Wenn ich heute so etwas wie eine Bilanz ziehe und den ersten Tag dieser Konferenz mit gestern und heute, den letzten IWC-Tagen, vergleiche, wird mir fast ein bisschen schwindlig – so stark sind die Gefühle, so gross die Unterschiede …

Am Anfang war diese diffuse Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser – und heute darf ich sagen, dass ich diesen Sprung gewagt habe und mich nach einer knappen Woche die Lust am Debattieren und Networken so richtig gepackt hat.

Am Anfang war der geplatzte Traum vom Walschutzgebiet, das im südlichen Atlantik am Widerstand von von Delegierten aus Ländern scheiterte, die mit jener Region gar nichts zu tun haben. Und heute die sensationelle Nachricht aus Australien, dass in der Ross-Sea vor dem antarktischen Kontinent das grösste Meeresschutzgebiet des Globus eingerichtet werden soll – ein Erfolg, den wir unseren Freunden von der CCAMLR (Commission fort he Conservation of Antarctic Living Ressources) von Herzen gönnen – umso bedauerlicher mutet da natürlich der IWC-Entscheid vom Montag an.

Und dann der gestrige Tag! Am Morgen habe ich noch mit einem ziemlich mulmigen Gefühl den Plenarsaal betreten – immerhin standen mehrere wichtige Resolutionen zu Abstimmung. Und am Abend haben wir die Sitzung mit einem Gefühl beschlossen, das für mich eine neue Erfahrung bedeutet: Ich hätte nie geahnt, dass ich so hundemüde und erschöpft, aber gleichzeitig auch so glücklich und euphorisch sein kann! Denn: Alle Entscheide sind zu unseren Gunsten ausgefallen – und im Interesse der Meere und ihrer Bewohner.

Die Resolution zum Wissenschaftswalfang etwa wurde mit dem Beschluss verabschiedet, dass die behauptete Wissenschaftlichkeit geprüft und bewilligt werden muss – und zwar von der IWC in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsausschuss der IWC. Immerhin ein Teilerfolg. Uns wäre natürlich lieber gewesen, wenn man diesen wissenschaftlichen Walfang gänzlich verboten hätte. Denn es gibt beim besten Willen keine wissenschaftliche Erkenntnis, die nur durch den Tod eines Meeressäugers gewonnen und durch eine solchen gerechtfertigt werden könnte.

Wir hatten guten Grund zum Feiern, und das haben wir auch ausgiebig getan – zuerst bei einem Apéro in unserer marinebiologischen Herberge, später im „News Cafe“, einem Restaurant um die Ecke, wo wir von den Vertretern der japanischen, isländischen und karibischen Delegation an den Nebentischen mit säuerlichen Mienen beobachtet wurden …

 

 

Als ich um halb zwei mein Kopfkissen begrüsste, schlief ich mit der Erinnerung an den schönsten Moment des Tages ein: Der stellte sich gegen fünf am Nachmittag ein, als die Sitzung zu Ende war und jemand die Vorhänge an der grossen Fensterfont des Sitzungssaals öffnet. Da flutete das Licht der untergehenden Sonne in den Raum – und alle eilten hinaus auf die Terrasse, um dieses Schauspiel zu fotografieren.

Plötzlich rief jemand: „Schaut doch – dort draussen: Die Delphine!“

Tatsächlich begrüsste uns eine Gruppe Grosser Tümmler, die weit draussen ihre Sprünge vorführten.

Vielleicht haben sie sich ja dafür bedanken wollten, dass die IWC kurz zuvor den Beschluss gefasst hatte, Massnahmen zum Schutz ihrer akut bedrohten Verwandten in Mexico, den Vaquitas, zu ergreifen.

 

 

Fabienne McLellan

Fabienne McLellan

Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Stv. Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare

Zusammen mit Fabienne McLellan berichtet Nicolas Entrup täglich über die aktuellsten Entwicklungen an der 66. Internationalen Walfangkonferenz (IWC) in Portoroz, Slowenien.

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