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Die Initianten des geplanten Ozenariums „Shark City“ in Sinsheim luden am Mittwoch, 29. März 2017 zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung mit anschliessender Diskussionsrunde. Ziel der Organisatoren war es, Bedenken und Kritik aus der Öffentlichkeit zu zerstreuen. OceanCare war neben Sharkproject Germany e.V. und dem Naturschutzbund (NABU) Sinsheim vor Ort und hat sich an der Diskussion beteiligt.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Thomas Walter, Geschäftsführer der „The Seven Seas Aquarium Betriebs GmbH“, die Projektentwicklung vor. Zusammen mit dem Grundeigentümer der geplanten Baufläche, Lorenz Glück (Geschäftsführer der Layher-Liegenschaften), betonte er, dass der Standort ideal für ein Vorhaben dieser Art geeignet sei. Daraufhin präsentierte der zoologische Leiter, Alexander Dressel, die Eckdaten zur Grösse und den technischen Anlagen von Shark City. Zudem gab er Auskunft darüber, welche Haiarten die Betreiber in den Becken halten möchten und woher sie diese zu beziehen gedenken (s. Fotostrecke unten). So sollen ca. 85% der Tiere aus Nachzuchten und Übernahmen von anderen Aquarien stammen. Die übrigen 15% werden als Beifang von lokalen Fischern zur Verfügung gestellt – ein äusserst fragliches Vorhaben.

Auch ob und wie die genannten 85% tatsächlich aus Nachzuchten bewerkstelligt werden können, blieb im Laufe des Abends ungeklärt und strittig. OceanCare hat zudem starke Bedenken, dass einige der genannten Haiarten artgerecht in einem Aquarium gehalten werden können. Besonders nicht-bodenlebende Arten wie der Schwarzspitzen-Riffhai, der Bullenhai, Atlantischer Zitronenhai und Kleiner Schwarzspitzenhai, die darauf angewiesen sind, konstant zu schwimmen, um atmen zu können (engl. so genannt obligate ram ventilator) sind für die Haltung in Gefangenschaft denkbar ungeeignet.

Bevor die Diskussionsrunde geöffnet wurde, stellte der Schirmherr des Projekts, Dr. Erich Ritter, seine langjährige Arbeit als Haiforscher und –schützer vor. Er verwies darauf, dass Haie aufgrund medialer Fehlinformationen mit einem schlechten Image zu kämpfen hätten und dass es deshalb unverzichtbar sei, die breite Öffentlichkeit für den Schutz der Tiere, die zu Millionen bejagt werden, zu sensibilisieren.

OceanCare und die anderen anwesenden Tierschutzorganisationen sind sich einig, dass Sensibilisierungsarbeit wichtig und notwendig ist, sie jedoch einerseits keines realen Aquariums bedarf und andererseits durch das Zurschaustellen von gefangenen Tieren sogar kompromittiert werden kann. OceanCare betonte, dass das Zeigen von Haien in Aquarien ein veraltetes Modell ist, das bisher kaum einen Beitrag zur nachhaltigen Aufklärung der Öffentlichkeit leisten konnte. Modernste Technologien bieten hingegen vielfältige Möglichkeiten, um Haien zu begegnen: In China aber auch in Deutschland sind bereits Virtual Reality Aquarien in Planung, die es ermöglichen, mit allen Sinnen in den Lebensraum der Tiere einzutauchen und sie hautnah in ihrem natürlichen Verhalten zu beobachten – und dies, ohne ein einziges Tier einsperren zu müssen.

So gestaltete sich denn auch der anschliessende Austausch unter den Anwesenden hitzig und teils emotional. Es waren zahlreiche Gegenstimmen – nicht nur seitens Tierschutzorganisationen, sondern auch aus der lokalen Bevölkerung – vertreten. Neben Skepsis gegenüber der Gefangenhaltung von Wildtieren waren auch Zweifel am Sicherheitskonzept sowie an verkehrstechnischen Vorkehrungen zu vernehmen.

OceanCare wird den weiteren Verlauf des Projekts in Sinsheim aufmerksam  beobachten und sich weiter für eine breite, nachhaltige und moderne Sensibilisierung für die bedenkliche Situation der Haie und ihres Lebensraums einsetzen, die jedoch nicht auf dem Rücken von Meerestieren vonstatten geht.