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Schön wieder hier zu sein! Auch die vierte Reise auf die Färöer mit Unterstützung von OceanCare ist intensiv und lehrreich gestartet. Die Leute freundlich und offen wie immer. Und der Umstand, dass bis zum längsten Tag des Jahres – hier wird es zurzeit gar nicht dunkel – noch immer keine einzige Grindwal-Treibjagd stattgefunden hat, ist auch nicht eben unangenehm. Die Menschen hier, zumindest die Männer, sind bekannt dafür, bis in die Gegenwart bei Gelegenheit mit einer Armada von Booten und Privatyachten Grindwale in färöische Buchten zu treiben. Da werden die Tiere abgeschlachtet und das Fleisch an die lokale Bevölkerung verteilt.

Aus walschützerischer Sicht ist die Grindwaljagd ein brutales Blutbad, an dem die Färinger unter dem Vorwand der “Tradition” bisher festhalten und mehrheitlich nichts verwerfliches daran sehen. Ich bin für OceanCare da, um Netzwerke zu vertiefen, in der Hoffnung, gemeinsam mit Einheimischen, die auch gegen den “Grind” – so heissen die Treibjagden – sind, Lösungen zu finden. Ansätze, wie man die Beendigung dieser überholten Praktik unter dem Deckmantel der Tradition beschleunigen kann.

Viele Färinger sind auch Vogeljäger. Während Jahrhunderten, seit der ersten Besiedlung, lebten die Menschen hier von der Fischerei, der Grindwaljagd, von einigen Schafen und anderem Vieh, sowie den Vögeln und ihren Eiern. Etwas anderes gab es kaum. Gemüse und anderes Grünzeug für den direkten menschlichen Verzehr wächst wenig. Die Bedingungen auf den Inseln sind zu rau. Es blieben die Nutztiere, die Fischerei, die Jagd, auch auf Vögel – bis vor einigen Jahrzehnten. Das ist also bis heute zutiefst in ihrer Kultur verankert. Nie sollte dies beim Besuch dieser kleinen Inselnation unterschätzt werden.

Was ich aber nicht gekannt habe bis zu dieser Reise, ist die Tatsache, dass auf den Färöern noch eine weitere Spezies Vögel jagt. Schwertwale! Vor allem auf der färöischen Insel Suðuroy beobachten Einheimische immer wieder, dass Schwertwale direkt an geeigneten Felsbänken auf Vögel lauern, die sich darauf ausruhen wollen. Die Wale schiessen hoch auf die Felsbank und schnappen sich den einen oder anderen Vogel, vornehmlich Eiderenten oder Krähenscharben, eine Kormoran-Art. Das Phänomen ist offensichtlich nicht neu – der Schwertwal wird von den Einheimischen deswegen auch als “Eider-Wal” bezeichnet. Bisher dachte ich stets, die Orcas würden auf diese Weise nur Robben erbeuten.

Erhalten habe ich die Information von Leuten der Plattform Faroe Islands Whale Watch. Diese betreiben diesen Sommer ein Informationszentrum in der Hauptstadt Tórshavn, das bei den Einheimischen auf reges Interesse stösst. Die Plattform will damit zum verstärkten Whale Watching auf den Färöern anregen, auch vom Land aus. Ein unterstützenswerter Ansatz. Der Hauptfokus des Informationszentrums liegt auf der Foto-Identifiktion von Schwertwalen.

Hans Peter Roth, vor Ort für OceanCare
Bildlegende: Die Bucht von Tjørnuvik. Trügerische Idylle. Auch diese Bucht gehört zu den über 20 Buchten auf den Färöern, die für Treibjagden zugelassen sind.
(Bild von Astrid Fuchs, WDC)