Zürich/Wien/Berlin, 30. Mai 2022 Der aktuelle wissenschaftliche Artikel im Fachmagazin „frontiers in Marine Science“ stellt die Ergebnisse des dreijährigen, erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekts Save Whales von OceanCare dar.  Das System lokalisiert mit solarbetriebenen High-Tech-Bojen, die mit Unterwasser-Mikrophonen ausgerüstet sind, Pottwale über ihre Klicklaute – und leitet ihren Aufenthaltsort in Echtzeit an den Schiffsverkehr.  Dieses System der Positionsmerkmale ist weltweit das Erste dieser Art für Pottwale. Es ist ein Meilenstein im Walschutz und ergänzt weitere Maßnahmen zum Schutz der letzten Pottwalpopulation im Mittelmeer.

  • Save Whales weltweit erstes System zur integrierten Lokalisierung von Pottwalen
  • Solarbetriebene High-Tech-Bojen lokalisieren Wale über Klicklaute
  • Echtzeitübermittlung an den Schiffsverkehr kann Kollisionen mit Walen verhindern
  • Frontiers: Aktueller Artikel veröffentlicht Ergebnisse des wissenschaftlichen Pilotprojekts

Artikel A real-time acoustic observatory for sperm-whale localization in the Eastern Mediterranean Sea

Alexandros Frantzis, wissenschaftlicher Leiter Pelagos Cetacean Research Institute: „Wir wissen jetzt, dass die Rettung der Pottwale dank dieser bahnbrechenden Technologie machbar ist. Jetzt ist es an den griechischen und europäischen Behörden, das System lokal, regional und darüber hinaus einsetzen. Das Ziel muss sein, Pottwalen ein sicheres Leben und Überleben zu ermöglichen.”Nicolas Entrup, Direktor Internationale Beziehungen OceanCare: “Das System Save Whales   ist das fehlende Glied für einen wirksamen Schutz der Pottwale vor Schiffskollisionen – besonders dort, wo eine Umleitung der Schifffahrtsroute nicht möglich ist. Die Schifffahrt sollte ohnehin langsamer werden. Aber wenn Schiffskapitäne auf die Anwesenheit von Pottwalen hingewiesen werden, können sie nun das Risiko eines Zusammenstoßes mit einem Wal auf das absolute Minimum reduzieren.“

Pilotprojekt Save Whales  – Die Ausgangslage

Höchstens 200 -300 Pottwale leben heute noch im östlichen Mittelmeer. Alarmierende Hinweise des von OceanCare unterstützen Pelagos Cetacean Reserach Institutes lassen befürchten, dass sich die Population in den vergangenen 10-15 Jahren bereits auf 110-150 Tier halbiert hat. Die größte Gefahr für die bedrohten Tiere sind die rund 30.000 Frachtschiffe, die ihren Lebensraum jedes Jahr in hohem Tempo durchqueren.  Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) gelten Pottwale im Mittelmeer als „stark gefährdet“. Doch Griechenland ist laut internationaler und regionaler Abkommen verpflichtet, Pottwale als Art zu schützen. Dies gilt auch für Ihren Lebensraum, den Hellenischen Graben. Da Schiffskollisionen die größte Gefahr für Pottwale darstellen, verfolgt OceanCare drei entscheidende Maßnahmen zum Schutz der Tiere: Umfahren des Gebiets, Tempodrosselung der Schiffe – und dort, wo eine Umfahrung nicht möglich ist, schließt das System Save Whales  die Lücke. Ziel ist, das Aussterben der Pottwale im östlichen Mittelmeer zu verhindern.

Meilenstein Save Whales   – HighTech zum Schutz der letzten Pottwale im Mittelmeer

Save Whales ist ein Meilenstein, um den Pottwalen im Mittelmeer eine Zukunft zu sichern. Das System setzt solarbetriebene High-Tech-Bojen ein. Sie sind mit Unterwasser-Mikrophonen ausgerüstet, die die Klicklaute der Pottwale aufnehmen, mittels Rechenmodell genau zuordnen und in Echtzeit an den Schiffsverkehr weiterleiten.  Die Daten werden dann per speziell entwickelter Software mit den Informationen von Marine Traffic abgeglichen, dem führenden Anbieter für die Überwachung von Schiffsbewegungen. Befindet sich ein Schiff auf Kollisionskurs mit einem Wal, könnte dessen Kapitän per über einen speziellen Funkkanal frühzeitig gewarnt werden. So kann er das Tempo drosseln oder den Kurs rechtzeitig ändern, um dem Wal auszuweichen. Die Genauigkeit, mit der Save Whales  Pottwale lokalisiert, ist weltweit einzigartig.

Save Whales Pilotprojekt – Ergebnisse und Herausforderungen

Das Pilotprojekt Save Whales dauerte insgesamt drei Jahre lang von 2019 – 2021. Das eigens entwickelte und nun erfolgreich getestete System besteht aus drei akustischen Stationen im Abstand von 1 bis 2 km mit Mikrophonen, die an Oberflächenbojen in etwa 100 m Tiefe aufgehängt sind. Über ein mobiles Breitbandnetz wurden die Daten an ein Analysezentrum an Land gesendet. Die Kombination der Daten dreier akustisches Stationen ermöglicht die Erkennung und 3D-Lokalisierung vokalisierender Pottwale. Mehr noch: werden die Daten der Echtzeit-Lokalisierung der Pottwale mit denen des Schiffverkehrs abgeglichen, können Schiffe mit hohem Kollisionsrisiko identifiziert und benachrichtigt werden. Während der gesamten Einsatzsaison 2020 und 2021 wurden an insgesamt 46 Tagen Pottwale nachgewiesen. Dazu waren die Bojen jedes Jahr 3 Monate im Meer im Einsatz Das System erwies sich als effektiv und erfolgreich, es gab nur geringe Lokalisierungsunsicherheiten bei Entfernungen von bis zu 7 km. Der Artikel bespricht auch, wie die Forscher Herausforderungen rauer See- und Wetterbedingungen begegneten oder weshalb die Neukonzeption des Verankerungssystems erforderlich ist. Er erörtert außerdem die Notwendigkeit weiterentwickelter Lösungen für den Energieverbrauch und die Speicherkapazität, um den Betrieb bei begrenzter Sonnenenergie auch im Winter oder in anderen Breitengraden zu ermöglichen. In Griechenland empfiehlt sich insbesondere der Einsatz zwischen Kythira und Cap Tainaron. Das Know-how kann aber auch in anderen Regionen zum Einsatz kommen, z.B. auf den Balearen.

Hintergrund – Schiffskollisionen größte Gefahr für Pottwale

Mehr als die Hälfte der Pottwale, die tot an griechische Küsten gespült werden, sind Opfer von Zusammenstößen mit Schiffen. Schiffskollisionen sind die größte Bedrohung und Todesursache für Pottwale im östlichen Mittelmeer. Die meisten Zusammenstöße enden tödlich, manche Tiere tragen große Narben durch Schiffspropeller davon. Der Hellenische Graben, der sich vom Ionischen Meer bis südlich von Kreta und zum Meer von Rhodos erstreckt, ist ein Kernlebensraum für Pottwale. Das Gebiet ist als wichtiges Meeressäugetiergebiet (IMMA) für Pottwale auf globaler Ebene ausgewiesen. Jedoch ist dieses Gebiet auch eine der weltweit am dichtesten befahrenen Seestraßen. Die Verlegung von Schifffahrtsrouten außerhalb des Pottwal-Lebensraums ist die wichtigste Einzelmaßnahme zur Vermeidung von Schiffskollisionen, ebenso wie eine Tempodrosselung der Schiffe. Save Whales wurde für Gebiete entwickelt, wo ein Vermeiden des Querens von Pottwalgebieten möglich ist.

Werden keine Maßnahmen ergriffen, stirbt die letzte Population von Pottwalen im Mittelmeer durch weitere Schiffskollisionen aus. Nun liegt der Fokus darauf, die griechischen Behörden vom Einsatz des Systems zu überzeugen – wie auch die anderer Staaten, in denen Pottwale ähnlichen Risiken ausgesetzt sind,“ so Nicolas Entrup, Direktor Internationale Beziehungen OceanCare. Emmanuel Skarsoulis, Institute of Applied and Computational Mathematics, Foundation for Research and Technology: “Die Entwicklung, der Einsatz und der Betrieb eines akustischen Erkennungs- und Lokalisierungssystems waren ein äußerst anspruchsvolles Unterfangen, das wir mit Begeisterung und Sorgfalt durchgeführt haben. Ich hoffe, der Erfolg des Save Whales -Projekts ebnet den Weg für den Einsatz von Unterwasserakustik zum Schutz der Pottwale wie auch zum Wohle der Umwelt überhaupt.

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Weiterführende Informationen

  • Artikel A real-time acoustic observatory for sperm-whale localization in the Eastern Mediterranean Sea
  • Die Abkürzung “Save Whales” steht für „System for the Avoidance of ship-strikes with Endangered Whales”. Das Projekt wurde von OceanCare unterstützt und finanziert. Durchgeführt haben es Experten des Instituts für Angewandte und Computermathematik, der Stiftung für Forschung und Technologie – Hellas / Griechenland, des Pelagos Cetacean Research Institute, Griechenland, Marine Traffic, Green2Sustain und der Universität der Algarve / Portugal.
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