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WAFO01Côte d’Azur. Kristallklares Meerblau, das Klirren von Champagnergläsern, luxuriöse Yachten. Sehen und gesehen werden. Dieses Mal nicht. Dieses Mal ist alles anders. Statt mit High Heels und Cüpli bin ich auf weissen flachen Segelsohlen und einer Eco-Tanka-Wasserflasche unterwegs an Bord der Doubs, dem Wal- und Delphin-Forschungsschiff von OceanCare. Bereits aus dem TGV haben sich malerische Ausblicke aufs Meer und die Buchten geboten. Doch ich will mehr: Eine Handvoll Blicke hinter die Kulissen des salzigen Nass‘ des Mittelmeers erhaschen. Unser aller Hausmeer, auf dessen Bühne Sonnenhungrige schwimmen und plantschen, Yachten um die Wette glänzen, Fähren rege verkehren, um ihre dichten Fahrpläne einzuhalten, Kreuzfahrtschiffe tausende Gäste, ganze Diskotheken, Kinos und Klettergärten transportieren. Das Sommerferienziel der Europäer schlechthin. Doch was verbirgt sich in dessen Tiefen? Und wie kommen die Meeressäuger mit unserer Konsumlust in ihrem Lebensraum unter der spiegelnden Wasseroberfläche klar?

WAFO02Der Ferienkrimi steht dieses Mal nicht in Druckschwärze zwischen zwei Buchdeckeln auf gebundenem Papier. Er beginnt in dem Moment, in dem ich meinen Fuss zum ersten Mal auf die Doubs setze. Ich tauche sogleich ein in das Abenteuer. Pikantes Detail: Es hat drei Wiederholungstäter an Bord. Ich lerne sie und die anderen vier Besatzungsmitglieder beim Abendessen im Hafenrestaurant kennen. Sechs Schweizer, zwei Deutsche. Vier Frauen, vier Männer. Von 29- bis 71-jährig. Von Laien bis zu erfahrenen Seglern. So unterschiedlich unsere Motive für die Teilnahme auch sind, eines haben wir gemeinsam: Unsere Herzen schlagen für den Schutz der Meeressäuger, darunter für jene mystischen Tiefseetaucher, die in den Gran Canyons des Mittelmeers Zuhause sind.

Es sind alle gut gelaunt, sogleich ergeben sich Gespräche zwischen den Tischnachbarn, die Worte werden quer über den Tisch gereicht währendem wir uns kulinarisch auf Frankreich einstimmen. Ich bin ein bisschen aufgeregt, weiss noch nicht, mit wem ich die enge Koje teilen werde, habe eigentlich keine Ahnung, worauf ich mich einlasse. Der Skipper und Bernd, der gebürtige Holländer und frisch eingebürgerte Schweizer mit orangem Gurt, wetten euphorisch: Bernd behauptet, Pastis und Pernod seien ein und dasselbe, während der Skipper felsenfest davon überzeugt ist, dass es sich dabei um unterschiedliche Anisliköre handle. Ich schmunzle ohne zu wissen, wer die Wette gewinnt. Den Gesichtsausdrücken zufolge amüsiert es die anderen ebenso: Silvia, die Familienmutter, die als Fan der Unterwassertitanen schon zum zweiten Mal mit dabei ist, Andres,WAFO03 der Gärtner aus Greifensee, ehemaliger SAC-Hüttenwart und Umweltingenieur, dem die Natur so fest am Herzen liegt. Regine, die 46-Jährige Kletterin aus der Innerschweiz, der bei ihrem ansteckenden Lachen jeweils fast das Herz rausfällt. Sämi, der als Schulbadvorstandsmitglied seiner Wohngemeinde unbedingt die mitgeschleppten Schulbad-Flossen testen möchte. Der Skipper, der das Segeln liebt, und unser Guide Chantal, die uns den Meeresschutz in allen Facetten näherbringen soll. Pastis oder Pernod? Das fängt ja gut an.

Fortsetzung folgt