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Vom 1. – 5. Februar 2021 fand die 34igste Konferenz der UNO-Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) Fischereikommission (COFI) statt um sich der Zukunft der schnell wachsenden Fischereiindustrie zu widmen und diese möglichst nachhaltig zu gestalten. Aufgrund der globalen Pandemie, wurden die Verhandlungen virtuell ausgetragen. Über 500 Teilnehmer nahmen an der Konferenz teil, darunter Vertreter von Regierungen, zwischenstaatlichen Organisationen und Nichtregierungsorganisation. Für die 2003 von OceanCare mitbegründete International Ocean Noise Coalition waren Sigrid Lüber, Fabienne McLellan, Johannes Müller und Kerstin Glaus im Einsatz und verfolgten mit grosser Spannung die Verhandlungen zum Traktandum ‘Unterwasserlärm’ und seine Auswirkung auf die Fischerei (Traktandum 11). Von besonderem Interesse war auch die Entwicklung von globalen und regionalen Prozessen in Bezug auf die Fischerei und Aquakultur (Traktandum 10). Während der Konferenz war klar erkennbar, dass Unterwasserlärm fest in der Agenda von FAO verankert ist. Besorgnis hingegen bereitete die fehlende Redezeit für Beobachter, was eine echte Partizipation durch die Zivilbevölkerung verunmöglichte. Eine ungute Tendenz in der virtuellen Diplomatie.

Bei Traktandum 10 war es uns wichtig darauf hinzuweisen, dass Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs) ein wichtiges Instrument sind, um die Auswirkungen von grenzüberschreitenden Formen der Verschmutzung – wie z.B. Unterwasserlärm auf die Fischerei zu mildern oder gänzlich zu verhindern.  Die Notwendigkeit von UVPs ist in diversen internationalen Gremien anerkannt, insbesondere in den Richtlinien der CMS-Familie zur Umweltverträglichkeitsprüfung für lärmerzeugende Aktivitäten im Meer und in der jüngsten UNGA Oceans Resolution 75/239, welche die Mitgliedstaaten ermutigt, Umweltverträglichkeitsprüfungen für geplante Aktivitäten durchzuführen, die eine erhebliche Verschmutzung oder signifikante und schädliche Veränderungen der Meeresumwelt verursachen können.

Aufgrund der Rederestriktion für Beobachter konnten wir die COFI Mitgliedstaaten nur in einer schriftlichen Intervention dazu auffordern, Managementmassnahmen wie beispielsweise UVPs umzusetzen und die Anstrengungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt auf hoher See zu verstärken.

Immerhin haben die COFI Mitgliedstaaten der FAO empfohlen, an der vierten und letzten Konferenz für das rechtlich bindende Abkommen für den Schutz der Hochsee (BBNJ) teilzunehmen und zumindest technisch zu beraten wie existierende Fischereiinstrumente im BBNJ Abkommen implementiert werden könnten.

Hier ein Auszug aus dem COFI-34 Abschlussbericht:

  1. Commended the regular participation of FAO in the process of deliberation on an

instrument on the conservation and sustainable use of biodiversity beyond areas of national

jurisdiction (BBNJ) and noted that the outcome of the negotiations of this instrument may

have implications for the implementation of fisheries instruments and the role of fisheries

institutions. The Committee, therefore, requested FAO, within its mandate, to continue

providing technical advice and relevant information, including on the objectives and

implementation of existing fisheries instruments, noting that this process and its result should

not undermine existing relevant legal instruments and frameworks, as well as relevant globa

Am 33igsten Meeting der FAO Fischereikommission empfahlen die Mitgliedstaaten – allen voran die Schweiz – eine sozio-ökonomische Studie zu den Auswirkungen des Unterwasserlärms auf die Fischressourcen und Fischerei.

Mittlerweile arbeiteten die Fischereikommission für das Mittelmeer (GFCM) und OceanCare gemeinsam und mit der Unterstützung der Schweiz an einer Fallstudie, welche die Situation in einer für die Fischerei gesperrten Zone (Fishing Restricted Area) in der Adria untersucht. Obschon wir vorab beim COFI Sekretariat um Redezeit gebeten hatten, um die Kommission über diese Entwicklung zu informieren, erhielten wir auch hier aufgrund des Verzugs bei den Traktanden keine Redezeit. Erfreulicherweise hat die Schweiz das Wort ergriffen und über die Studie informiert und auch in Aussicht gestellt, dass so eine Untersuchung in anderen Regionalen Fischerei Management Organisationen repliziert werden kann. Wir hätten allerdings doch noch gerne das Wort ergriffen, nicht nur, um die Delegation an die schädlichen Auswirkungen von Unterwasserlärm auf die Fischerei zu erinnern, einschliesslich des Rückgangs der Fischbestände, sondern auch, um der Schweiz nochmals für die finanzielle Unterstützung unseren Dank auszusprechen und der GFCM für eine großartige Zusammenarbeit zu danken. In Folge reichten wir unsere Intervention schriftlich ein:

Die Problematik des Unterwasserlärms wurde mehrfach angesprochen und auch mit folgendem Abschnitt in den COFI 34 Bericht aufgenommen. Unterwasserlärm ist somit fest in der Agenda dieses Forums verankert.

Auszug aus dem COFI34 Bericht:

  1. Recognized the increased science-based knowledge on underwater anthropogenic noise and encouraged FAO to assess its possible impacts, including its socio-economic consequences, on marine resources in collaboration with relevant international organizations such as IMO.

Die Grenzen der E-Diplomatie zeigten sich ziemlich rasch bei dieser Konferenz. Schon nach nur einem Tag waren wir hoffnungslos in Verzug mit den Traktanden und konnten trotz mehreren Abendmeetings, die teilweise bis 22 Uhr andauerten, die verlorene Zeit nicht mehr aufholen. Dies hatte zur Folge, dass die Redezeit der Beobachter zuerst von 3 auf 1 Minute gekürzt wurde. Nur einen Tag später kamen NGOs sogar gar nicht mehr zu Wort. Gemeinsam mit anderen Organisationen wie WWF, Oceana, Pew u.a.m. haben wir diese Entwicklung kritisch hinterfragt und einem gemeinsamen Statement adressiert. Bereits Anfang Dezember fragten wir uns in unserem BlogVirtuelle Diplomatie- die neuen Grenzen der digitalen Welt’ was für Auswirkungen die Pandemie auf die Diplomatie haben wird. Wir hoffen, dass die Einschränkung der Redezeit der Zivilbevölkerung nicht ein Kollateralschaden der E-Diplomatie wird.

Wir freuen uns auf eine Zeit, wo Konferenzen bei denen persönliche Kontakte mit Vertretern der Regierungen wieder möglich sind. Hoffentlich ist dies bald wieder der Fall.