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In Griechenland geht es zurzeit wahrlich drunter und drüber. Doch in einer kleinen Hafenstadt fernab vom politischen Tumult Athens nimmt das Leben noch seinen alltäglichen Lauf. Die Rede ist von Galaxidi, einer 2000-Seelen-Oase an der Nordküste des Golfs von Korinth, der das griechische Festland von der Halbinsel Peloponnes separiert. Die Einwohner hier führen ein einfaches Leben – und begegnen einem mit viel Herz und Gastfreundlichkeit.

In diesem Idyll findet man zwei ganz besondere Menschen. Silvia Bonizzoni und Giovanni Bearzi sind Meeresbiologen, die ihr Leben der Erforschung von Delphinen widmen. Seit gut 15 Jahren arbeiten sie in Griechenland und seit 6 Jahren im Golf von Korinth. In Zusammenarbeit mit OceanCare empfangen sie in den heissen Sommermonaten Gäste, die für eine Woche an den spannenden Forschungsprojekten teilnehmen dürfen – ein Genuss, in den auch ich letzte Woche kommen durfte.

Der typische Tagesablauf einer solchen Projektwoche sieht folgendermassen aus: kaum hat sich die Sonne am Horizont erhoben, und so es der Seegang erlaubt, sticht Captain Silvias Schlauchmotorboot in See. Dann heisst es Ausschau halten nach allem, was auf Meeresbewohner hindeuten könnte. Nebst Delphinen trifft man auch auf Thun- und Schwertfische, Meeresschildkröten, Robben oder sogar Mantarochen. Sobald eine Gruppe Delphine auftaucht, wird diese genau beobachtet, photographisch festgehalten, sowie bezüglich Gruppengrösse, sozialer Struktur und Verhaltensweisen protokolliert. Zurück an Land, bringen Silvia und Giovanni den Teilnehmern am späteren Nachmittag mit Vorträgen ihre Forschungsarbeit und die Entwicklungen im Delphinschutz näher.

Delphinsichtung

Delphinsichtung

Soviel zum wissenschaftlichen Aspekt. Was beindruckt, sind natürlich auch die unvergesslichen Begegnungen mit diesen faszinierenden Meeressäugern, die sich neugierig bis auf wenige Zentimeter dem Boot annähern, um in den Bugwellen zu reiten, und einem das Gefühl vermitteln, dass sie mit uns Kontakt aufnehmen wollen. Das Erlebnis, auf ruhiger See inmitten einer Gruppe von über 100 Streifendelphinen zu treiben, ist nur schwer in Worte zu fassen. Solche Ereignisse lässt man sich abends gerne nochmals durch den Kopf gehen, während bei einem gemütlichen Glas Wein am Hafen die Sonne über den mediterranen Hügeln untergeht.

Silvia, Giovanni, und ihre zwei Assistentinnen, teilen ihren reich Erfahrungsschatz im Bereich der Delphinforschung auf spannende Art und Weise. Im Golf von Korinth gelten sie als Pioniere und können, laut Giovanni, positive Entwicklungen beobachten: „Hier ist unter anderem eine lokale Population von Streifendelphinen mit rund 1‘500 Individuen ansässig, deren Zahl sich seit Beginn unserer Forschung stabil gehalten hat. Dies liegt vor allem daran, dass sich Streifendelphine von Tintenfischen ernähren, welche für den kommerziellen Fischfang wenig interessant sind.“ Doch auch in dieser Gegend sind Probleme vorhanden. Die industrielle Fischerei hat die Fischbestände im Golf in den letzten 30 Jahren drastisch reduziert. „Das können uns die einfachen, lokalen Fischer am besten darlegen: Früher gab es reichhaltig Fisch für alle. Mittlerweile haben grosse Fischereiunternehmen den Golf fast leergefischt und Menschen wie Meeresbewohnern beinahe ihre Lebensgrundlage geraubt. Wenn beispielsweise ein Gewöhnlicher Delphin das Netz eines Fischers durchkaut, um sich einen raren Fisch zu ergattern, nimmt dieser das dem Säuger kaum übel. Das wahre Problem ist die industrielle Überfischung, da sind wir uns alle einig.“

Mit ihrem wissenschaftlichen Engagement treiben Silvia und Giovanni den Delphinschutz in Zusammenarbeit mit OceanCare unermüdlich voran. „Gerade den Streifendelphinen geht es hier vergleichsweise gut“, so Giovanni. „Darum ist es umso wichtiger, Schutzmassnahmen jetzt zu ergreifen, um diesen Zustand zu wahren. Und nicht erst damit zu beginnen, wenn es zu spät ist.“

Abgereist von Griechenland bin ich mit einem Rucksack voller faszinierender Eindrücke, spannendem neuen Wissen und unvergesslichen Erinnerungen. Als Mitarbeiter von OceanCare hat mir das geholfen, eine Brücke zwischen Meeresforschung und Artenschutz zu schlagen. Die

Galaxidi

Galaxidi

Begegnungen mit den Delphinen haben mir deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, das Leben derjenigen Bewohner unseres Planeten zu schützen, die nicht für sich selbst einstehen können.

Roman Bolli absolviert bei OceanCare derzeit ein Praktikum und hat einen Videobeitrag mit Impressionen zur Forschungsreise erstellt.