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Canyons sind faszinierende Landschaften, die eine große Vielfalt an Lebensräumen bieten. Dasselbe gilt für Meeres-Canyons. Ein sehr bemerkenswerter Unterwassercanyon ist der Hellenische Graben im östlichen Mittelmeer, der sich über mehr als 50.000 km² entlang der griechischen Küste von den Ionischen Inseln bis südlich und östlich von Kreta erstreckt.

Der Hellenische Graben besteht aus einem steilen Kontinentalabhang, Gräben, Trögen und Becken. Seine maximale Tiefe beträgt 5.267 m – das ist die tiefste Stelle im gesamten Mittelmeer. Für tief tauchende Meeressäuger, insbesondere Pottwale und Cuvier-Schnabelwale, ist der Hellenische Graben ein sehr wichtiger Lebensraum. Hier finden sie ihre Beute, die in der Tiefsee lebt.

Für die Pottwale des östlichen Mittelmeers ist die Region aber nicht nur ein wichtiger Nahrungsgrund, sondern offenbar auch das Hauptgebiet, wo sie ihre Kälber zu Welt bringen und säugen. 79% der Pottwalgruppen, die hier beobachtet wurden, hatten Kälber bei sich. Auch Kälber des Cuvier-Schnabelwals wurden hier beobachtet, darunter auch Neugeborene. Das zeigt, dass der Hellenische Graben auch für diese Art als Fortpflanzungsgebiet fungiert.

Die Mittelmeerpopulation des Pottwals wird als stark gefährdet eingestuft. Ihre Zahl geht aufgrund mehrerer anthropogener Einflüsse zurück. Im östlichen Mittelmeer sind gerade noch 200-250 Pottwale übrig. Ihr wichtigster Lebensraum ist der Hellenische Graben. Die größte Bedrohung für diese Wale besteht darin, von großen Schiffen gerammt und tödlich verwundet zu werden.

Um dieser Gefahr für die Pottwale entgegenzuwirken, hat OceanCare in der Peloponnes-Region das Projekt „SAvE Whales“ gestartet. Außerdem arbeitet OceanCare gegen die Suche nach Erdöl im Hellenischen Graben.

Als Schlüsselhabitat für Pottwale und Cuvier-Schnabelwale und aufgrund seiner herausragenden Meeressäuger-Diversität – darunter Streifendelfine, Gewöhnliche Delfine, Rundkopfdelfine, Große Tümmler und Mittelmeer-Mönchsrobben – erfüllt der Hellenische Graben die Kriterien als „bedeutendes Meeressäugetier-Gebiet“ (Important Marine Mammal Area, IMMA).

IMMAs sind wissenschaftlich abgegrenzte Einheiten von Lebensräumen, die für Meeressäugerarten von großer Bedeutung sind. Die Schaffung eines IMMA-Netzwerks ist auch ein effizienter Ansatz für den Meeresschutz, denn die Meeressäuger sind vergleichsweise gut erforscht und können als Indikator- und Schirmarten herangezogen werden. Ein guter Naturschutzplan für diese Gebiete nützt daher einer großen Bandbreite an Tierarten und dem Ökosystem insgesamt. Kurz gesagt erfüllen Meeressäuger hier die Rolle von Katalysatoren. Das Wissen um Gebiete, die für ihren Fortbestand entscheidend sind, kann so dazu beitragen, eine Balance zwischen der menschlichen Nutzung der Meere und dem gebotenen Schutz der marinen Biodiversität herzustellen.

Lesen Sie mehr über Important Marine Mammal Areas und über den Hellenischen Graben als IMMA.