New York, 21. August 2019: OceanCare ruft die Weltgemeinschaft auf, das derzeit verhandelte rechtsverbindliche Instrument zur Regelung der Hochsee zu einem Abschluss zu bringen und darin strenge Regelungen zum Unterwasserlärm zu verankern.

Manchen mag das Seerecht als trockene, technische oder sogar langweilige Materie erscheinen, aber die gerade stattfindende vorletzte Sitzung der Zwischenstaatlichen Konferenz (IGC) zeigt das Gegenteil. Die UNO-Mitgliedstaaten verhandeln über etwas wirklich Bahnbrechendes. Seit etwa einem Jahrzehnt gibt es auf internationaler Ebene Gespräche über ein Abkommen über den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität der Hochsee.

Zusammen mit vielen anderen Organisationen, die meisten davon unter dem Dach der High Seas Alliance (http://highseasalliance.org/), setzt sich OceanCare dafür ein, dass die Regierungen diese einmalige Chance ergreifen und dafür sorgen, dass ein solches Abkommen den Schutz der Meere an oberste Stelle stellt.

Die Verhandlungen dauern noch an und es lässt sich noch nicht mit Gewissheit sagen, ob und wann eine Einigung über ein Abkommen erzielt werden kann. Jetzt ist eine entscheidende Phase in diesem Prozess.

Anthropogener Unterwasserlärm als Beispiel

OceanCare ruft die Regierungen auf, Unterwasserlärm als grenzübergreifende Umweltverschmutzung angemessen zu regulieren. Lärm ist geradezu der Inbegriff einer grenzüberschreitenden Form von Verschmutzung. Seine Folgen enden nicht an der Grenze nationaler Hoheitsgebiete. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass er die Gesundheit und Funktion des Ökosystems Meer schwer beschädigt. Zusätzlich zu den negativen Folgen für die Biodiversität der Meere handelt es sich hier um ein wahrhaft globales Problem, mit verschiedenen regionalen Ausprägungen und sozioökonomischen Auswirkungen.

Side Event von GFCM und OceanCare

Am Mittwoch, dem 21. August, war OceanCare zusammen mit dem regionalen Fischereiabkommen für das Mittelmeer (FAO/GFCM) Gastgeberin einer Rahmenveranstaltung zur dritten Sitzung der Zwischenstaatlichen Konferenz über die Biodiversität der Meeresgebiete ausserhalb nationaler Hoheitsgewässer (IGC3 BBNJ).

Leider konnte Lora Reeve, die OceanCare-Expertin für internationales Recht, aus familiären Gründen kurzfristig nicht zur Veranstaltung kommen. Ocean Care war dankbar, dass Kristina Gjerde, eine Pionierin auf dem Gebiet des Hochseerechts, einsprang und vortrug, wie grenzüberschreitende Umweltverschmutzung durch das neue BBNJ-Instrument im Rahmen der UN-Seerechtskonvention (UNCLOS) geregelt werden kann. Die Bestimmungen zum Unterwasserlärm können auch auf andere Formen der grenzüberschreitenden Verschmutzung umgelegt werden, z.B. auf Plastik und anderen Müll in den Meeren.

Anschliessend berichtete Nicola Ferri, Legal Officer bei FAO/GFCM aus regionaler Perspektive, wie die GFCM die sozioökonomischen Auswirkungen von Unterwasserlärm auf die Fischerei im Mittelmeer angeht. Herr Ferri zeigte damit ein Beispiel auf, wie verschiedene Akteure aus Wissenschaft, Fischerei, Schifffahrt, Umweltschutz und Zivilgesellschaft in einem wirklich partizipatorischen Ansatz zusammengebracht werden, um eine Brücke zwischen Wissenschaft und politischer Umsetzung zu schlagen. Dieses Beispiel anhand des gemeinsamen Workshops von OceanCare und GFCM ist eine konkrete Massnahme, die das Potenzial hat, an anderer Stelle wiederholt zu werden.

Als abschliessender Redner sprach Nicolas Entrup, Senior Ocean Policy Expert bei OceanCare, über Best-Practice-Beispiele zur Lärmreduktion. Er verwies auf die Bedeutung der koordinierten Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Gremien, denn die individuellen nationalen, regionalen oder sektoralen Ansätze reichen nicht aus, um die kumulierten Auswirkungen von anthropogenem Unterwasserlärm und anderen Formen grenzüberschreitender Verschmutzung effektiv und umfassend zu bewältigen.

Fabienne McLellan, Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, moderierte die Veranstaltung. In ihrem Schlusswort betonte sie nochmals, dass die Konsequenzen der grenzüberschreitenden Verschmutzung in dem neuen Vertrag, den die Staaten derzeit verhandeln, wirksam behandelt werden müssen.