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Gestern gab es am ICP Meeting acht Vorträge zu erneuerbaren Energien aus dem Meer. Technologien, bereits bestehende und geplante Projekte wurden vorgestellt und die wirtschaftlichen Möglichkeiten gepriesen. Kleine Inselstaaten und Entwicklungsländer forderten finanzielle Unterstützung und Teilen des Know-hows für die Umsetzung solcher Projekte in ihren Gewässern.

Ein Vortrag behandelte die Umweltaspekte der Technologien für die Gewinnung von erneuerbaren Energien aus dem Meer. Die EU stellte die Frage nach dem Einfluss des Unterwasserlärms beim Bau solcher Anlagen, die mehrere Tausend Quadratkilometer in Anspruch nehmen können, und besonders auch das Rammen von Pfählen für die Verankerung von Offshore Windparks.

OceanCare doppelte nach mit der Frage, wie die kumulativen Einflüsse eingeschätzt werden und wie Wale und Fische von den riesigen Unterwasserturbinen betroffen wären, insbesonders in angestammten Migrationsgebieten. Wir wollten auch wissen, wie der Einfluss der riesigen Turbinen auf Topräuber wie Thunfische und Schwertfische eingeschätzt wird. Dese sind ja zu 90% ausgefischt und es ist bekannt, dass beispielsweise Thunfische ihre Migrationsroute zu den Laichgründen bereits aufgrund von Schiffslärm ändern.

Erneuerbare Energien aus dem Meer ist ein stimulierendes und wichtiges Thema und man merkt die grosse Aufbruchstimmung der Wirtschaft und der Länder zum Ausschöpfen dieser Möglichkeiten. OceanCare wollte daher auch wissen wie mit Vorsicht und Umsicht vorgegangen werden kann, um zu den bereits bestehenden Gefahren, nicht noch eine weitere hinzuzufügen. Einige internationale Foren haben bereits ihre Besorgnis ausgedrückt, weil es noch keine gesetzliche Regelung für die Installation solcher immensen Anlagen gibt. ASCOBANS, das Schutzabkommen für die Nordsee und das Baltische Meer zum Beispiel forderte die Erforschung der Einflüsse von Windfarmen auf Wale, und die Erarbeitung eines strategischen Umweltgutachtens in Bezug auf die Standorte von solchen Anlagen. Wir wollten wissen, wie hier das Vorsichtsprinzip angewendet werden kann, um den möglichen kumulativen Einflüssen solcher Energiekraftwerke im Meer vorzubeugen.

Salopp übersetzt, meinte Prof. Attrill dazu nur, dass es schon so viele Gefahren für die Meerestiere gebe, dass es nicht so sehr darauf ankomme, wenn jetzt durch die Installationen zur Gewinnung von erneuerbaren Energien im Meer eventuell noch zusätzliche hinzukommen. Er meinte, man müsse die ökologischen Aspekte mit den sozio-ökonomischen Aspekten abwägen, um einen ausgewogenen Ansatz zu wählen.

Hier gilt es also das Augenmerk auf die Entwicklung zu haben und immer wieder darauf hinweisen und wo nötig auch darauf zu pochen, dass unabhängige Umweltverträglichkeitsgutachten notwendig sind und wo Unsicherheiten bestehen, das Vorsichtsprinzip angewendet wird. Es müssen auch neue Schutzgebiete geschaffen werden, wo die Meerestiere eine sichere Heimat haben. Viele Gebiete, die für die marine Artenvielfalt wichtig sind, wurden bereits identifiziert. Jetzt gilt es, die Entscheidungsträger dazu zu bringen, diese Gebiete als Schutzgebiete auszuweisen und die Gesetzeslücken zu füllen, damit die blaue Ökonomie sprich die Industrie der erneuerbaren Energien aus dem Meer geregelt wird. Dafür setzt sich OceanCare ein.

Ein Einblick über die Vielfalt und die Grösse der Anlagen bietet der Tagesanzeiger Artikel in der Rubrik Wissen.