer Grosse Tümmler in der Bucht gefangen oder abgeschlachtet werden. Für die anderen Delphinarten gilt das nicht – sie können ohne Beschränkung gejagt, gefangen und getötet werden. So oder so macht dieses vereinbarte Protokoll keinen Unterschied für die Delphinpopulationen rund um Japan.

Bald nach der Treibjagd auf Grosse Tümmler am ersten November Wochenende fand eine neuerliche Treibjagd statt, die eine Gruppe von 20 Rundkopfdelfinen betraf. Von dieser Gruppe wurden 17 Rundkopfdelphine geschlachtet, und 3 Jungtiere wurden ins offene Meer zurückgetrieben.

Die relativ neue Praxis, einen Teil der Gruppe wieder freizulassen und gezielt zu versuchen, Jungtiere und Babys nicht zu töten, ist ein verfehlter PR-Trick: Statt die Jungen zu „retten“, werden sie einem sicheren Tod ausgeliefert, wenn sie ohne ihre Mütter oder Familien in den Ozean entlassen werden, nach dem Schock der brutalen Treibjagd und der tagelangen Gefangenschaft in der Bucht von Taiji. Diese Delphine haben ohne den Schutz durch ihre Mutter oder ihre Gruppe nur geringe bis gar keine Überlebenschancen, und viele verhungern oder werden von Prädatoren erbeutet.

Jeder Aspekt dieser Jagd ist äusserst grausam, von der aufreibenden Treibjagd vom Meer in die Bucht, bei der Mütter und Kälber getrennt werden können, zur Gefangenschaft in einer abgezäunten Bucht, in der die Delphine schliesslich massakriert werden. Vergangene Saison wurden mindestens 834 Delphine bei den Treibjagden getötet, und 158 lebend gefangengenommen. In der Saison 2014/15 wurden bisher 132 Delphine getötet und 9 kamen in Gefangenschaft.

Nach der jüngsten Treibjagd auf Grosse Tümmler zu schliessen, ist dieses „Protokoll“ nicht nur ein Fehlschlag, sondern eine falsche, fehlgeleitete und gefährliche Politik, die nichts dazu beiträgt, die Zahl der getöteten Delphine zu verringern, sondern nur die Treibjagd als Methode legitimiert, Delphine für die Unterhaltungsindustrie zu fangen. Ausserdem berücksichtigt dieses „Protokoll“ in keiner Weise das Trauma und den Verlust an Leben in der Phase, wo die Delphine Richtung Küste getrieben werden, oder die Freisetzung von verstörten und verletzten Individuen, die, aus welchen Gründen auch immer, für die Rückkehr in die offene See ausgewählt wurden.
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Mehr Infos: Delphintreibjagd – Meeting in Schweizer Botschaft in Tokio