Es passt einfach nicht zusammen und stösst bei vielen Konsumenten und Konsumentinnen auf Unverständnis: in Plastik verpackte Bioprodukte, besonders auffällig bei Gemüse und Früchten. Man möchte der Umwelt etwas Gutes tun, indem man eine bewusste Kaufentscheidung trifft und wird dafür mit Einwegplastik bestraft. Plastik wird aus Rohöl hergestellt – einer endlichen Ressource, deren Abbau mit zahlreichen ökologischen Problemen verknüpft ist: Umweltkatastrophen wie diejenige durch die Explosion der Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko vor acht Jahren dürften uns allen noch in Erinnerung sein. Auch nur schon die Suche nach Ölvorkommen ist ein Akt der Verschmutzung an sich, der Lärmverschmutzung nämlich. Seismische Druckluftkanonen generieren im Sekundentakt Schallemissionen, die die Ozeane durchdringen und das Leben darin zerstören.

Die Frage, ob es wirklich nötig ist, Dinge wie Einwegverpackungen aus Plastik herzustellen, ist also mehr als berechtigt. Das zeigt sich auch darin, dass das Thema schon oft diskutiert wurde – am Stammtisch, an der Kasse von Supermärkten, in den Medien. Wenn man bei den Schweizer Grossverteilern nachfragt, hört man immer dieselbe Erklärung: Bioprodukte müssen klar von konventionell hergestellten Produkten unterscheidbar sein. Ausserdem sollen Gemüse und Früchte mit der Verpackung geschützt und ihre Haltbarkeit erhöht werden.

Das leuchtet uns alles ein. Aber muss es wirklich Plastik sein? Wir haben uns deshalb auf die Suche nach Alternativen gemacht und sind fündig geworden. Zwei der vielversprechendsten Lösungen wollen wir hier kurz vorstellen.

Agrokunstoff: Plastik, das sich vermeintlich in Luft auflöst

Agrokunststoffe sind gemäss dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) Kunststoffe, die auf der Basis nachwachsender Rohstoffe wie Mais oder Weizen hergestellt werden. Sie sind zumeist biologisch abbaubar, das heisst: sie bauen sich in der Natur von alleine ab und stellen eine geringere Gefahr für Tier und Umwelt dar. Doch diese beiden Vorteile sind zugleich die Nachteile von Agrokunstoff. Die biologische Abbaubarkeit klingt besser als sie eigentlich ist, denn die meisten Agrokunststoffe bauen sich nur in industriellen Anlagen unter hohem Druck und Temperatur ab – kaum praktikabel im Alltag. Ausserdem müssen die Rohstoffe auf Ackerflächen angebaut werden und sind in erster Linie Lebensmittel. Lebensmittel als Verpackungsmaterial einzusetzen darf angesichts noch immer anhaltender Hungersnöte in vielen Teilen der Erde getrost als zynisch bezeichnet werden.

Tattoos mittels Lichtstrahl: ein Lichtblick?

 

Eine interessante Möglichkeit bietet das sogenannte „natürliche Labeling“ durch Licht, das zum Beispiel von Nature & More, dem Verbraucher-, Marken- und Online-Transparenzsystem von Eosta, angeboten wird. Dabei entfernt ein Lichtstrahl die Pigmente der Frucht- oder Gemüseschale. Die Stellen werden erhitzt, sodass die Farbpigmente verdampfen und eine Kennzeichnung nach Wahl zurückbleibt. Das Produkt bleibt dabei unbeschädigt, da keine Zusatzstoffe oder Chemikalien eingesetzt werden. Die Methode soll sich für viele Gemüse- und Fruchtsorten eignen und die EU hat sie 2013 genehmigt.

 

Das klingt nach einem durchaus spannenden Ansatz. Es stellt sich aber natürlich die Frage, ob und wie er in der Praxis angewandt werden kann. Dies werden wir im Zuge der weiteren Recherche aufarbeiten und hier darüber berichten. In der Zwischenzeit sammeln wir Unterschriften gegen die Plastikverpackungen bei Bioprodukten, um den Verantwortlichen zu verdeutlichen, dass der Status Quo nicht nur bei uns sondern auch in der breiten Öffentlichkeit auf Unverständnis trifft. Seit der Lancierung der Petition vor 72 Stunden sind bereits über 3‘500 Unterschriften zusammengekommen – wir bleiben dran!