Das Novotel in Monte Carlo, dem Zentrum der monegassischen Metropole, ganz in der Nähe vom Yachthafen und direkt an der legendären Formel 1-Strecke gelegen, gehört zu den mondänsten Adressen an der Côte d’Azur. Derzeit allerdings geben hier weder die schönen Reichen noch die lauten Schnellen den Ton an. Es ist ein anderer Lärm, der im Novotel, dem ACCOBAMS-Tagungs-Zentrum, im Mittelpunkt steht – sehr viel Lärm, sehr lauter und sehr tödlicher Lärm. Ein Lärm allerdings, der Menschen kaum zu Ohren kommt.

Mit ungewöhnlich klaren und eindringlichen Worten hat Prinz Albert II deutlich gemacht, was Sache ist: „Der Lärm, dem die Tiere unter Wasser ausgesetzt sind, ist eine der grössten Herausforderungen im Meeresschutz“, erklärte er gestern in seiner Jubiläums-Eröffnungsrede. Als Fürst von Monaco ist er sozusagen der ACCOBAMS-Schirmherr: Sein verstorbener Vater Rainier III hat das Vertragswerk vor zwanzig Jahren unterzeichnet, seither gilt das Fürstentum als Depositärstaat und Gastgeberland. „Um die Wale wirksam zu schützen, müssen wir Ruhe-Zonen einrichten“, fuhr der Prinz fort und mahnte: „Es genügt nicht, die Resultate wissenschaftlicher Forschungsarbeit zu sammeln. Wir kommen nur ans Ziel, wenn wir auch den politischen Willen aufbringen, diese Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.“

Das muss man schon auch mal anerkennen: Der Mann bringt es auf den Punkt!

Noch deutlicher wurde wenig später der Delegierte aus Zypern. Savvas Michaelides, Repräsentant des Umweltministeriums in Nikosia, berichtete von einem Forschungsprogramm, in dessen Verlauf die Meeresregion rund um die geteilte Insel mit Unterwasser-Mikrophonen, sogenannten Hydrophonen, abgehört wurde. „Das Resultat“, beschloss Michaelides seine Ausführungen, „war absolut schockierend: Natürliche Geräusche, gar Laute von Walen waren nicht zu hören; dafür unablässig das Echo militärischer Sonargeräte, die den östlichen Mittelmeer beschallen, um gegnerische Unterseeboote zu orten.“

Mit anderen Worten: Der tödliche Sonar-Lärm, der das hochsensible Echo-Ortungsorgan von Walen und Delphinen verletzt und den Tieren die Orientierung raubt, macht auch die Meeressäuger zu Opfern des blutigen Krieges, der in den Ländern hinter den Küsten tobt.

Solche Berichte bestärken uns in der Überzeugung, dass wir – nebst den längst geforderten, geografisch auch schon definierten, aber meist nicht rechtlich verbindlichen Schutz-Zonen – die Möglichkeiten bekommen, diese Gebiete effizient zu überwachen. Darüber hinaus sollten die Regierungen von Staaten, deren Organe sich nicht an erlassene Bestimmungen halten, mit Konsequenzen rechnen müssen. Ich hoffe sehr, bezweifle allerdings auch ein bisschen, dass es uns rasch gelingen wird, insbesondere bei militärischen Aktivitäten kurzfristig eine tragfähige Lösung auszuhandeln. Unglücklicherweise gilt noch immer der Grundsatz, dass militärische Interessen über den Anliegen des Natur- und Tierschutzes stehen und von wichtigen Schutzbestimmungen ausgenommen sind. Positiv sehe ich jedoch ein neu eingerichtetes Gremium, das grundsätzlich die mangelhafte Umsetzung von Beschlüssen durch stattliche Organe überprüfen kann.

Sigrid und ich haben in dieser Beziehung bereits verschiedene Anfragen und Anregungen deponiert – und wir bleiben heute und morgen selbstverständlich hartnäckig dran am Kampf gegen den Lärm. Wir streben einen Beschluss an, der die Situation für die Tiere im Meer verbessert. Sehr viel konkreter kann ich derzeit zu diesem Thema nicht werden, ohne ein möglicherweise tragfähiges Verhandlungsergebnis zu gefährden. Denn beim besten politischen Willen ist Tierschutz auf dem internationalen Parkett immer auch eine Frage der Diplomatie. Und des Kompromisses.

Kompromisse muss ich auch vor und nach den Sitzungen eingehen. Zu gern würde ich selbst hier, inmitten des in die Felsen angehäuften Betons, mein Lauftraining absolvieren. Aber der angerissene Meniskus in meinem rechten Knie zwingt mich momentan zu einer Lauf-Pause.

Und auch wenn wir – Sigrid und ich – in diesen Tagen noch einmal vollen Einsatz geben, so muss ich gestehen, dass ich mich auf eine geruhsame Adventszeit freue; nach den vielen internationalen Tagungen dieses Jahres fühl ich mich einigermassen ausgelaugt.

Vor allem aber freue ich mich auf den Jänner. Dann sollte das Knie ausgeheilt sein. Dann kann ich wieder an den Wiener Marathon denken, den ich im Frühjahr bestreiten will. Und dann werde ich hoffentlich wieder meine Laufschuhe schnüre können!

Gewiss werden sich auch im kommenden Jahr Möglichkeiten ergeben, Sie, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, über tierschutzdiplomatische und marathonsportliche Erfolge auf dem Laufenden zu halten.

In diesem Sinne darf ich Ihnen für die anstehenden Festtage und die Jahreswende von Herzen alles Gute wünschen.

Nicolas Entrup

Nicolas Entrup

Ocean Policy Consultant bei OceanCare

Nicolas Entrup berichtet von der 6. Walschutzkonferenz der Anrainerstaaten des Mittelmeers und Schwarzen Meeres

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