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Bonn, 10. November 2016. Die Bonner Konvention (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals – CMS) und OceanCare unterzeichneten heute ein Partnerschaftsabkommen, um ihre Zusammenarbeit zum Schutz wandernder Tierarten in Gewässern zu formalisieren. CMS-Exekutivsekretär Bradnee Chambers und OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber unterzeichneten das Abkommen im Zuge der 45. Konferenz des Ständigen Ausschusses der Bonner Konvention, die am 9. und 10. November in Bonn stattfindet.

„Die Bonner Konvention freut sich auf die Zusammenarbeit mit OceanCare, um einige der dringendsten Probleme anzugehen, denen aquatische Tierarten ausgesetzt sind“, sagte Bradnee Chambers. „Wir schätzen die langjährige Mitarbeit unseres neuen Partners in den Expertengruppen der CMS-Familie, die wichtige Empfehlungen für den grenzübergreifenden Schutz aquatischer Tierarten erarbeiten. Auf Basis der Gefährdungsevaluierung wollen wir Aktionsempfehlungen entwickeln, die in allen Regionen umgesetzt werden können.“

Die Partnerschaft bildet den geeigneten Rahmen, um zu Themen wie Unterwasserlärm, Müll und ‚Aquatic Bushmeat‘ zusammenzuarbeiten. Unter diesem Begriff versteht man das Fleisch von Wildtierarten, wie z.B. Meeressäugern, Reptilien und Amphibien, die im marinen oder auch Süsswasserbereich leben und für Nahrungs-, medizinische oder traditionell kulturelle Zwecke bejagt werden.

OceanCare hat anthropogenen Unterwasserlärm in verschiedenen multilateralen Umweltabkommen und UN-Organisationen zum Thema gemacht. OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber fungiert ehrenamtlich als Co-Vorsitzende der gemeinsamen Lärmarbeitsgruppe von CMS, ACCOBAMS und ASCOBANS. OceanCare hat auch substantiell zur Entwicklung der Richtlinien der CMS-Familie über Umweltverträglichkeitsprüfungen für lärmverursachende Aktivitäten im marinen Bereich beigetragen, die bei der 12. Vertragsstaatenkonferenz zur Annahme vorgelegt werden.

UNEP haben zusammen mit Partnerorganisationen die Müllverschmutzung der Meere ganz oben auf die politische Agenda gesetzt. OceanCare ist ein Partner im Global Partnership on Marine Litter. Die CMS-Vertragsparteien haben die Bedeutung dieses globalen Themas anerkannt und folglich bei der 11. Vertragsstaatenkonferenz die ‚Resolution on Management of Marine Debris’ angenommen.

„Die Auswirkungen anthropogenen Lärms anzupacken, damit es in den Ozeanen ruhiger wird, und Initiativen für geringeren Plastikverbrauch zu entwickeln – sowohl auf Konsumentenebene als auch innerhalb internationaler Gremien – sind zwei unserer Prioritäten“, erklärte Sigrid Lüber. „Ausserdem werden wir die Bedeutung der Zusammenarbeit mit und Unterstützung von lokalen Gemeinschaften hervorheben. Hier braucht es Massnahmen gegen den Verlust lokaler Fischressourcen an die industrialisierte Fernfischerei – eine der Triebkräfte für die zunehmende Nachfrage nach ‚Aquatic Bushmeat’ und damit für zusätzlichen Druck auf eine Reihe wandernder Tierarten, darunter auch Kleinwale.“

OceanCare trägt die Behandlung des Bushmeat-Themas in der Aquatic Mammals Working Group des CMS-Wissenschaftsausschusses mit und wird dies auch im Vorfeld des 2nd Meeting of the Sessional Committee des Ausschusses tun. In Übereinstimmung mit Resolution 10.15 bereitet die Working Group Informationen über die Folgen von Aquatic Bushmeat auf CMS-gelistete Arten in drei Regionen auf: West- und Zentralafrika, Süd- und Südostasien, sowie Lateinamerika. Sie empfiehlt, bei der CMS COP12 eine Resolution spezifisch zu ‚Aquatic Bushmeat‘ einzubringen, die für die gesamte CMS-Familie relevant wäre.

‚Aquatic Bushmeat‘ ist eine wachsende Gefahr für Delphine, Kleinwale, Schildkröten, Seekühe, Eisbären und Robben. Tiere werden für Nahrungszwecke, Medizin oder andere überkommene Nutzungen, wie zur Nutzung als Fischereiköder, gejagt. Die Wälder werden immer leerer und die küstennahen Fische verschwinden. Lokale Gemeinschaften jagen daher zunehmend andere aquatische Arten als Proteinquellen.