<
(c) Thomas Mani

Thomas Mani

Plastik ist eine geniale Erfindung. Doch zugleich verstecken sich hinter Brillenrahmen, Trinkflaschen, Plastikgabeln und Einwegsäckchen grosse Gefahren. Durch sein geringes Gewicht, Form- und Färbbarkeit, Flexibilität und Dauerhaftigkeit lassen sich aus Plastik sensationelle Produkte herstellen. Doch einmal in die Umwelt gelangt, dauert es bis zu über 500 Jahren bis sich gewisse Plastikarten wieder rückstandlos von der Natur abbauen lassen. Soweit so gut. Doch nicht alle Organismen kommen mit unerwünschten Plastikteilen in ihrem Lebensraum gut zurecht. In den vergangenen ca. 60 Jahren hat die Plastikproduktion und deren Konsum weltweit von rund 1 Million Tonnen auf heute über 280 Millionen Tonnen pro Jahr zugenommen. Und dieser ungefähre Zunahmefaktor 300 wird auch für die kommende Zeitperiode vorausgesagt!

Gastblog von Thomas Mani

Auch wenn sich Plastik erst nach Hunderten von Jahren komplett abbaut – durch Reibung und UV-Licht zerkleinern sich ins Wasser gelangte Kunststoffobjekte in deutlich kürzeren Zeiträumen von wenigen Jahren bis Jahrzehnten. Auch etliche Pflegeprodukte wie Zahnpasten und Shampoos enthalten sogenannte Microbeads aus Plastik zum Scheuer- und Peeling-Effekt. Sind die Plastikteilchen klein genug um von Wassertieren wie Fischen, Krebsen, Muscheln und sogar Plankton in die Verdauung aufgenommen werden zu können, fängt ein verheerendes Problem an. Ist das Plastik in derart niederen Stufen der Nahrungskette drin, gibt es kein Halten mehr und anhaftende Schadstoffe gelangen bis ins Muskelfleisch des Speisefisches den viele Menschen auf unserer Erde (noch) so schätzen. Zudem füllen sich ganze Populationen von filtrierenden Fischen ihre Mägen mit Plastik und verhungern dann elend mit vollem Bauch.

Bekannt ist das Phänomen Mikroplastik (Plastikteilchen kleiner als 5mm) heute im Meer. Es gibt die fünf grossen Strudel, in denen sich durch Meeresströmungen ganze Teppiche von Plastik – gross wie Kontinente – an und leicht unter der Wasseroberfläche sammeln. Weniger bekannt ist die Kontamination hingegen in und durch Flüsse – und genau da will ich mit meiner Masterarbeit eine Wissenslücke füllen. Wissenschaftler der Universität Wien haben nämlich im Februar 2014 dargelegt, dass durch die Donau rund 4,2 Tonnen Mikroplastikpartikel pro Tag(!) ins Schwarze Meer gelangen.

Mikroplastik_Thomas Mani1

Ich will herausfinden wie stark der Rhein von diesem Problem betroffen ist. Zwischen dem 7. Und dem 21. Juli 2014 fahre ich von Basel nach Rotterdam und nehme unterwegs in Basel, Strassburg, Seltz, Mainz, Bonn, Düsseldorf, Leverkusen, Wesel, Gorinchem und Rotterdam je drei Stichproben mit einem Manta Trawl (Netz zur Probenahme an der Wasseroberfläche mit zwei seitlichen Flügel zur Stabilisierung). Das Netz werde ich von Rheinbrücken und Booten ins Wasser lassen um in 15 bis 20-minütigen Stichproben den Plastikgehalt des Rheins zu messen. Ich will damit erste Erkenntnisse zum Zustand des Rheins in Bezug auf Mikroplastikkontamination liefern. Die Resultate sollen als Ausgangspunkt für weiterführende Studien oder sogar als Grundlage für politische Entscheide in der Abfallbewirtschaftung im Einzugsgebiet dienen.

Als Forscher bin ich dabei in einem grossen Dilemma: Ja, ich will Plastik im Rhein finden – aber eigentlich auch nicht. Wisst ihr was ich meine?

(c) Thomas Mani

Polizeiboot: Rhein; Brücke: Rhone

Zur Person: Ich bin 27 Jahre alt und Studiere an der Universität Basel im Master Sustainable Development (Nachhaltige Entwicklung). Als Neo-Basler ist der Rhein – besonders auch im Sommer – ein zentrales Element dieser wunderschönen Schweizer Stadt. Bei uns Schwimmen in den warmen Monaten täglich Hunderte von Badefreudigen im Fluss. Ein paar hundert Kilometer Rheinabwärts, in Köln z.B., lädt das Wasser schon nicht mehr wirklich zum Baden ein. Ich will herausfinden wie sich die Mikroplastikkonzentration entlang des Rheins zwischen Basel und Holland verhält.

Für seine Forschungsreise, die am 7. Juli beginnt, ist Thomas Mani noch auf der Suche nach einem Assistenten: assets.oceancare.org

Artikel “1000 Kilometer Reise fuer einige Gramm Plastik auf 20min.ch”