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Genf/Wädenswil, 16. September 2020: Im Rahmen der laufenden Herbstsession haben 11 Schweizer Organisationen, die rund 350’000 Mitglieder und Unterstützer vertreten, einen Appell an das Schweizer Parlament gerichtet. In Sorge über die schädlichen Folgen von Plastik für Umwelt und Bevölkerung fordern sie die Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf, für ein wirksames, weltweites Plastik-Abkommen einzutreten.

Es wird immer deutlicher, dass sich die Verschmutzung durch Plastik nicht nur auf die Meere beschränkt. Sie wirkt sich längst auch auf die Schweizer Landwirtschaft, unsere Natur, unsere Seen und Flüsse und die Gesundheit von Mensch und Tier aus. Dies belegen zwei wichtige Berichte zu Plastik in der Schweiz, die dieses Jahr veröffentlicht wurden: Eine wissenschaftliche Studie kam zum Schluss, dass Mikroplastik in grossen Mengen im Schnee in den Schweizer Bergen und in der Arktis vorhanden ist. Zudem heisst es im Bericht des Bundesamts für Umwelt (BAFU, 2020) zu Plastik in der Schweizer Umwelt, dass jedes Jahr rund 14’000 Tonnen Plastik in unseren Böden und Gewässern landen.

Fabienne McLellan, Co-Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare sagt: «Es gibt kaum noch einen Ort auf diesem Planeten, der frei von den verheerenden Auswirkungen unseres Plastik-Fussabdrucks ist. Wir können uns auch nicht aus dem Problem «heraus-rezyklieren». Das Problem ist bei weitem zu gross, als dass es sich mit halbherzigen, unverbindlichen Massnahmen oder durch die Selbstregulierung der Privatwirtschaft lösen liesse. Vielmehr braucht es dringend ein verbindliches, globales Plastik-Abkommen. Die Schweiz hat die Chance, dabei eine führende Rolle einzunehmen. Ich hoffe, dass die Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit mutigen Schritten vorangehen und für weltweite Massnahmen eintreten, die den gesamten ‘Lebenszyklus’ und die wahren Kosten von Plastik miteinbeziehen.»

Antoinette Vermilye, Mitbegründerin der Gallifrey Foundation, äussert ihre Sorge: «Plastikverpackungen und Einwegplastik setzen die Menschen gesundheitsschädlichen Chemikalien und Zusatzstoffen aus, die sie über das verpackte Produkt aufnehmen. Diese Chemikalien, so genannte endokrine Disruptoren, beeinflussen und stören unseren Hormonhaushalt und wirken sich gemäss wissenschaftlichen Studien auf unsere Gesundheit aus. Mögliche Folgen sind Unfruchtbarkeit, Fettleibigkeit, Diabetes und verschiedenen Arten von Krebs. Die Schweiz hat jetzt die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen, um die Gesundheit der heutigen und zukünftigen Bevölkerung sowie des Planeten zu gewährleisten.»

Andrés Del Castillo, Anwalt bei CIEL, ergänzt: «Die Verschmutzung durch Plastik ist eine der grössten Bedrohungen, denen unser Planet ausgesetzt ist. Es ist glasklar, dass dieses Thema der Schweizer Bevölkerung, neben dem Klimawandel und dem Rückgang der Artenvielfalt, zunehmend Sorgen bereitet. Die Verbreitung von Plastik trägt zu den globalen Treibhausgasemissionen und zum Klimawandel bei. Diese Probleme lassen sich aber nicht lösen, ohne den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen anzugehen. Dafür sind rechtliche Kohärenz und Komplementarität auf lokaler, nationaler und globaler Ebene notwendig.»

Die Organisationen rufen das Schweizer Parlament und die Regierung dazu auf, bei der Lösung des Plastikproblems – eines der grössten und drängendsten der heutigen Zeit – Führerschaft zu zeigen und sich im Vorfeld der 5. Session der UNO-Umweltversammlung (UNEA5, Februar 2021) für ein globales und rechtsverbindliches Abkommen gegen die allgegenwärtige Plastikverschmutzung stark zu machen. Mit ihrer Expertise in multilateraler Zusammenarbeit und Koordination ist die Schweiz prädestiniert dafür, ein solches Abkommen erfolgreich voranzubringen.

Medienkontakt: Fabienne McLellan, Co-Leiterin International Zusammenarbeit, OceanCare, fmclellan@oceancare.org; M: 079 456 77 07

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