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Beitrag von Nicolas Entrup, Campaigner von OceanCare

Shifting VAlues „Kroatien! Seid ihr genauso enttäuschend wie viele andere europäische Staaten oder werdet ihr eine Vorreiterrolle bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips übernehmen?“ Der Run auf Öl im Mittelmeer wird es zeigen. Zunächst aber zu einigen Hintergrund-informationen über diese Materie.

Die Bedrohung der Meeresumwelt durch Unterwasserlärm ist zwar ein komplexes Thema, aber kein „neues“ Thema mehr. In der öffentlichen Diskussion wird Unterwasserlärm vielleicht vorwiegend mit dem gewaltigen Schall assoziiert, der durch militärische Aktivitäten verursacht wird, insbesondere durch die Suche nach U-Booten mittels tief- und mittelfrequenter aktiver Sonare. Aber die besorgniserregenden Aktivitäten der Ölindustrie rücken zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Seismische Explorationen dienen der Suche nach Öl- und Gasvorkommen im Meeresboden. Dabei werden mit so genannten „Airguns“ (Druckluftkanonen) alle paar Sekunden intensive Schallwellen zum Meeresboden geschickt, mitunter über Zeiträume von mehreren Wochen. Mit Hydrophonen wird das Echo abgehört und ausgewertet. Die Intensität des Lärms beträgt dabei bis zu 240 Dezibel. Das entspricht einer startenden Weltraumrakete. Ein Experte des Natural Resources Defense Council (NRDC) beschreibt diese Situation als „Meeressäuger inmitten eines Kriegsgebietes“.

Sicherlich, Airguns werden in allen Weltmeeren eingesetzt (schrecklicher Gedanke). Aber seit der Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe setzt sich die Öffentlichkeit deutlich kritischer damit auseinander, wo Ölkonzerne nach neuen Quellen suchen und welche Gefahren für die Meereslebewesen, insbesondere die Meeressäugetiere, vom Unterwasserlärm ausgehen.

Damals waren es vor allem europäische Politiker, die ein Moratorium für Tiefseebohrungen und strikte Bestimmungen für die Ölindustrie anregten. Heute hingegen gibt es zwar kein Land bzw. keine Region, die als leuchtendes Beispiel für die Anwendung des Vorsorgeprinzips und für strikte Regeln für die Ölindustrie gelobt werden könnte, aber Europa bemüht sich offenbar, die Liste der Negativbeispiele anzuführen!

Als sich die australische Ölindustrie um seismische Explorationen in der empfindlichen Meeresregion um Kangaroo Island bemühte, konnte die Bevölkerung mit Unterstützung von Experten der NGO Wild Migration die Regierung dazu bewegen, einen transparenten Prozess einzuleiten, den die Ölindustrie durchlaufen muss, um eine Bewilligung zu erhalten. Das mag Ihnen „logisch“ oder „selbstverständlich“ erscheinen, aber im Zusammenhang mit derart mächtigen Industriezweigen ist es das nicht.

Kürzlich war ein weiterer Erfolg zu vermelden, diesmal in den USA, wo eine NGO-Koalition unter Beteiligung von NRDC eine gerichtliche Schlichtung erreichte, die deutliche Einschränkungen für seismische Aktivitäten bringen wird, darunter den Ausschluss seismischer Explorationen von geschützten Küstengebieten, saisonale Ausschlussgebiete in besonders bedeutenden Lebensräumen bestimmter Tierarten etc.

Kroatien_Lärmhölle_UnterwasserlärmVor diesem Hintergrund erfahren wir, dass Kroatiens Regierung ein norwegisches Unternehmen damit beauftragte, in der kroatischen Adria großflächige seismische Explorationen nach Öl und Gas durchzuführen. Zu diesen Gewässern gehören auch geschützte Gebiete und essentielle Lebensräume bedrohter und geschützter Arten. Das ist den Behörden natürlich wohlbekannt, aber sie gaben bisher keine Informationen heraus, ob angemessene Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt und strikte Regelungen – wie Ausschlusszonen und die Anwendung der besten verfügbaren Technologien – umgesetzt werden, um die möglichen schädlichen Folgen der Untersuchungen zu vermindern. In einer vergleichbaren Situation ignorierte die griechische Regierung sämtliche mahnenden Stimmen, als sie seismische Explorationen im Hellenischen Graben bewilligte. Diese Vorgangsweise stellte meiner Ansicht nach eine Verletzung europäischen Rechts dar. Nun könnte man hoffen, dass Kroatien, das neue 28. Mitglied der Europäischen Union, in einer ähnlichen Situation eine andere Herangehensweise wählt. Leider gibt es hier keinen Anlass für Optimismus, aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

Wenn auch Sie über die geplanten seismischen Aktivitäten in kroatischen Gewässern besorgt sind, werden Sie bitte Teil der Kampagne Silent Oceans. www.silentoceans.org