Zwischen dem 19. und dem 30. August 2019 versammelte sich die Staatengemeinschaft im UNO-Hauptquartier in New York, um über ein neues, rechtsverbindliches Abkommen im Rahmen der UN-Seerechtskonvention zu verhandeln. Thema dieses internationalen Abkommens (BBNJ) ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität der Meere in Gebieten ausserhalb nationaler Rechtszuständigkeit. Die Verhandlungen über ein solches Abkommen ebnete die UNO-Generalversammlung zu Weihnachten 2017 (Resolution 72/249) und die jetzige Konferenz (IGC3) war die dritte von insgesamt vier Sessionen in diesem Prozess. Die abschliessende Konferenz ist für 23. März bis 3. April 2020 geplant. Bald danach soll der Entwurf des Abkommens in die Behandlung durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen geschickt werden. OceanCare setzt sich dafür ein, dass Unterwasserlärm und andere Formen grenzüberschreitender Umweltverschmutzung in diesem neuen Abkommen für die Hochsee und die Tiefseeböden geregelt werden.

Die Konferenz IGC3 war eine entscheidende Phase im Prozess zur Ausarbeitung des Abkommens. OceanCare war daher mit einem vierköpfigen Team – Lora L. Nordtvedt Reeve, Nicolas Entrup, Johannes Müller und Fabienne McLellan – vertreten. Auch an den vier vorbereitenden Sitzungen vor Beginn der Konferenzen hat OceanCare teilgenommen, so wie die Organisation überhaupt seit Beginn des Prozesses im Jahr 2004 beteiligt war.

Aufbauend auf der Arbeit in den vorbereitenden Sitzungen war es das Kernziel der OceanCare-Delegation bei den BBNJ-Konferenzen, dass das neue Abkommen Massnahmen gegen grenzüberschreitende Verschmutzung enthält, wobei Unterwasserlärm als Beispiel im Mittelpunkt stand. Massnahmen gegen den menschengemachten Unterwasserlärm und seine schädlichen Auswirkungen sind eine langjährige Priorität der Arbeit von OceanCare in verschiedenen internationalen Gremien, darunter die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS).

Solche Massnahmen sollen auf zwei Wegen in das neue Abkommen Eingang finden: erstens durch eine umfassende und allgemein akzeptierte Definition der grenzüberschreitenden Verschmutzung, die gravierende Auswirkungen auf die Biodiversität der Hochsee und der Tiefseeböden hat; und zweitens durch die Beschreibung der Verpflichtungen der Vertragsparteien, wie sie Lärm und andere Formen grenzüberschreitender Verschmutzung zu begrenzen haben. Dazu gehören die Regelungen für Umweltverträglichkeitsprüfungen und Strategische Umweltprüfungen sowie gebietsbezogene Managementmassnahmen wie die Einrichtung von Meeresschutzgebieten.

Im Laufe dieser beiden Wochen der 3. BBNJ-Konferenz hat OceanCare bei vielen nationalen Delegationen weitere Aufklärungsarbeit geleistet, wie wichtig es ist, grenzüberschreitende Verschmutzung im neuen Abkommen zu behandeln. Wir haben geeignete Textvorschläge gemacht bzw. unterstützt, die alle Formen von Verschmutzung definieren und Gegenmassnahmen fordern. Das neue Abkommen kann und soll einen soliden, rechtverbindlichen Rahmen bieten, um alle wesentlichen Schadwirkungen grenzüberschreitender Verschmutzung auf die Biodiversität in Gebieten außerhalb nationaler Zuständigkeit zu beurteilen und Gegenmassnahmen zu ergreifen. Dabei darf es keine Rolle spielen, in welchem Hoheitsgebiet die jeweilige Verschmutzung ihren Ausgang nimmt.

In der Debatte über die Liste relevanter Kategorien für gebietsbezogene Managementmassnahmen hat Algerien im Namen der afrikanischen Staatengruppe eine Intervention für die Aufnahme von anthropogener Lärmverschmutzung gemacht.

Bis zur und bei der vierten Konferenz im Jahr 2020 (BBNJ IGC4) wird sich OceanCare weiterhin energisch dafür einsetzen, die Ursachen und Auswirkungen von menschengemachtem Unterwasserlärm und anderen Formen der grenzüberschreitenden Meeresverschmutzung im neuen Abkommen über den Schutz der Biodiversität der Hochsee und der Tiefseeböden zu regeln.