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Vera_Buergi_OceanCareVon der Inspiration über die Vision zur Aktion. Von Teneriffa in die Welt.

von Vera Bürgi*

Wenn hundert Menschen aus 15 Ländern fünf Tage lang einander unter dem Motto «Dolphinity» begegnen, entfalten Visionen inspirierte Lebendigkeit. Vom 24. bis 28. Juni fanden sich Wissenschaftler, Künstler, Umweltexperten und Tierschützer zum ersten Dolphinity World Festival in Los Gigantes/Teneriffa ein, ein Heer von Experten, deren Projekte auf unterschiedlichste Weise das Bewusstsein schärfen und Wege in eine neue Welt aufzeigen.

2015-06-23 16 15 42OceanCare war von den Organisatoren Nicole und Alexander Gratovsky als eine der führenden Meeresschutzorganisationen zum Festival eingeladen worden und machte mit der Schwerpunkt-Kampagne «Silent Oceans» auf ein Problem aufmerksam, das gerade auch in den noch sehr lebendigen Gewässern um Teneriffa virulent ist: Rund um die Kanarischen Inseln wächst der Unterwasser-Lärm kontinuierlich und unterdrückt zunehmend die lebenswichtigen Klänge und Laute der Meeresbewohner. Gemeinsam mit der Allianz Save Canarias will OceanCare aktuell der begehrlichen Gier der Öl- und Gasindustrie ein Riegel schieben, um die Meerestiere vor den tödlichen Auswirkungen der Luftdruckkanonen und Fördertürme zu verschonen.

Die Ozeane sind die grossen Klangräume unseres Planeten – diese Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch ein Programm, dessen reichhaltige Vielfalt am Beispiel der genannten Künstler und Wissenschaftler nur annähernd deutlich wird.

2015-06-24 11 39 01-12015-06-26 10 36 19Der französische Musiker Bernard Abeille beschwor mit seinen famosen Walgesängen aus dem Kontrabass die unendliche Weite, David Rothenberg setzte mit der Klarinette Akzente, Yukimi Yamamoto-Heuzey rief mit ihrem Gesang die Delphine und Wale zum Schiff der Menschen, an Land setzten die Trommelbeats von Bloko de Valle die irdischen Akzente – sie liessen die Erde vibrieren.

Es war auch ein Festival von Achtsamkeit und Einheit, das vor allem eines deutlich machte: es gibt kein Leben für den Menschen ohne das Leben im Ozean – das eine bedingt das andere. Wie aber lässt sich der Riss zwischen dem Menschen und dem Leben heilen, das ihn umgibt? Giacomo Rizzolati, Entdecker der Spiegelneuronen, erläuterte, weshalb der Mensch ein grundsätzlich empathisches Wesen hat. Bonnie Wyper aus New York rief im Namen der Organisation «Thinking Animals» ihrem Publikum die Erkenntnis ins Bewusstsein, dass Tiere ein Bewusstsein haben. Madeleine Walker schliesslich zeigte glaubhaft auf, dass die Kommunikation zwischen Mensch und Tier auf einer höchst sensitiven Ebene tatsächlich möglich ist. Und die örtliche Organisation «La Libelula» zeigte auf, wie die Permakultur eine karge Landschaft in ein grünes Wunder verwandeln kann.

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Es ist allen klar geworden: Das Festival der Freude auf Teneriffa muss zum Fest der Taten auf dem Planeten werden. Die Begegnungen waren reich und inspirierend. Es ist ein Dolphinity-Netzwerk entstanden, das OceanCare interessante Chancen für neue Kooperationen eröffnet. Bereits hat Oriana Kalama, Gründerin der rasch wachsenden Online-Community «Ocean Defender» zugesagt, die Silent Oceans-Kampagne zu unterstützen. Mit derzeit fast 400‘000 Followern kann sie wesentlich zum Erfolg unserer Protestaktionen beitragen.

2015-06-22 20 57 36Dolphinity hat einmal mehr, aber klar wie selten zuvor deutlich gemacht, dass wir alle untrennbar miteinander verbunden sind. Unsere Taten fallen auf uns zurück – wer schiesst, so die Festival-Organisatoren im finalen Communiqué, zielt auf sich selber. Wer aber Lebendigkeit fördert, lebt selber auf.

100 Teilnehmer am ersten Dolphinity World Festival mögen eine geringe Zahl sein – aber sie sind auch ein grosser Beginn: Jeder von uns multipliziert den Geist von Teneriffa und trägt, inspiriert von den Tagen auf Teneriffa, die zentrale Botschaft in die Welt hinaus: Das Leben auf der Erde lebt vom Leben im Wasser.

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*Vera Bürgi, Geschäftsführerin der Meeresschutzorganisation OceanCare, stellte am Dolphinity-Festival in Teneriffa die Kampagne «Silent Oceans» vor.