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Während der Ferienzeit herrscht in Delphinarien im In- und Ausland Hochbetrieb. Wer aber weiss, was sich hinter den Kulissen abspielt, wird kaum mehr die Kunststücke sehen oder zu den Tieren ins Wasser steigen wollen. OceanCare bringt die Schattenseiten des Delphinarien-Booms ans Licht: Hunderte wilde Delphine werden für Vergnügungsparks jedes Jahr brutal im Meer gefangen. Fang und Gefangenschaft sind für die Tiere eine Tortur. Auch in der Schweiz haben die Delphine ein schweres Los.

Der Fang wilder Delphine ist ein lukratives Geschäft. Delphinarien schiessen an Feriendestinationen weltweit wie Pilze aus dem Boden. Der Bedarf an Tieren ist hoch. Aus Nachzucht kann er nicht gedeckt werden, denn in Gefangenschaft sterben viele Delphine kurz nach der Geburt. Also müssen Wildfänge her. Mit äusserster Brutalität werden Delphine im offenen Meer gefangen. Es sind Aktionen, welche mitunter ganze Delphinpopulationen gefährden.

Gefangene Delphine verlieren alles

Delphine gehören zu den wandernden Tierarten. Ein Lebensraum von der Grösse und Komplexität des Ozeans kann an Land nicht nachgebildet werden. Jedes Becken ist für Delphine zu klein, zu wenig tief, zu kahl und zu reizlos. Die Tiere verlieren alles: Ihre Bewegungsfreiheit, ihre Familie, die Weite des Ozeans und ihr natürliches Verhalten. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Delphine in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können.

In Delphinarien sterben Delphine im Schnitt wesentlich früher als wild lebende Artgenossen. Der Dauerstress setzt ihnen zu: Sie leben zusammengepfercht in willkürlich zusammengestellten sozialen Gruppen, müssen ständig die Präsenz von Menschen ertragen und leiden unter dem chemisch aufbereiteten Wasser. “Delphine sind nicht dazu geschaffen, in öden Becken endlose Kreise zu schwimmen und Menschen zu unterhalten. Sie brauchen das komplexe Leben im Ozean“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. «Flippers» vermeintliches Lächeln täuscht viele Besucher über die Qualen hinweg. Doch Delphine  «lächeln»  auch wenn sie leiden oder tot sind – ihre Gesichtsmuskeln sind starr.

Strafanzeige gegen Schweizer Delphinarium

In der Schweiz gibt es nur noch ein Delphinarium im thurgauischen Connyland. Dessen Tierhaltung steht immer wieder in der Kritik. 2010 erstatteten OceanCare und die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) Strafanzeige gegen die Betreiber des Freizeitparks wegen gravierender Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Doch die Mühlen der Justiz mahlen langsam: Die Strafanzeige ist bis dato hängig. Derweil starb Ende Mai ein weiterer Delphin im Connyland. Traurige Bilanz: In nur drei Jahren sind im Kanton Thurgau 3 erwachsene Delphine und 3 Jungtiere verendet.

60 Delphinarien gibt es heute noch in Europa. Länder wie Spanien oder die Türkei lassen den Bau weiterer solcher Anlagen zu. England und Luxemburg hingegen haben die Gefangenhaltung von Delphinen aus Tierschutzgründen verboten. OceanCare setzt sich dafür ein, dass die Schweiz diesem Beispiel folgt.

Jeder Eintritt hält die Industrie in Gang

OceanCare rät dringend vom Besuch von Delphinarien im In- und Ausland ab. Auf dem Buckel der Delphine verdienen Vertreter der Delphinarien-Industrie weltweit Milliardenbeträge. Jedes verkaufte Eintrittsticket verlängert das Leiden der Meeressäuger. Sigrid Lüber ist überzeugt: „Wer Delphine wirklich mag, wird Delphinarien nicht unterstützen. Wir empfehlen Wale und Delphine dort zu beobachten, wo sie hingehören: Auf dem Meer, im Rahmen verantwortlich geführter Whale Watching-Touren.”

Botschaft von Dr. Jane Goodall zur Gefangenhaltung von Delphinen