Das Ticket ist gebucht, der Koffer gepackt: In wenigen Stunden startet meine Maschine nach Kopenhagen, und ich hoffe, dass ich nichts vergessen habe. Ich hab sogar daran gedacht, das Badekleid nicht (!) einzupacken. Auch wenn die Westküste der dänischen Ostsee-Insel Fünen auf fast allen Seiten von Wasser umgeben bist: Bei diesen Temperaturen ist Baden definitiv keine Option.

Trotzdem: Hier, im Städtchen Middelfart, wo von diesem Samstag an und bis Mittwoch die jährliche Konferenz der European Cetacean Society (ECS) tagt, bleibt mir der Sprung ins kalte Wasser nicht erspart. Als Vertreterin von OceanCare habe ich schon oft an dieser Tagung teilgenommen, doch jetzt ist alles anders. Im letzten Jahr bin ich in den ECS-Vorstand gewählt worden, jetzt trage ich zum ersten Mal Verantwortung in dieser neuen Funktion. Ich organisiere die Auswahl und Prämierung wissenschaftlicher Arbeiten, die von Studierenden aus ganz Europa eingereicht worden sind. Eine spannende Sache – ich bin sicher, dass ich zusammen mit sechzig wissenschaftlichen Kollegen und Kolleginnen interessante Beiträge beurteilen werde – und ich bin gespannt, wer diesen Wettbewerb gewinnen wird.

Während der ersten beiden Tage stehen Gefahren, welche die Populationen der Wale im Mittelmeer existenziell bedrohen, im Mittelpunkt verschiedener Workshops. Vor allem geht es um die Lärm-Belastung: Ich werde die Erfahrungen einbringen, die OceanCare im Rahmen eines Projekts im Mittelmeer gesammelt hat. Denn auch hier kennt die Lärm-Verschmutzung keine staatlichen Grenzen; deshalb ist es wichtig, dass die vielen Initiativen, die entsprechende Datenbanken anlegen, zusammengetragen und vereinheitlicht werden. Nur so können die lärmintensivsten Gebiete festgestellt und entsprechende Gegen-Massnahmen geplant werden.

Neben dem Lärm ist der Plastik-Müll die zweite grosse Herausforderung, der wir uns in einem weiteren Workshop stellen und für die wir neue Lösungen finden wollen.

Nach der zweitägigen Workshop-Phase beginnt am Montag die offizielle Konferenz. Ich werde ein Poster vorstellen, dass die Resultate jahrelanger wissenschaftlicher Walforschung vor der südfranzösischem Küste optisch zusammenfasst. Das Besondere daran ist der Vergleich von Meeresgebieten, in denen sich die Pottwale aufhalten, mit stark befahrenen Schiffsrouten. Schliesslich bin ich sehr gespannt, wie die Konferenz-Teilnehmenden auf ein Unterwasser-Video reagieren, das ich vorführen werde. Der Film, der letztes Jahr im Mittelmeer gedreht wurde, besticht durch faszinierende Aufnahmen des seltenen Rauzahn-Delphins.

Mitte nächster Woche, wenn ich von der Tagung zurück bin, werde ich an dieser Stelle jenen Studenten beziehungsweise jene Studentin vorstellen, der oder die mit einer wissenschaftlichen Arbeit den ECS-Preis gewonnen hat. Ich werde über neue Erkenntnisse orientieren, die zur Lärm- und Plastik-Belastung der Meere gewonnen wurden, und über Massnahmen, die –so hoffe ich – dagegen ergriffen werden können.

Und natürlich werde ich erzählen, wie die Konferenz einen „Filmstar“ feiert, dem es nichts ausmacht, ins kalte Wasser zu springen – den Rauzahn-Delphin.

 

Dr. Silvia Frey

Dr. Silvia Frey

Dr. Silvia Frey ist Leiterin Wissenschaft und Bildung bei OceanCare. Dieses Jahr nimmt sie zum ersten Mal als Vorstandsmitglied an der Konferenz der European Cetacean Society (ECS) teil und berichtet über den Verlauf der Tagung.