Volunteering bei Dolphin Biology and Conservation
Galaxidi | Golf von Korinth | Griechenland
17. – 23. Juli 2016 | Christine Siegfried

Ziemlich gerädert kommen wir am 16. Juli nach einem Flug von Zürich nach Athen und einer 4 1/2 stündigen Busfahrt in Galaxidi an. Es ist heiss und ich bin erkältet, was nicht gerade der beste Einstieg ist, um während der nächsten 5 Tage täglich 5 bis 6 Stunden auf einem Zodiac bei ca. 36 Grad zu verbringen!

Zum Glück ist gerade niemand da, der mit guten Ratschlägen auf mich einredet! Die will ich eh nicht hören, bin ja schliesslich hart im nehmen und die ganze Palette an Medikamenten habe ich bereits geschluckt!

Die erste Nacht verbringen wir im Hotel, wo wir auch während der 2. Woche einquartiert sein werden. Chrisoula, die Besitzerin des Hotels Ganimede holt uns an der Bushaltestelle ab. Was für ein herzlicher Empfang! Ab sofort fühlen wir uns im Ganimede wohl und liebevoll aufgehoben.

Dankbar gehen wir in das empfohlene Restaurant um die Ecke.  Vive les pays du Sud! Da kriegt man auch noch um 23 Uhr was zwischen die Zähne, ohne erst angeknurrt zu werden.

Giovanni Bearzi und Silvia Bonizzoni, die Leiter von Dolphin Biology Conservation treffen wir am nächsten Tag am Hafen. Wir fahren zum Haus, welches für die nächsten 5 Tage unsere Bleibe sein wird. Alles ist liebevoll hergerichtet. Es fehlt an nichts.

Um 17 Uhr folgt im Schulungsraum ein erstes Meeting mit genauer Einführung in das, was uns ab Montag erwartet.

Blog_Galaxidi_Siegfried_2Montag, Tagwacht 05.45 – jedenfalls für jene, die ihre Zeit brauchen, um wach zu werden und die ohne Frühstück meinen, gleich verhungern zu müssen, egal wie spät sie am Vorabend gegessen haben. Unsere angehende Meeresbiologie-Studentin aus Brüssel schafft es natürlich, 10 Minuten vor Aufbruch aufzustehen und nur einen Saft zu trinken!

Das Meer ist heute etwas zu bewegt. Wir sind dennoch wie geplant früh am Hafen und fahren los, sobald das nötige Material an Bord ist. Kaum aus der Bucht, fährt unser Boot rassig über die Wellen. Festhalten ist angesagt und ja nicht meinen, man könne das eine Bein noch lässig über den Rand des Schlauchbootes hängen lassen. Silvia, unser Kapitän, führt ihr Gefährt sicher und äusserst konzentriert. Es wird sich später erweisen, dass sie, was immer sie oder das Team tut, immer hochprofessionell bleibt.

Obwohl wir einige Stunden auf See bleiben, haben wir an diesem ersten Tag Pech. Es zeigen sich keine Delphine. Doch so ist Feldforschung eben: auch Tage ohne Sichtungen heisst es auszunutzen und so erkundigen wir uns über die unterschiedlichen Forschungsmethoden. Nachdem an diesem Nachmittag die erste Vorlesung und Präsentation von Giovanni stattfindet, steigt die Spannung. Ja, die Leute wissen, worüber sie reden! Ich bin beeindruckt!

Der Dienstag kompensiert unseren leichten Frust, am Vortag noch keine Delphine gesehen Blog_Galaxidi_Siegfried_3zu haben, vollumfänglich! 5 Augenpaare lassen den Blick über das Wasser gleiten und versuchen ihn auf den Horizont zu richten. Doch auf welchen Horizont, wie weit soll man schauen? Keiner spricht! Silvia steuert das Zodiac über das flache Meer. Hie und da streckt eine der Volontärinnen die Hand in eine Richtung – fast etwas übereifrig, in der Meinung, hier etwas beisteuern zu können….

Aber klar, das sind ’nur‘ springende Fische!

Kurz danach reisst Silvia das Steuer in eine enge Kurve nach links! Ufff, es sind noch alle im Boot! Und bald sehen auch unsere ungeübten Augen, dass sich da vorne was im Wasser tut. Je näher wir kommen umso deutlicher sieht man die runden schwarzen Rücken von Delphinen, die sich in regelmässigem Rhythmus fortbewegen. Silvia hat das Tempo massiv gedrosselt, bis wir fast ganz still stehen. Mir fallen beinahe die Augen aus dem Kopf…. Endlich, endlich geht dieser schon seit langem gehegte Traum, Delphine in Freiheit zu sehen, in Erfüllung. Ich kann es kaum glauben und bin überwältigt. Über Kopfhörer, die mit einem Unterwasser-Mikrophon verbunden sind, höre ich, wie die Delphine unter Wasser miteinander kommunizieren und versuche die Töne wiederzugeben! Dabei versage ich wohl kläglich!

So erleben wir diese einmaligen Spektakel jeden weiteren Tag ausser am Mittwoch, an dem das Meer zu hohe Wellen hat, sodass wir gar nicht erst raus können. Doch dies bringt Giovanni und Silvia nicht in Verlegenheit, denn gleich wird ein Ausflug in die nahe gelegenen Berge organisiert, wo wir ein altes Kloster besuchen.

Beim zählen der Delphine (eine unserer Aufgaben) kommen wir auch schon mal auf ein Total von bis zu 40 Tieren. Immer wieder muss man nachzählen, weil man sich beim Zählen verliert. Wir sehen Tümmler, Streifendelphine und Gemeine Delphine. Von den Streifendelphinen gibt es am meisten. Am stärksten bedroht sind die Gemeinen Delphine.

Sehr berührend ist es, eine Mutter mit ihrem Kleinen zu sehen. Ein wenige Tage altes Baby muss erst noch lernen, richtig zu schwimmen. Seine Bewegungen sind noch etwas unkoordiniert. Die Meeresbiologen sind begeistert zu sehen, dass es Zuwachs gibt.

Blog_Galaxidi_Siegfried_10Und dann, wenn sich die Delphine ausgetobt haben, kommt die Ruhephase. Sie schwimmen in kleinen Gruppen ganz ruhig und sanft. Man hört nur das Ausatmen. So schön!

Jeden Tag findet ein Vortrag mit Präsentation statt, gehalten von einem der leitenden Meeresbiologen oder von einer der Assistentinnen. Wir werden mit Emotionen und Informationen gefüttert – WAS FÜR EIN GESCHENK!

Die Woche ist selbstverständlich viel zu schnell um. Mit der Zeit haben sogar unsere Augen gelernt, Bewegungen im Wasser zu erkennen.  Hie und da sehen wir eine Schildkröte, die meistens gleich wieder abtaucht, wenn sie uns sieht. Schildkröten sind sehr scheu. Doch sie brauchen eine gewisse Zeit an der Wasseroberfläche, um wiederum in die fast endlose Tiefe tauchen zu können.

Die zweite Woche in Galaxidi ist erholsam und erlaubt uns, all die Erlebnisse zu verdauen. Das Ganimede Hotel ist perfekt dafür, gerade auch seiner Einfachheit wegen. Nach dieser ersten Woche, die uns so reich verwöhnt hat, ist genau die Einfachheit wichtig und gewünscht. Wir leben in einer Welt, in der wir kaum noch etwas brauchen.

Sonne, Wasser, Delphine und die Professionalität der Menschen, von denen wir lernen dürfen, genügt vollauf!

Vielen Dank an Silvia und Giovanni, an Lavinia und Laure für diese unvergesslichen Tage!

Blog_Galaxidi_Siegfried_11Ich möchte jedem, der sich mit dem Meer und dessen Bewohnern verbunden fühlt, eine solche Woche gönnen und empfehlen. Natürlich sind Erlebnisse wie diese auch für eine ganze Familie grossartig. Ganz besonders möchte ich junge Menschen (ab 18) ermuntern.

Die nächsten Generationen, können wirklich noch etwas bewegen und können sich für den Schutz der Delphine und anderer Spezies, aber auch für die biologische Ausgeglichenheit unserer Meere und Gewässer einsetzen. Das Wasser ist unser Leben, es verdient, geschützt zu werden!

Mein grosser Dank geht an OceanCare – diese kleine Organisation, die so Grosses leistet. An das ganze Team ein inniges Dankeschön für das enorme Engagement!


Forschen auch Sie mit! Weitere Informationen zu den Wal- und Delphinforschungswochen von OceanCare und Dolphin Biology Conservation finden Sie auf der Website von OceanCare.