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OceanCare begrüßt die Entscheidung und fordert die griechische Regierung auf, diesem Beispiel zu folgen und keine Ölsuche im Hellenischen Graben zuzulassen.

Zürich, Madrid, 4. November 2019: Zwei Ansuchen, im Walmigrationskorridor zwischen dem spanischen Festland und den Balearen nach Öl und Gas zu suchen, wurden zu den Akten gelegt. Der Korridor war von der spanischen Regierung im Juni 2018 zum Meeresschutzgebiet erklärt worden. OceanCare begrüßt die Entscheidung, die mit den Arten- und Klimaschutzzielen im Einklang steht, und hofft, dass andere Mittelmeerstaaten diesem Beispiel folgen.

Das Ende der beiden Sektoren „Nordost 1“ und „Nordost 8“ für die Öl- und Gassuche wurde vom Umweltministerium am 30.10. im spanischen Amtsblatt veröffentlicht. Diese Neuigkeit kommt gerade rechtzeitig vor dem Beginn der 7. Vertragsstaatenkonferenz des Mittelmeer-Walschutzabkommens (ACCOBAMS), die von 5. bis 8. November 2019 in Istanbul stattfinden wird.

Diese Entwicklung befeuert die Hoffnungen von OceanCare, WWF Griechenland und anderen, die Aktivitäten der Erdölindustrie in einem weiteren essentiellen Wallebensraum stoppen zu können – im Hellenischen Graben vor Griechenland. Dieser Unterwassercanyon erstreckt sich von den Ionischen Inseln bis vor die Südküste Kretas. Es ist der wichtigste Lebensraum für die stark gefährdeten Pottwale des östlichen Mittelmeers. Aufgrund seiner Bedeutung für verschiedene Wal- und Delfinarten wurde das Gebiet von Wissenschaftlern als Important Marine Mammal Area (IMMA) ausgewiesen. Daher sollte es unter wirksamen Schutz gestellt werden, was die Suche nach Erdöllagerstätten ausschließt.

„Wenn wir die letzten 200 Pottwale des östlichen Mittelmeers schützen wollen, die vor allem in den Gewässern des Hellenischen Grabens leben, müssen die griechischen Behörden es Spanien gleichtun“, betont Nicolas Entrup, Ocean-Policy-Experte und Co-Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare.

Im Jahr 2011 beantragte Capricorn Spain Ltd., die spanische Tochter des schottischen Ölkonzerns Cairn Energy, Lizenzen für die Ölsuche in zwölf Sektoren („Nordost 1“ bis „Nordost 12“) im südlichen Golfo de León. Diese Region ist ein Teil eines bedeutenden Migrationskorridors zwischen dem spanischen Festland und den Balearen. Zu dieser Zeit hatte der Korridor keinen Schutzstatus, obwohl eine wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag der spanischen Regierung bereits 2004 gezeigt hatte, dass das Gebiet zu einer Specially Protected Area of Mediterranean Importance (SPAMI) erklärt werden sollte.

Dank der Unterstützung von dutzenden international anerkannten Meereswissenschaftlern, spanischen und internationalen NGOs sowie öffentlichen Institutionen in Spanien, wurde der Korridor schließlich im Juni 2018 zum Meeresschutzgebiet erklärt. Bewilligungen für die seismische Suche oder für die Förderung von Erdöl und Erdgas in diesem wertvollen Naturraum wären mit dem Schutzstatus des spanischen Walmigrationskorridors unvereinbar.

Dementsprechend wurden in einem ersten Schritt sechs der zwölf „Nordost“-Ölexplorationsprojekte im Oktober 2018 zu den Akten gelegt. Jetzt erfolgte dies bei zwei weiteren Projekten. „Wir wissen, dass sich die spanische Regierung der Klimakrise völlig bewusst ist, und erwarten daher von ihr, die vier verbliebenen Projektanträge ebenfalls zu stornieren“, sagt Carlos Bravo, Leiter der spanischen Umwelt-NGO Salvia Team und OceanCare-Konsulent. „Wenn wir dem Klimanotstand wirksam begegnen wollen, können wir nicht gleichzeitig Projekte zur Ölsuche und -förderung im Mittelmeer weiterverfolgen“, betont Bravo.

Rückfragehinweis:

  • Carlos Bravo, Salvia Team und OceanCare-Konsulent. T: +34 626  998 241, E-mail: bravo@salvia-edm.eu
  • Nicolas Entrup, Ocean-Policy-Experte und Co-Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, T: +43 660 211 9963, E-Mail: nentrup@oceancare.org

Weiterführende Informationen:

Karte des betroffenen Gebietes: