Als Aquatic Wildmeat bezeichnet werden Produkte, die von aquatischen Wildtieren wie Delphinen, Walen, Seekühen, Schildkröten, Vögeln und Krokodilen stammen. Das Fleisch, die Organe, Knochen und Schalen dienen der Selbstversorgung, haben traditionellen Nutzen, oder werden als Fischköder verwendet. Davon betroffen sind geschützte, gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tierarten.

Dieses wachsende Problem besteht in der gesamten westafrikanischen Küstenregion. Eine regelmässige Bejagung von Seekühe, fünf Arten von Meeresschildkröten, sieben Delphinarten und eine Krokodilart ist dokumentiert.

Die Fischerei spielt in weiten Teilen Afrikas eine zentrale Rolle für die Ernährung und den Lebensunterhalt der Menschen. In den Fischereigemeinden Westafrikas bietet Fisch vielen Menschen Arbeit und Einkommen. Diese Gemeinden gehören nicht selten zu den ärmsten und fragilsten der Welt. Fisch ist für die Familien, welche in den Gemeinden leben, eine relativ billige Proteinquelle. Doch nun ist ihr Lebensunterhalt und ihre Zukunft vom Klimawandel gefährdet: Ökosysteme, die sie über Generationen gut kannten, verändern sich. Ein zweiter Faktor, der ihre überlebenswichtigen Ökosysteme zerstört, sind die industriellen Fangschiffe aus Europa und Asien, die – oft illegal – vor Westafrika operieren. Dies führt dazu, dass die Fischer oftmals mit leeren Netzen zurückkommen. Immer mehr Fischpopulationen sind erschöpft. Notgedrungen suchen die Fischer nach anderen Wegen, um ihr Überleben und das ihrer Gemeinden zu sichern. Manche Männer verlassen ihre Heimat und ihre Familien, um Arbeit in Nachbarstaaten zu finden. Andere investieren mehr Zeit, um unter gefährlichen Bedingungen in grösserer Entfernung vor der Küste zu fischen. Und wiederum andere wenden sich der Jagd nach Aquatic Wildmeat zu und stellen vor allem Meeresschildkröten, Seevögeln, Afrikanischen Seekühen und Delphinen nach.

Um diesem Problem zu begegnen, etablierte OceanCare im Jahr 2017 in Benin ein Team von Western Africa Aquatic Wildmeat Consultants. Gleichzeitig baut OceanCare auf internationaler Ebene Druck auf, um die europäische und asiatische Industriefischerei unter Kontrolle zu bringen.

Auf Gemeindeebene arbeitet unser westafrikanisches Team mit den Gemeindevorständen, den Fischerverbänden und den gewählten Vertretern zusammen, die unmittelbar für das Management der lokalen Ressourcen zuständig sind. Wir betreiben Forschung und Monitoring, führen Umweltbildungsprogramme durch und wollen zu lokalen Massnahmen anspornen. Wir arbeiten mit den Fischergemeinden an der Küste zusammen, um besser zu verstehen, auf welche bedrohten Tierarten sie Jagd machen. Gemeinsam suchen wir nach alternativen und nachhaltigen Einkommensquellen, wie es zum Beispiel die Vogel- oder Walbeobachtungen sind. Die Erkenntnisse nutzen wir für Lobbyarbeit in unterschiedlichen Ministerien, darunter die Umwelt- und Fischereiministerien der westafrikanischen Staaten. Durch den Austausch mit den Ministerien können die westafrikanischen Staaten künftig bessere Aktionspläne für den Schutz der aquatischen Wildtiere entwickeln und den Raubbau von Ressourcen stoppen.

Gemeinden können sich bis zu einem gewissen Grad anpassen und verändern, aber es ist äusserst unfair, wenn die ärmsten unter ihnen die Verantwortung alleine tragen müssen. Daher ist es unabdingbar, dass auch internationale Akteure das Problem anerkennen und ihren Beitrag zur Lösung des Problems leisten. Es ist Zeit, dass die Fischerei in Westafrika wieder den Westafrikanern überlassen wird.