Bestandesaufnahme im Supermarkt

Vor etwas mehr als 14 Tagen haben wir unsere Petition gegen plastikverpackte Bioprodukte lanciert. Die Reaktionen aus der Öffentlichkeit sind überwältigend: Bereits knapp 10‘000 Unterschriften sind zusammengekommen und wir erhalten von (fast) allen Seiten Zuspruch für unser Vorhaben. In vielen Zuschriften werden uns Beispiele aus verschiedenen Supermärkten für übermässig eingesetzte Plastikverpackungen genannt. Aus eigener Erfahrung haben wir den Eindruck, dass in gewissen Supermarktketten die Plastikwut stärker ausfällt als in anderen. Doch die Intuition ist kein verlässlicher Ratgeber, deshalb haben wir das Gemüse und Früchte-Bioangebot in den sechs grösseren Grossverteilern der Schweiz (Migros, Coop, Denner, Aldi, Landi, Lidl) sowie im Müller Reformhaus untersucht.

Wo gibt’s überhaupt Bio und woher kommen die Produkte?

Zwei der sieben untersuchten Anbieter – Denner und Landi – führen gar kein Biosortiment. Denner verkauft sein Gemüse und seine Früchte hauptsächlich in Plastikbehältern abgepackt. Landi hat ein sehr kleines Angebot, welches aber primär unverpackt ist und bietet Plastiksäcke fürs Abwägen an. Das Müller Reformhaus bietet erwartungsgemäss ausschliesslich Bioprodukte an.

Die meisten der erfassten Bioprodukte  kommen aus der Schweiz (47.7%), 26.1% stammen aus Spanien und 12.1% aus Italien. Die restlichen Prozente teilen sich auf die Herkunftsländer Peru, Dominikanische Republik und Niederlande auf.

Regionale Produkte mit Plastik oder Produkte aus dem Ausland ohne Plastik?

Wenn man nachhaltig einkaufen will, stellt sich oft die Frage, worauf man denn hauptsächlich achten soll: Ist es besser ein regionales Produkt zu kaufen, das in Plastik verpackt ist oder soll man eher zum unverpackten Produkt greifen, obwohl es aus dem Ausland stammt? Welches Kriterium ist entscheidend: Regionalität oder Verpackungsart? Oder beides? Generell ist es natürlich ideal, wenn man regionale, unverpackte Produkte kauft.

Aber natürlich spielen noch weitere Kriterien eine Rolle, wie zum Bespiel die Saisonalität oder auch der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung (CO2-Ausstoss, Strom- und Wasserverbrauch). Grundsätzlich lässt sich hier keine abschliessende, allgemeingültige Antwort geben. Man sollte mit den verfügbaren Informationen von Fall zu Fall entscheiden.

Beurteilungskriterien für den Kauf von Gemüse und Früchten

Wie sind die Bioprodukte verpackt?

Aus unserer Studie geht hervor, dass wie zu erwarten  grundsätzlich an fast allen Bioprodukten Plastik dran ist. Die einzige Ausnahme stellt das Müller Reformhaus dar. Dort werden die meisten Produkte offen angeboten, dennoch sind 16.1% der Produkte, nämlich die verschiedenen Kartoffeln und Karotten, in Plastik verpackt. Aldi und Lidl stehen am anderen Ende des Spektrums und bieten ihre Bioprodukte ausnahmslos in Plastik verpackt an. Die restlichen Verteiler benutzen für alle Produkte ausser Randen und Pilze irgendeine Form von Plastik – seien es Aufkleber, Netze, Säcke oder Schalen mit Überzugsfolien. Coop verpackt 98.3% aller Bioprodukte in Plastik, bei Migros sind es 96.2%.

Plastikverpackungen in den verschiedenen Supermärkten

Auffallend ist, dass die Verteiler unterschiedliche Mengen von Plastik bei den gleichen Verpackungen einsetzen. Aufkleber können die ganze Frucht umschliessen oder nur in Form kleiner Buttons angebracht werden. Netze können von einem Plastikband umringt sein oder es hängt nur eine kleine Etikette am Netz. Ein weiterer Unterschied: Anstelle von Plastikschalen werden für die gleichen Produkte zum Teil Kartonschalen verwendet.

Wir sehen bei allen Anbietern Verbesserungspotential. Einerseits kann der Einsatz von Plastik markant verringert werden indem beispielsweise kleinere Aufkleber oder Netze ohne umlaufende Plastikfolie zum Zug kommen. Andererseits lässt sich die Verpackung durch den Einsatz anderer Materialen (Graspapierschalen, Kartonbehältnisse etc.) ökologischer gestalten. Wünschenswert wäre natürlich der komplette Verzicht auf Verpackungsmaterialien im Sinne eines Zero-Waste-Ansatzes.

Informationen zur Datenerhebung

OceanCare hat die Untersuchung zwischen 8. und 21. Januar 2018 in folgenden Filialen durchgeführt:

  • Migros, Wädenswil
  • Coop, Wädenswil
  • Denner, Wädenswil
  • Aldi, Pfäffikon ZH
  • Landi, Pfäffikon ZH
  • Lidl, Zürich-Schwamendingen
  • Müller Reformhaus, Wallisellen

Insgesamt wurden 199 Bioprodukte aus den Gemüse- und Früchte-Abteilungen erfasst. Die Kategorisierung der Verpackungen orientiert sich am Bericht des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FibL) von Kathrin Seidel: Best Practice Verpackungsbeispiele für Bio Suisse Produkte (2012).